Wissenschaftler können genetischen Einfluss auf den Stoffwechsel nachweisen

Foto: Frau zerschneidet Plastik-DNA

Die Konzentration zentraler stoff-
wechselregulierender Hormone im
Blut ist genetisch bedingt; © pan-
thermedia.net / Gernot Krautberger

Wissenschaftler des Metabolic Center am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und des Interfakultären Instituts für Genetik und Funktionelle Genomforschung haben gemeinsam internationale Forschungskonsortien gegründet, um die erbliche Regulation von Hormonen zu ergründen. Daran sind zehn Forschungseinrichtungen aus acht Ländern beteiligt. Als Basis dienten die Untersuchungsdaten und Blutproben der seit 1997 laufenden Greifswalder Bevölkerungsstudie „Gesundheit in Vorpommern“ SHIP (Study of Health in Pomerania) mit über 7000 Probanden und mittlerweile drei Untersuchungswellen.

In der jüngsten Untersuchung standen insbesondere die Hormone insulin like growth factor (IGF-I) und Dehydroepiandrostendionsulfat (DHEAS) im Fokus. Beide Hormone steuern eine Reihe von physischen und psychischen Vorgängen und werden mit allgemeinen Alterungsprozessen in Verbindung gebracht. Dabei konnten erstmals bisher nicht bekannte genetische Faktoren identifiziert worden, die einen Einfluss auf die Hormonregulation haben. „Damit können neuartige Einblicke in den menschlichen Stoffwechsel und auftretende Störungen gewonnen sowie individualisierte Therapieansätze erschlossen werden“, erklärte Doktor Georg Homuth, Arbeitsgruppenleiter im Interfakultären Institut für Genetik und Funtkionelle Genomforschung. Genetische Auswirkungen auf den Hormonspiegel könnten zukünftig ein anderes medizinisches Herangehen erfordern, beispielsweise bei der Diagnostik oder medikamentösen Behandlung.

Die Forscher befassen sich schwerpunktmäßig mit diesen Botenstoffen des menschlichen Körpers und deren Einfluss auf Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes und Osteoporose. In begleitenden Analysen der Daten der SHIP-Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass Abweichungen dieser Hormone im Blut häufig mit Übergewicht und Adipositas, einer Leberverfettung und der Entwicklung eines Typ 2 Diabetes verknüpft sind. „Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind nicht nur mit häufigen Erkrankungen, sondern auch mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden“, betonte Professor Henri Wallaschofski. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben. „Der genetische Einfluss auf den Stoffwechsel könnte ein Grund sein, warum Arzneimittel nicht bei allen Patienten den gleichen Erfolg zeigen.“


MEDICA.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald