Zunahme von Hirnsubstanz und Leistungsfähigkeit

MR-Schnitt durch das geschrupfte
Gehirn einer alkoholabhängigen Frau
© Andreas Bartsch/Georg Homola

Alkoholbedingte Schäden bilden sich wahrscheinlich umso besser zurück, je früher die Betroffenen abstinent bleiben. Die Wissenschaftler begleiteten 15 alkoholabhängige Patienten - zehn Männer und fünf Frauen - auf ihrem Weg in die Abstinenz. Mit der Magnetresonanz- (MR-) und neuesten Techniken der Datenanalyse untersuchten sie Volumen, Stoffwechselprodukte und Funktion des Gehirns zu Beginn und dann wieder nach circa sechs Wochen der Alkoholabstinenz.

Durch die Abstinenz gewann das Gehirn im Durchschnitt knapp zwei Prozent an Volumen. Außerdem traten die Stoffwechselprodukte Cholin und N-Acetylaspartat (NAA) nun in deutlich höheren Konzentrationen auf, was auf eine Regeneration der weißen Gehirnsubstanz und auch der Nervenzellen selbst hindeutet. Ebenso verbesserten sich Konzentrations- und Aufmerksamkeit der Patienten.

Die Kapazität des Gehirns, sich von alkoholbedingten Schäden zu erholen, scheint allerdings mit längerer Erkrankungsdauer abzunehmen: So konnte der Schrumpfungsprozess des Gehirns bei dem Patienten, der über 25 Jahre und damit am längsten abhängig gewesen war, nicht gestoppt werden. Das betrachten die Forscher als Hinweis darauf, dass eine Regeneration des Gehirns nach längerem Alkoholmissbrauch unwahrscheinlicher wird. "Diese Ergebnisse sollten Alkoholabhängige zusätzlich motivieren", sagt Dr. Andreas Bartsch, der Leiter der Untersuchung. Seine Botschaft an die Suchtkranken: "Es lohnt sich, möglichst früh mit dem Trinken aufzuhören."

Die Wissenschaftler belegten erstmals, dass Erhöhungen der Cholin-Konzentration um durchschnittlich 10 bis 20 Prozent die treibende Kraft für messbare Volumenzunahmen des Gehirns sind, währenddessen der Anstieg des NAA als Stoffwechselprodukt der Nervenzellen um durchschnittlich 10 Prozent in direktem Zusammenhang mit der verbesserten Konzentrationsfähigkeit der Patienten stand.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg