In den vergangenen Jahrzehnten ist die durchschnittliche nächtliche Schlafdauer in den USA gesunken. Vor 40 Jahren haben die Menschen noch etwa 1,5 bis zwei Stunden länger geschlafen als heute. Die Zahl der Jugendlichen, die weniger als sieben Stunden schlafen pro Nacht, ist von 15,6 Prozent in 1960 auf 37,1 Prozent in 2002 angestiegen. Gleichzeitig wächst die Zahl übergewichtiger Menschen in den USA. Studien haben bereits gezeigt, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Ein Schlafdefizit greift in das neuroendokrine System ein, welches wiederum Hunger und Appetit beeinflusst.

Nun haben kanadische Wissenschaftler dieser Theorie neue Nahrung gegeben. Sie baten 276 Erwachsene im Alter zwischen 21 und 64 Jahren, über ihr Gewicht und die Schlafdauer Auskunft zu geben. Alle Probanden waren Teilnehmer der „Quebec Family Study“, einer Langzeituntersuchung von sechs Jahren. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer dieser Studie kam aus Familien, in denen mindestens ein Familienmitglied einen Body Mass Index von mehr als 32 kg/m2 hatte.

Je nach durchschnittlicher Schlafdauer wurden die Probanden in drei Gruppen eingeteilt: Kurzschläfer (fünf bis sechs Stunden Schlaf), Durchschnittsschläfer (sieben bis acht Stunden) und Langschläfer (neun bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht).

Im Vergleich zu den Durchschnittsschläfern nahmen die Kurzschläfer während des Beobachtungszeitraums von sechs Jahren durchschnittlich 1,98 Kilogramm mehr an Gewicht zu. Das Erstaunliche: Auch Langschläfer nahmen stärker zu als Durchschnittsschläfer, nämlich um 1,58 Kilogramm. Dies galt auch für einen anderen Parameter: Wie viel Prozent der Probanden aus jeder Gruppe nahmen in diesen sechs Jahren mindestens fünf Kilogramm an Gewicht zu? Kurzschläfer hatten eine 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit und Langschläfer eine 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit als Durchschnittsschläfer.

MEDICA.de; Quelle: Sleep 2008, Vol. 31, S. 517-523