Herz: Zuverlässiger Marker für Infarkt-Risiko

17.06.2013
Foto: Herzkranzgefäße

Zeigt das MRT bei medikamentöser Stimulation des Herzens trotz vereng-
ter Herzkranzgefäße keine Durchblu-
tungsstörungen, ist die Prognose der Patienten für die kommenden drei Jahre gut; © panthermedia.net/Sebas-
tian Kaulitzki

Ob Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen von Stent oder Bypass profitieren, zeigt eine spezielle Untersuchung der Herzdurchblutung im Magnetresonanztomographen.

Wann sollten verengte Herzkranzgefäße umgangen bzw. geöffnet werden, wann reicht eine medikamentöse Behandlung aus? Diese Frage lässt sich mittels einer speziellen Untersuchung im Magnetresonanztomographen (MRT) zuverlässig beantworten, wie eine aktuelle Studie der Universitätskliniken Heidelberg und Berlin mit 3.138 Patienten gezeigt hat: Traten unter medikamentöser Stimulation des Herzens trotz verengter Herzkranzgefäße keine Durchblutungsstörungen auf, war die Prognose der Patienten für die kommenden drei Jahre gut; ein interventioneller oder chirurgischer Eingriff brachte keine weitere Verbesserung. Patienten, bei denen die Blutversorgung des Herzens beeinträchtigt war, hatten dagegen ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko. Sie profitierten gleichwertig von Bypass oder Gefäßstütze. „Die Ergebnisse tragen dazu bei, unnötige Eingriffe am Herzen zu vermeiden und gleichzeitig bei Risikopatienten schneller und präziser zu reagieren“, erklärt Studienleiter Professor Grigorios Korosoglou, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Bei der Koronaren Herzerkrankung sind die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, verengt. Ist ein Herzkranzgefäß schließlich vollständig verstopft, kommt es zum Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod. Die Koronare Herzerkrankung kann derzeit nicht geheilt werden, denn die Ablagerungen in den Herzgefäßen lassen sich nicht entfernen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, ihr Fortschreiten zu verzögern oder aufzuhalten: Früh erkannt, können Medikamente, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung weitere Ablagerungen eindämmen. In fortgeschrittenem Stadium müssen die Kranzgefäße allerdings mittels Gefäßstütze (Stent) im Rahmen eines Kathetereingriffs geöffnet beziehungsweise chirurgisch durch einen Bypass umgangen werden.

Bei allen Studienteilnehmern waren die Herzkranzgefäße verengt. Die Patienten erhielten während der MRT-Untersuchung das Arzneimittel Dubutamin, das den Herzschlag wie bei körperlicher Belastung erhöht. Dabei braucht das Herz mehr Sauerstoff; Engpässe in der Blutzufuhr machen sich dann besonders deutlich bemerkbar, etwa durch eine gestörte Bewegung des Herzmuskels. Alle Patienten wurden mit der medikamentösen Standardtherapie, 17 Prozent von ihnen in den ersten drei Monaten nach der MRT-Untersuchung mit Stent oder Bypass (Revaskularisierung) versorgt.

Bei guter Blutzufuhr erlitten nach drei Jahren rund zwei Prozent, nach sechs Jahren ca. acht Prozent der Patienten einen Herzinfarkt oder Herztod. Dagegen lag das Risiko für Patienten mit diagnostizierter Durchblutungsstörung, die weiterhin nur medikamentös behandelt wurden, nach drei Jahren bei rund 18 Prozent, nach sechs Jahren bei 36 Prozent. „Durchblutungsstörungen, die sich unter Dobutamin-Belastung im MRT zeigen, eignen sich daher sehr gut, um das Risiko für Infarkt oder Herztod einzuschätzen“, so Korosoglou.

Erhielten Patienten mit Durchblutungsstörungen innerhalb von drei Monaten einen Stent oder Bypass, verbesserte sich ihre Prognose deutlich: Ihr Herzinfarktrisiko sank auf sieben Prozent nach drei Jahren und zehn Prozent nach sechs Jahren. Patienten ohne Durchblutungsstörung des Herzmuskels profitierten dagegen nicht von einem solchen Eingriff, ihr Herzinfarktrisiko blieb gleich. „Wir empfehlen daher, Patienten, bei denen trotz Verengungen der Herzkranzgefäße keine Durchblutungsstörungen im Stress-MRT auftreten, bis auf Weiteres konservativ-medikamentös zu behandeln, ein chirurgischer oder interventioneller Eingriff ist nicht nötig“, sagt Korosoglou. „Allerdings sollte die Untersuchung nach drei Jahren wiederholt werden.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg