Rückenschmerzen: Zu wenige Patienten erhalten sanfte Medizin

11.09.2013
Foto: Wirbelsäule

Nicht jeder chronische Rückenschmerz muss durch eine Operation behoben werden; © panthermedia.net/Wave-
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In Deutschland ist die Zahl der Wirbelsäulenoperationen in den letzten Jahren stark angestiegen. Allein zwischen 2005 und 2011 haben sich diese Eingriffe mehr als verdoppelt. Zu viele Patienten werden operiert, noch bevor konservative Behandlungen etwa mittels Physio- oder Schmerztherapie ausgeschöpft wurden.

Mit der Zahl wirbelsäulenchirurgischer Abteilungen in Krankenhäusern steigen auch die operativen Eingriffe am Rücken. Gleichzeitig nimmt die personelle und finanzielle Kapazität von Stationen der konservativ-orthopädischen Akutversorgung ab. „Die schlechte Honorierung niedergelassener, nicht-operativ tätiger Orthopäden und Unfallchirurgen führt dazu, dass die konservative Versorgung von Wirbelsäulenpatienten immer mehr abnimmt. So entstand in den letzten Jahren eine Mangelversorgung in der Manuellen Medizin", kritisiert Dr. Matthias Psczolla, Facharzt für Orthopädie.

Dabei fordern die Patienten zunehmend, dass ihnen Ärzte vor einer Operation die risikoärmeren konservativen Verfahren anbieten. Um diesem Wunsch gerecht zu werden und Methoden wie die Manuelle Medizin, Osteopathie, medikamentöse Schmerztherapie und Physiotherapie stärker in die Behandlung orthopädischer Erkrankungen zurückzuholen, hat sich vor zehn Jahren die Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken (ANOA) gegründet.

Die Kliniken dieses Verbundes haben sich auf konservative Heilmethoden bei orthopädischen Erkrankungen spezialisiert. Sie setzten sich bereits erfolgreich dafür ein, dass das Fallpauschalensystem auch diese sanften Methoden angemessen honoriert. Denn Kalkulationen ergaben, dass ohne die Kooperation von Kliniken, diese Behandlungsform nicht mehr finanzierbar gewesen wäre. „Jede Behandlung sollte auf einer umfangreichen und interdisziplinären Diagnose basieren“, fordert Psczolla, Chefarzt und Geschäftsführer der Loreley-Kliniken, Oberwesel, die bereits Mitglied des ANOA-Verbundes sind. „Auf keinen Fall sollte – wie es leider noch zu häufig geschieht – aufgrund eines Befundes operiert werden, der sich allein auf bildgebende Verfahren stützt.“ In der Manuellen Medizin erheben Orthopäden ihren Befund auch anhand manueller, neurologischer und Laboruntersuchungen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie