Viele Hebammen auf dem Land kannten in frühren Jahren die Regel: Will bei der Bauersfrau das Kind nicht kommen, muss der Bauer noch mal "ran": Geschlechtsverkehr um den Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins konnte tatsächlich die Wehen beschleunigen. Der Grund ist wahrscheinlich der, dass Sperma Prostaglandine enthält, die einen Einfluss auf die Geburtseinleitung haben. Nicht selten haben Paare daher Angst, miteinander zu schlafen, je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Ob diese Furcht tatsächlich berechtigt ist, hat jetzt eine Studie untersucht, an der 93 schwangere Frauen teilnahmen, die älter als 18 Jahre waren und ein geringes Komplikationsrisiko hatten. Alle Frauen waren Patientinnen eines niedergelassenen Arztes. Nach der 37 Schwangerschaftswoche fragte dieser Arzt seine Patientinnen regelmäßig, ob sie in der vergangenen Woche vaginalen Geschlechtsverkehr gehabt hatten.

50,3 Prozent der 93 Studienteilnehmerinnen waren in den Wochen vor der Geburt tatsächlich sexuell aktiv gewesen. Die Häufigkeit des wöchentlichen Geschlechtsverkehrs vor der Geburt schwankte zwischen null und sieben. Lag der Durchschnitt in der 37. Schwangerschaftswoche noch bei 1,8 mal Sex pro Woche, so sank er auf null mal Sex in der 40. Schwangerschaftswoche.

Nachdem diese Frauen ihre Kinder geboren hatten, verglich man die klinischen Daten des Gestationsalter des Kindes, Art der Geburt, Dauer der Wehen und anderes mit der sexuellen Aktivität der Frau vor der Geburt.

Die sexuell aktiven Frauen entbanden ihre Kinder nach durchschnittlich 39,9 Wochen, die sexuell abstinenten nach 39,3 Wochen (p gleich 0.001). In Bezug auf Geburtsart, Geburtsgewicht der Kinder, Apgar-Score oder Häufigkeit neonataler Intensivbehandlung gab es keinerlei Unterschiede zwischen den sexuell aktiven Frauen und den sexuell Inaktiven.

MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2006, Vol. 107, S. 1310-1314