Kontrollierte Behandlungsstudien haben gezeigt, dass etwa 40 bis 60 Prozent depressiver Patienten, die nicht medikamentös behandelt werden, von einer kognitiven Verhaltenstherapie profitieren. Es wäre wünschenswert, schon vorab zu wissen, welche Patienten auf eine solche Therapie mit hoher Wahrscheinlichkeit ansprechen. Dadurch könnte man die Behandlung besser planen, höhere Erfolgsraten erzielen und manchen Patienten eine unnötige Last ersparen.

Dr. Greg J. Siegle von der University of Pittsburgh School of Medicine und seine Arbeitsgruppe haben jetzt untersucht, ob man mit Hilfe der fMRI vor dem Beginn einer kognitiven Verhaltenstherapie mit genügender Sicherheit herausfinden kann, ob ein Patient auf eine solche Therapie ansprechen wird oder nicht. Dazu nahmen sie bei 14 Patienten unter Depressionen, die bislang keine Medikamente bekommen hatten, eine fMRI vor. 21 Personen, die niemals an Depressionen gelitten hatten, dienten als Vergleichgruppe. Während der fMRI mussten die Studienteilnehmer emotional besetzte Aufgaben erfüllen. Nach16 Sitzungen kognitiver Verhaltenstherapie wurden die Aufnahmen bei den depressiven Patienten wiederholt.

Beim Vergleich der Aufnahmen zeigte sich: Patienten, die beim Anhören negativ besetzter Wörter im fMRI eine Reaktion in bestimmten kortikalen Regionen gezeigt hatten, sprachen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf die kognitive Verhaltenstherapie an.

Ein mögliches Kennzeichen von Depressionen ist, dass die Patienten bestimmte Reaktionsmuster auf emotionale Stimuli zeigen oder ihre emotionalen Antworten nicht mehr regulieren können. Auch an diesem Punkt setzt die kognitive Verhaltenstherapie an. Die Studienleiter glauben daher: Wer im fMRI auf bestimmte emotionale Reize reagiert, dem hilft mit hoher Wahrscheinlichkeit die kognitive Verhaltenstherapie.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Psychiatry 2006, Vol. 163, S. 735-738