Wirtschaftliche Zukunft steht auf wackligen Beinen

Die wirtschaftliche Lage vieler Pflegeheime hat sich in den Jahren 2003 bis 2005 verbessert. Trotzdem befinden sich immer noch 13 Prozent der Heime, was ihre Finanzlage angeht, im insolvenzgefährdeten "roten", fast 71 Prozent hingegen im "grünen" Bereich. Damit ist jedes siebte Pflegeheim von der Insolvenz bedroht.

Während sich von den privaten Heimen fast 18 Prozent im "roten" Bereich befinden, trifft dies nur für acht Prozent der Heime in freigemeinnütziger und neun Prozent der Heime in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zu. Dies sind einige der Ergebnisse des "Pflegeheim Rating Report 2007", in dem RWI Essen, ADMED GmbH und Institute for Health Care Business GmbH (HCB) zum zweiten Mal die Situation auf dem deutschen Pflegemarkt untersucht haben.

Berechnungen ergeben zudem, dass die Zahl der Pflegefälle bis zum Jahr 2020 weiter ansteigen wird, je nach Region zwischen unter 20 und über 50 Prozent.

Die aktuelle Pflegereform bessert die Finanzsituation der Sozialen Pflegeversicherung spürbar. Der Beitragssatz soll Mitte 2008 um 0,25 Prozentpunkte steigen, dafür werden erstmals Leistungen erhöht. Geplant sind höhere Pflegesätze und ausgeweitete Leistungen für Demente. Die SPV dürfte damit bis zum Jahr 2014 Überschüsse erwirtschaften und die Kapitalreserve fast bis 2018 ausreichen. Danach tut sich jedoch eine gewaltige Finanzierungslücke auf. Ab dem Jahr 2020 erreichen die ersten geburtenstarken Jahrgänge ("Babyboomer") das Pflegealter. Dies dürfte gegen Ende des nächsten Jahrzehnts zu erheblichem Druck auf die Pflegeheime durch die Pflegebedürftigen, die Sozialämter und die Politik führen.

Die wirtschaftliche Zukunft der Pflegeheime erscheint vor diesem Hintergrund ungewiss. Ohne Preisdruck dürfte sich ihre Ausgangslage verbessern. Kommt es hingegen durch eine verschärfte Lage der SPV und der Sozialämter zum Preisdruck auf Heime, würde sich deren Situation deutlich verschlechtern. Es wird empfohlen - analog zur "Riester- Rente" neben der gesetzlichen Rentenversicherung - eine zusätzliche private Vorsorge einzuführen. Zudem sollte das Pflegeangebot stärker differenziert werden.

Aus Sicht der Wissenschaftler könnten die Preise von Pflegeheimen weitgehend freigegeben werden. Es genügte, wenn der Gesetzgeber - ähnlich wie auf dem Mietmarkt - Mindestnormen zur Pflege vorgeben sowie übermäßige Preiserhöhungen nach Abschluss eines Pflegevertrags unterbinden würde. Notwendig ist ferner, die Transparenz über die Pflegequalität deutlich zu erhöhen. Ein Qualitätswettbewerb zwischen Heimen kann derzeit noch nicht stattfinden, weil das Preis- Leistungsverhältnis nicht beurteilt werden kann.

Grundlage der Studie sind 270 Jahresabschlüsse von etwa 600 Pflegeheimen sowie Daten von knapp 9.500 stationären Pflegeeinrichtungen.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.