mHealth Alliance: "Mobile Health hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung für Millionen Menschen zu verbessern"

Interview mit Patricia Mechael, Geschäftsführerin der mHealth Alliance

Ob in entlegenen Regionen oder in einer Großstadt – Menschen brauchen überall eine gute Gesundheitsversorgung. Dank Mobile Health können immer mehr Menschen auch in armen Regionen der Welt medizinische Hilfe erhalten.

02.05.2014

Foto: Lächelnde Frau mit langen schwarzen Haaren - Patricia Mechael; Copyright: mHealth Alliance

Patricia Mechael; ©mHealth Alliance

Seit 2009 setzt sich die Organisation mHealth Alliance für die Verbreitung mobiler Technologien bei der medizinischen Versorgung rund um den Globus ein. MEDICA.de sprach mit Patricia Mechael, Geschäftsführerin der Allianz, über die Einsatzgebiete und die zahlreichen Projekte der Organisation.

Frau Mechael, die mHealth Alliance setzt sich für die Nutzung von mobilen Technologien ein, um die Gesundheitsversorgung auf der ganzen Welt zu verbessern. Welche Aufgaben hat die Organisation genau?

Patricia Mechael: Die mHealth Allianz war die treibende Kraft für eine Reihe von Projekten, Partnerschaften und Initiativen zur Stärkung des Umfelds für mobile Gesundheit (mHealth) in Ländern mit einem niedrigen und mittleren Einkommen. In immer mehr Ländern begann die Zahl von mHealth-Projekten stets zu wachsen, zum Teil dank der finanziellen, organisatorischen und technischen Unterstützung durch die mHealth Alliance.

Die Organisation hat weltweit über 20 Publikationen über Mobile Health veröffentlicht und somit einen gesunden Wettbewerb und eine starke Resonanz auf dem Gebiet geschaffen. So wird die Gesundheitsversorgung von Müttern, Neugeborenen, Kindern und älteren Menschen mit strategischen Programmen in Bezug auf Evidenz, Normen, Richtlinien, Leistung, Geschlecht und nachhaltige Finanzierung stets in Bewegung gehalten.

Außerdem hat die mHealth Alliance zusammen mir der WHO die Organisation „Every Child, Every Woman“ ins Leben gerufen, die 26 Stipendien weltweit verleiht, die sich positiv auf Millionen von Frauen, Kindern und Angestellte im Gesundheitswesen auswirken. Diese Stipendien werden durch die wissenschaftlich-technische Unterstützung der World Health Organization-Reproductive Health and Research (WHO-RHR) und uns ergänzt, um anderen mHealth-Organisationen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.

In welchen Teilen der Welt ist die mHealth Alliance aktiv?

Mechael: Die meisten Aktivitäten der mHealth Alliance sind auf Afrika und Asien fokussiert, obwohl wir uns auch schon in anderen Regionen der Welt, einschließlich Südamerika, engagiert haben. Die Allianz umfasst mehr als 300 Organisationen aus 59 Ländern. Sie hat Organisationen in 14 Ländern, die insgesamt 31 Millionen Menschen mit mobilen Gesundheitsinformationen und Dienstleistungen ausstatten wollen, mit 26 Stipendien und technischer Hilfe unterstützt.
Foto: Mitarbeiterin der mHealth Alliance in Indien; Copyright: mHealth Alliance

Die mHealth Alliance ist in Ländern mit einem niedrigen und mittleren Einkommen aktiv, wie zum Beispiel in Indien; ©mHealth Alliance

Wie wird die mHealth Alliance finanziert?

Mechael: Die Organisation wurde 2009 durch großzügige Unterstützung der United Nations Foundation sowie der Rockefeller- und Vodafone-Stiftungen ins Leben gerufen. Ziel der Allianz war von Anfang an, Behandlungsergebnisse in Ländern mit einem niedrigen und mittleren Einkommen mithilfe von drahtlosen Technologien zu verbessern. Kurz nach der Gründung der mHealth Alliance kamen die Groupe Speciale Mobile-Association (GSMA) und Hewlett-Packard (HP) als Gründungspartner dazu. 2010 wurde dann eine bahnbrechende Partnerschaft mit der norwegischen Regierung abgeschlossen, die uns ermöglichte, neue Wege zu erkunden, um die Nutzung von mHealth-Technologien auszubauen und die Stipendienvergabe zu managen.

Wir arbeiten ebenfalls mit Johnson & Johnson, Qualcomm Wireless Reach, Save the Children und der African Medical and Research Foundation (AMREF) an einer Vielzahl von mHealth-Projekten eng zusammen.
Foto: Hand hält buntes Handy; Copyright: mHealth Alliance

Schon ein einfaches Handy kann helfen, Leben zu retten; ©mHealth Alliance

mHELP ist eine der zahlreichen Initiativen der mHealth Alliance. Worauf konzentriert sich dieses Programm und was sind seine Ziele?

