Die herkömmliche Photokoagulation geht mit enormen Nebenwirkungen und häufigen Komplikationen einher. Hinzu kommen erhebliche Schmerzen, die diese Methode durch oft zu starke Koagulationen verursacht. Sie werden mit jeder Behandlung stärker und sind durch Schmerzmittel kaum zu lindern. Wenig erstaunlich also, dass die Patienten in der Regel nicht ausreichend oder wiederholt behandelt werden. Die Angst vor dem Schmerz fordert ihren Tribut. Noch mehr gefürchtet sind die Schäden, die der Laser anrichten kann. Durch die enorme Hitze wird nicht selten die Sehfähigkeit vermindert – eine irreversible Folge der Laserbestrahlung, wobei das Ausmaß der Netzhautschädigung sehr stark von der erzeugten Temperaturerhöhung abhängt.

Wissenschaftler vom Medizinischen Laserzentrum Lübeck (MLL) haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Temperatur während der Photokoagulation permanent zu kontrollieren ist. Im Projekt werden die Temperaturerhöhung und das Ausmaß der Schädigung korreliert. Der neu zu entwickelnde Behandlungslaser soll dann auf die Temperatur zur therapeutisch gewünschten, minimalen Schädigung der Netzhaut geregelt werden. Sobald diese erreicht ist, soll sich der Laser automatisch abschalten.

Eine solche temperaturgesteuerte Laserbehandlung ist nach den Worten von Dr. Ralf Brinkmann vom MLL „das Wunschziel“. Mittels Optoakustik kann dieses Ziel verwirklicht werden: Das MLL hat sich ein Verfahren patentieren lassen, das auf der Messung und Auswertung der durch die Laserstrahlung erzeugten, sehr geringen Druckwellen durch thermische Gewebeexpansion beruht. Die Temperaturbestimmung erfolgt sofort, was eine automatische Dosisanpassung der Laserbestrahlung ermöglicht.

Laut Brinkmann sollen sich so reproduzierbar gleiche, frei wählbare und minimalinvasive Koagulationsstärken erzielen lassen. Das Verfahren wird zusammen mit dem Institut für Biomedizinische Optik der Universität zu Lübeck grundlegend untersucht und an der Augenklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Kiel, klinisch getestet. Hierzu werden in Zusammenarbeit mit der WaveLight AG entsprechende Funktionsmuster entwickelt. Die temperaturkontrollierte Laserbestrahlung verkürzt die Behandlung und macht sie erheblich sicherer, indem sie vor Funktionsverlusten des Auges schützt. Ferner sorgt sie dafür, dass die Patienten weniger Schmerzen haben. Nicht zuletzt verringert sich die Zahl der Behandlungen.

Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 1,5 Millionen Euro für die Durchführung eines Transferprojekts gefördert werden.