30/08/2007

Industrieverband Spectaris e.V.

WirtschaftsWoche Tagung Medizintechnik

Unter dem Motto „Strategien für den Zukunftsmarkt der Gesundheitsbranche“ fand am 3. und 4. Juli 2007 die WirtschaftsWoche Tagung Medizintechnik statt. Den Teilnehmern aus den Bereichen Vertrieb, Einkauf, Forschung und Entwicklung, Unternehmensentwicklung, Marketing, Finanzen und Auslandsmärkte sowie Führungskräften aus Agenturen und Beraterunternehmen aus der Medizintechnikbranche wurde die Möglichkeit geboten, sich mit führenden Marktteilnehmern über neue Absatzmöglichkeiten der Medizintechnik in Deutschland und im Ausland auszutauschen. Thematische Schwerpunkte der Tagung waren die innovative Medizintechnik, der Absatzmarkt Deutschland, die Wachstumsregion Asien sowie die Rolle von Beteiligungskapital für die Medizintechnik.

Unter dem Programmpunkt „Medizin- und Gesundheitstechnik – Antwort auf die Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahrzehnten?“ referierte Prof. Dr. Ing. Heinz Gerhaeuser (Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen) über die demographische Entwicklung als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dass innovative Medizintechnik zur Problemminderung in einer alternden Gesellschaft beitragen kannn, belegt Prof. Gerhaeuser am Beispiel der immer bedeutsamer werdenden miniaturisierten, drahtlos miteinander verknüpften Sensoren und intelligenten Algorithmen zur Erkennung des Gesundheitszustandes. Diese Sensoren, oftmals in die Bekleidung der Patienten integriert, zeichnen EKG, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung des Blutes z. B. bei Herz-Kreislauf-Patienten auf und übermitteln diese Daten an einen Arzt. Weitgehend durchgängig verfügbare Technologien, so Prof. Gerhaeuser, sind keine Utopie mehr. Die Informations- und Kommunikationstechnik sowie die Mikroelektronik bieten Möglichkeiten um Teilprobleme der demographischen Folgen zu mildern.

Die Sparzwänge der gesetzlichen Krankenversicherung, die Einführung der DRGs in den Krankenhäusern, die damit einhergehenden Zusammenschlüsse sowie der Investitionsstau in deutschen Krankenhäusern lassen den Binnenmarkt für die Medizintechnik-Branche schwach aussehen. Nach Prof. Dr. Erich Reinhardt (Vorsitzender der Siemens Medical Solutions) muss hier der Binnenmarkt dringend angekurbelt werden. Seine Devise: „Qualität rauf und Kosten runter“. Um dies zu erreichen, müssen Arbeitsabläufe optimiert, Kosten reduziert und die Qualität verbessert werden. In seinem Vortrag erläuterte Reinhardt, inwieweit Molekularmedizin und Informationstechnologie die Schlüssel zur dauerhaften Effizienzsteigerung sind und wie durch optimierte Arbeitsabläufe und integrierte Diagnostiklösungen Kosten gesenkt und die Qualität verbessert werden kann. Die Zukunft der Medizin wird, so Reinhardt, in der Kombination von Labordiagnostik, Bildgebung und Informationstechnologie liegen.

Über die Triebfedern zukünftiger Medizintechnik-Entwicklungen referierte Dr. Harald Stallforth, Mitglied der Geschäftsleitung, Forschung & Entwicklung, in der B. Braun-Tochter Aesculap, Tuttlingen. Er sieht diese in vier Bereichen: minimalinvasive Operationstechniken (z. B. Neuroendoskopie), rechnerunterstütztes Operieren (Navigieren und Positionieren), in der regenerativen Medizin (Tissue Engineering) sowie im Monitoring von Vitalfunktionen.

„Wachstumsmarkt China – Chancen in der Medizintechnologie“ war das Thema von Wolfgang Syhr (General Manager Greater China - Dräger Medical AG & Co. KG in Shanghai). Syhr berichtete, dass es wichtig sei, für China genau zu wissen, mit welchen Produkten man den Markt bedienen will. Verstärkte Marktabschottung und zunehmende chinesische Inlandskonkurrenz machen den Markt für deutsche Produkte zunehmend schwieriger. Unternehmen, die neu in den chinesischen Markt einsteigen, empfahl Syhr sich auf die großen Krankenhäuser zu konzentrieren. Neben einer Hauptniederlassung empfiehlt es sich, Niederlassungen in den Provinzen aufzubauen und mit lokalen Händlern zusammenzuarbeiten. Wichtig sei es, sich als Unternehmen Wissen und Technik seiner Produkte zu sichern – und dies nicht nur in Deutschland, sondern vor Ort. Plagiate sind das Problem im chinesischen Markt.

Zeyad Hassan Almoosa (Managing Director - Gulf Drug Establishment in Dubai) ging auf Dubai als Handelszentrum für deutsche Medizintechnik ein. Er berichtete, dass - neben Asien - auch Osteuropa und der Nahe Osten wichtige Wachstumsregionen und Absatzmärkte für die deutsche Medizintechnik seien. Das Interesse deutscher Medizintechnik-Hersteller in diesem Markt sei groß. Allein auf der Arab Health 2007 waren 351 deutsche Aussteller vertreten.

Deutsche Medizintechnik als attraktive Investmentmöglichkeiten für Beteiligungskapital und Strategien für die Medizintechnik Branche aus Sicht eines strategischen Investors waren Themen von Tomas Aubell (Director - EOT Partners Beteiligungsberatung GmbH in München), der im Rahmen von Investments in der Medizintechnik tätig ist. Aubell berichtete, dass die Medizintechnik interessante Wachstumsperspektiven aufweise und viele Medizintechnik-Firmen hochprofitabel wirtschaften. Das durchschnittliche Wachstum pro Jahr lag bei rund 8,5 Prozent. Die Gewinn-Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen liegt nach Aussagen von Aubells für Fresenius bei 19 Prozent, für Essilor bei 22 Prozent sowie für Synthes bei 46 Prozent.

Anders aufgestellt ist die Earlybird Venture Capital aus Hamburg. Thom Rasche (Partner der Earlybird Venture Capital) beteiligt sich mit Wagniskapital privater Geldgeber an jungen und innovativen Start-ups. Investition und Unterstützung laufen über einen Zeitraum von sieben bis neun Jahren. Earlybird strebt beim Verkauf eine Verzehnfachung des eingesetzten Kapitals und Unternehmenswerte von 100 Mio. Euro an. Die Frage nach „Heuschrecke oder strategischer Partner?“ bleibt damit in der Beantwortung der Unternehmen selbst.

Pressekontakt
Dr. Michaela Flug
Fon +49 (0)30 41 40 21-16
Fax +49 (0)30 41 40 21-33
flug@spectaris.de
www.spectaris.de
SPECTARIS. Deutscher Industrieverband für optische,
medizinische und mechatronische Technologien e.V.
Saarbrücker Straße 38, D-10405 Berlin