Mechael: Das mHealth Expert Learning Programm – mHELP – ist eine Initiative, die darauf zielt, das medizinische Fachwissen global im Gesundheitssektor zu verbreiten. Dabei sollen in verschieden Medizinbereichen Netzwerke von hochqualifizierten Experten geschaffen werden, die Beratungen und Konsultationen mithilfe von mobilen Geräten durchführen können. mHELP richtet sich gegen den anhaltenden Mangel von Gesundheitsprogrammen und medizinischen Dienstleistungen in Ländern mit einem niedrigen und mittleren Einkommen und stellt dafür mobile und elektronische Lösungen bereit. Die von mHELP angebotenen Dienstleistungen umfassen kostenlose Tools und Lernmittel, ein Online-Frage-Antwort-Service und tiefergehende Trainings, wie universitätszertifizierte Kurse im mHealth- und eHealth-Bereich, die 2014 starten werden.

Mit dem mHELP-Programm beteiligt sich die mHealth Alliance, zusammen mit Partnern für den Kapazitätsausbau und aus dem Technologie-Sektor, an der sorgfältigen Beurteilung und technischen Unterstützung der hochqualifizierten Experten für die Nutzung von spezifischen mHealth-Anwendungen. Derzeit engagiert sich die Allianz für mehrere solcher Projekte, wie zum Beispiel für die Elisabeth-Glaser-Kinder-AIDS-Stiftung, mit der in Tansania ein Entscheidungshilfe- und Registrierungssystem zum HI-Virus etabliert werden soll. Es hat die Beseitigung von Mutter-Kind-Übertragungen des Virus zum Ziel. Außerdem unterstützt die Allianz die Regierung von Südafrika dabei, ein nationales mHealth-Programm für Mütter und Kinder zu entwickeln.

Bei welcher Art von Kommunikation sind mobile Technologien wichtiger: Patient zu Arzt oder Arzt zu Arzt?

Mechael: Man kann nicht erschließen, welche der beiden Kommunikationsarten eine größere Rolle spielt, vor allem weil beide das gleiche Ziel haben. Eine werdende Mutter mit Wehen kann ihre Hebamme ganz leicht mit dem Handy kontaktieren. Wenn die Hebamme feststellt, dass sie Unterstützung bei der Geburt braucht, kann sie einen Arzt im Gesundheitszentrum anrufen, mit dem sie die Vitalwerte der Schwangeren austauschen kann. Bei komplizierten Geburten können auch Ärzte in größeren Gesundheitszentren mit mobilen Geräten kontaktiert werden.
Foto: Mutter mit Kind und Handy in Afrika; Copyright: mHealth Alliance

Dank mHealth haben selbst die ärmsten Menschen eine Chance auf eine gute Gesundheitsversorgung; ©mHealth Alliance

mHealth ist vor allem für ländliche oder abgelegene Regionen bestimmt. Wie nützlich sind diese Technologien in einer großen Stadt?

Mechael: Die Urbanität einer Bevölkerung hat hierbei keine Bedeutung. mHealth hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung von Millionen Menschen zu verbessern. Die Technologien, egal ob städtisch oder ländlich, ermöglichen ein verstärktes Patienten-Monitoring und verbesserte Kommunikationskanäle zwischen Patienten und medizinischem Personal. Außerdem stellt Armut weltweit ein erhebliches Hindernis für die Verbesserung des Gesundheitszustands in der Bevölkerung dar, was den Bedarf an mHealth-Anwendungen in Städten erhöht. Es gibt auch immer mehr ältere Stadtbewohner, wodurch der Versorgungsbedarf sich langsam von den ansteckenden Krankheiten weg und zu chronischen Krankheiten hin bewegt. Mit mobilen Technologien kann die Krankheitsbelastung auch unter der armen Bevölkerung einer Stadt verringert werden.

Welche Projekte plant die mHealth Alliance in der Zukunft?

Mechael: Unsere Arbeit wird sich in der Zukunft mehr auf nationale Projekte konzentrieren, um unsere Ziele auf eine strategische, wirkungsvolle und nachhaltige Weise zu erreichen. Wir haben damit bereits in Nigeria und Indien angefangen. Außerdem werden wir Mobile Health zunehmend durch die mHELP-Initiative unterstützen, welche in Ländern wie Südafrika und Tansania aktiv ist.
Foto: Michalina Chrzanowska; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Das Interview führte Michalina Chrzanowska.
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