Stammzellen: Zerebrale Kinderlähmung behandelt

22.05.2013
Foto: Blutprobe

Nach der Behandlung mit körperei-
genem Nabelschnurblut hat sich der Zustand eines Jungen verbessert, der mit einem Hirnschaden im Wachkoma lag; © panthermedia.net/Ingeborg Knol

Bochumer Medizinern ist es gelungen, eine zerebrale Kinderlähmung mit körpereigenem Nabelschnurblut zu behandeln. Nach einem Herzstillstand mit schwerem Hirnschaden hatte ein 2,5 Jahre alter Junge mit minimalen Überlebenschancen im Wachkoma gelegen.

Bereits zwei Monate nach der Therapie mit dem Stammzellen enthaltenden Blut besserten sich die Symptome deutlich; über die folgenden Monate lernte das Kind, einfache Sätze zu sprechen und sich zu bewegen. „Unsere Ergebnisse, zusammen mit ähnlichen Erfolgen aus einer koreanischen Studie räumen die lange gehegten Zweifel an der Wirksamkeit der neuen Therapie aus“, sagt Professor Arne Jensen von der Campus Klinik Gynäkologie der Ruhr-Universität Bochum.

Ende November 2008 erlitt das Kind einen Herzstillstand mit schwerem Hirnschaden und lag anschließend mit gelähmtem Körper im Wachkoma. Eine Behandlung für die Ursache dieser sogenannten zerebralen Kinderlähmung gab es bislang nicht. „In ihrer verzweifelten Situation haben die Eltern in der Literatur nach alternativen Therapien gesucht“, erzählt Jensen. „Sie kontaktierten uns und fragten nach Möglichkeiten, das bei der Geburt eingefrorene Nabelschnurblut ihres Sohnes zu nutzen.“

Neun Wochen nach dem Hirnschaden verabreichten die Ärzte das aufbereitete Blut intravenös. Den Fortschritt der Genesung untersuchten sie 2, 5, 12, 24, 30 und 40 Monate danach. Üblicherweise liegen die Überlebenschancen nach einem so schweren Hirnschaden und einer mehr als 25 Minuten dauernden Wiederbelebung bei sechs Prozent. Diejenigen Kinder, die überleben, zeigen Monate nach dem Herzstillstand mit schwerem Hirnschaden in der Regel nur minimale Anzeichen, bei Bewusstsein zu sein. „Die Prognose des kleinen Patienten war bedrohlich, wenn nicht hoffnungslos“, so die Bochumer Mediziner.

Nach der Nabelschnurblut-Therapie erholte sich der Patient jedoch relativ schnell. Innerhalb von zwei Monaten ging die spastische Lähmung deutlich zurück; er konnte wieder sehen, sitzen, lächeln und einfache Wörter sprechen. Vierzig Monate nach der Behandlung konnte das Kind wieder selbstständig essen, mit Hilfe laufen und kurze Sätze bilden. „Wir können natürlich auf Basis dieser Ergebnisse nicht eindeutig sagen, was die Ursache der Genesung ist“, sagt Jensen. „Es ist allerdings sehr schwer, die Effekte mit der rein symptomatischen Behandlung in der Rehabilitation zu erklären.“

In Tierversuchen erforschen Wissenschaftler das therapeutische Potenzial von Nabelschnurblut schon länger. In einer vorangegangen Studie mit Ratten zeigten die RUB-Forscher, dass Nabelschnurblutzellen innerhalb von 24 Stunden nach Verabreichung in großen Zahlen zu der geschädigten Stelle im Gehirn wandern. Im März 2013 berichteten koreanische Mediziner in einer kontrollierten Studie an 100 Kindern erstmals, dass sie die zerebrale Kinderlähmung erfolgreich mit körperfremdem Nabelschnurblut therapiert hatten.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Uni Bochum