Ist eine Frau schwanger mit Zwillingen und kommen die beiden vaginal auf die Welt, dann ist das perinatale Komplikationsrisiko bei der Geburt des zweiten Kindes erhöht. Dies weiß man. Ob das zweite Kind aber ein erhöhtes perinatales Mortalitätsrisiko hat, wurde bislang noch kaum methodisch einwandfrei untersucht. Es gibt zwar verschiedene Studien dazu, die jedoch Schwächen haben.

Britische Wissenschaftler wollten diese Wissenslücke nun füllen. Sie erhoben retrospektiv die Daten von 1.377 Zwillingsgeburten aus England, Nordirland und Wales aus den Jahren 1994 bis 2003. Bei allen diesen untersuchten Geburten war eines der Kinder bei der Geburt gestorben, aber aus einem anderen Grund als kongenitale Abnormalität. Eines der Kinder hatte überlebt.

Als man diese Todesraten analysierte und mit der Geburtsreihenfolge verglich, zeigte sich, dass diese Reihenfolge generell keinerlei Einfluss auf das Mortalitätsrisiko hat. Zwillingskinder, die als zweites geboren werden, haben demnach kein höheres Todesrisiko als ihre erstgeborenen Zwillingsgeschwister.

Allerdings erkannten die Wissenschaftler auch einen hoch signifikanten Zusammenhang mit dem Gestationsalter (p kleiner 0.001). Wurden die Zwillingskinder vor der 36. Schwangerschaftswoche geboren, gab es tatsächlich keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Geburtsreihenfolge und Mortalitätsrisiko. Anders bei zeitgerecht geborenen Zwillingen. In solchen Fällen hat der Zweitgeborene ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Die meisten dieser Kinder starben an einer Anoxie während der Geburt oder an Geburtstraumen.

Aus ihren Studienergebnissen folgern die Wissenschaftler, dass bei Zwillingsgeburten ein elektiver Kaiserschnitt geraten sein könnte. Prospektive Studien könnten dies beweisen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 334, S. 576