Mit der Erforschung der HIV-Infektion begann das Ehepaar, als 1983 in Hamburg die ersten AIDS-Fälle diagnostiziert wurden. Schon in den 80er Jahren konnten sie nachweisen, dass die lymphatischen Organe, besonders die Keimzentren, ein wichtiges Virusreservoir darstellen.

Anhand der beobachteten Veränderungen dieser Organe während der HIV-Infektion hat das Ehepaar Racz verschiedene Phasen der Infektion klassifiziert. Diese Klassifikation bildet die Grundlage für den heute verwendeten Indikator zur Erfolgskontrolle der gängigen Kombinationstherapie in der HIV- Behandlung. "Damals wollten führende Fachzeitschriften unsere Forschungsergebnisse gar nicht publizieren, weil sie sie für völlig abwegig hielten", erinnert sich der heute 81jährige Paul Racz. "Heute fliegen Studenten durch die Prüfung, wenn sie diese Sachverhalte nicht kennen."

Obwohl längst pensioniert, sind beide weiterhin mit ungebremster Einsatzbereitschaft wissenschaftlich tätig und widmen sich derzeit der Validierung von HIV-Impfstoffkandidaten. In einer jüngst in PloS Medicine veröffentlichten Studie hat das BNI-Forscherpaar in Zusammenarbeit mit dem Aaron Diamond AIDS Research Center herausgefunden, dass CD4+ T-Zellen (sogenannte Helferzellen des Immunsystems) im Darms innerhalb kürzester Zeit nach einer HIV- Infektion trotz frühzeitiger Behandlung verloren gehen.

Auch nach Jahren der Behandlung erreichen die T-Zellen nicht ihr normales Niveau. Dieser Erkenntnis, dass die HIV-spezifischen Helferzellen während der akuten Infektionsphase ein bevorzugtes Ziel von HIV sind, müsste mit einem Impfstoff Rechnung getragen werden, der bereits in der frühen Infektionsphase wirksam ist.

Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird von der Dr. Friedrich Sasse-Stiftung in Erinnerung an den Berliner Apotheker und Pharmazieunternehmer Dr. Friedrich Sasse an international angesehene Forscher aus der Immunologie vergeben.

MEDICA.de; Quelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin