Der Standardmarker für Nierenschäden ist das Serum-Kreatinin. Bei Nierenschäden steigt dieses Enzym an und ist relativ zuverlässig. Dennoch wäre es wünschenswert, über weitere Marker zu verfügen, die einen bevorstehenden Nierenschaden noch früher anzeigen als Serum-Kretainin.

Möglicherweise erfüllt uNGAL diese Anforderungen. Eine Studie aus den USA lässt jedenfalls hoffen: An dieser prospektiven Studie nahmen 140 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen einem Monat und 21 Jahren teil. Alle waren in einem kritischen Gesundheitszustand, mussten künstlich beatmet werden und hatten einen Urinkatheter. Keines der Kinder hatte allerdings eine Nierenschädigung im Endstadium oder erhielt eine Nierentransplantation.

Täglich über insgesamt 14 Tage wurden die Kinder untersucht. Dabei analysierte man auch die Serum-Kreatininwerte. Außerdem konnten die Wissenschaftler die uNGAL-Werte messen. Mit Hilfe des „pediatric modified Risk, Injury, Failure, Loss, End-Stage Kidney Disease criteria (pRIFLE)“-Score schätzten die Studienleiter zudem ein, ob sich die Nierenleistung der jungen Patienten verschlechterte.

Dabei zeigte sich, dass eine Erhöhung der uNGAL-Werte regelmäßig einem Anstieg der Serum-Kreatininwerte um zwei Tage vorausging. Außerdem stiegen die uNGAL-Werte im gleichen Maße, wie die pRIFLE-Werte fielen. Allerdings zeigten sich dabei auch die Grenzen der uNGAL-Werte: Sobald auch die Serum-Kreatininwerte angestiegen waren, hatte uNGAL keinerlei sensitive oder spezifische Aussagekraft, um den weiteren Verlauf einer Nierenerkrankung vorherzusagen.

Der uNGAL-Marker hat nach Ansicht der Studienleiter einen hohen Wert beim Testen neuer Wirkstoffe: Damit kann man nach ihrer Ansicht die Wirksamkeit eines neuen Wirkstoffs besser einschätzen als bisher.

MEDICA.de; Quelle: Critical Care 2007, Vol. 11, S. R84