Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Links zur Messe Düsseldorf

Sie befinden sich hier: News. Serien. Teil III: Biotechnologie.

Teil III: Biotechnologie

Biotechnologie: Moleküle, Technik, Therapien (2. Teil)

von Wiebke Heiss / MEDICA.de15.11.2008

2. Teil: Gezielter Angriff auf die Bösen


„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie...“ - das neue Stichwort ist Drug Delivery, das Ärzten und Apothekern in Zukunft die Warnungen ersparen könnte. Forscher arbeiten daran, Medikamente gezielt durch den Körper zu lenken, so dass ihre Wirkung erst am Ziel einsetzt und nicht schon auf dem Weg durch Blutbahn und Organe. Damit wird der Patient weniger belastst. Monoklonale Antikörper sind dabei ein Ansatz – Immun-Proteine, die im Labor hergestellt werden und extrem spezifisch bestimmte Ziele erkennen.

Gerhard Moldenhauer entwickelt solche Moleküle seit 30 Jahren, um damit Krankheiten zu diagnostizieren und zu therapieren. „Die Zukunft wird bombastisch werden. Drei- bis fünfhundert Typen sind zur Zeit in der klinischen Entwicklung, die werden bald den Markt überfluten“, prophezeit der Arbeitsleiter der Abteilung Translationale Immunologie im Deutschen Krebsforschungszentrum. Man erhofft sich Therapien gegen Krebs, Rheumatoide Arthritis, allergisches Asthma und mehr.

Und das funktioniert so: Wenn ein Antigen – ein Bakterium, Virus oder fremdes Protein – in den Körper eindringt, produziert das Immunsystem verschiedene Antikörper, die den Eindringling an unterschiedlichen Stellen angreifen. Die Mischung diverser Antikörper nennt man polyklonal. Wissenschaftler wollen aber monoklonale Antikörper – das heißt, ein und dieselbe Variante in großen Mengen. Der Grund: Monoklonale Antikörper eines Typs erkennen kollektiv ein ganz bestimmtes Ziel. Und das kann der Forscher bestimmen.

 
 
Foto: Zellen mit leuchtenden Punkten
Finden diese Antikörper ihr Ziel, leuchten sie auf; © Moldenhauer
 
 

Hat man seinen bestimmten Typ Antikörper, geht eine Heerschar von ihnen im Körper auf Suche und bindet sich. So können sie zum Beipiel auf Rezeptoren von Wachstumsfaktoren setzen und diese blockieren. „Tumoren werden quasi ausgehungert, da sie nicht mehr zum Teilen angeregt werden können“, sagt Moldenhauer. „Es ist aber auch möglich mit monoklonalen Antikörpern eine antikörperabhängige zellvermittelte Cytotoxizität auszulösen.“ Kurz: Die Antikörper docken an bestimmte Tumormarker und locken natürliche Killerzellen an, die die Geschwulst dann angreifen.

Antikörper - Proteine mit Potential

Aber monoklonale Antikörper können eben auch für das Drug Delivery eingesetzt werden: Medikamente, Gifte, radioaktive Elemente werden huckepack von den Proteinen an das Ziel getragen. Monoklonale Antikörper docken an bestimmte Oberflächenmerkmale eines Tumors an, die Mitfahrer erledigen den Rest. „In diesem Bereich befindet sich viel in der Entwicklung“, sagt Moldenhauer. Die Vorteile sind schließlich nicht von der Hand zu weisen: Belastet man bei einer Chemotherapie noch den ganzen Körper, so entfaltet sich die Wirkung der Gifte mit monoklonalen Antikörpern nur am Ort der Bestimmung. „Die Nebenwirkungen mit monoklonalen Antikörpern sind weitaus geringer als die einer Chemotherapie“, erklärt Moldenhauer. „Oft funktionieren sie aber am Besten in sinnvoller Kombination.“

Die Herstellung von monoklonalen Antikörper bezeichnete einen Meilenstein in der Biotechnologie. Der Markt für diese Proteine ist mittlerweile das am schnellsten wachsende Segment der pharmazeutischen Industrie. 2007 brachten sie mehr als 26 Milliarden US-Dollar ein, von denen das meiste auf Behandlungsformen bei Krebs und Autoimmunerkrankungen zurückgeht.

Und der nächste Meilenstein ist auch schon in Sicht: „Den nächsten Durchbruch für monoklonale Antikörper wird der Einsatz gegen Tumorstammzellen bescheren“, glaubt Moldenhauer. Diese Zellen sind der Grund, warum Krebs nach einer erfolgreichen Behandlung aus dem Nichts wieder auftauchen kann. Sie sind die Zellen bei einer Tumorerkrankung, die wirklich böse sind und machen nur einen winzigen Bruchteil aller Krebszellen aus. Sie verstecken sich irgendwo im Körper – das haben Forscher beim Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs beobachtet. Ebenso wie die Gefahr, die von ihnen ausgeht: „Man muss eine Million normale Krebszellen spritzen, damit sich ein Tumor entwickelt, bei Krebsstammzellen reicht ein Prozent davon.“ Sind spezielle Marker für diese Tumorstammzellen erstmal identifiziert, kann man eines Tages monoklonale Antikörper auch auf die Suche nach ihnen schicken.

- 1. Teil: Moleküle, Technik, Therapien
- 2. Teil: Gezielter Angriff auf die Bösen
- 3. Teil: Herzmuskel aus der Schale

 
 

Mehr Informationen

Login

für Aussteller
für Besucher & Presse

Zukunftstrends in der Medizintechnik

Werfen Sie einen Blick auf eine Übersicht der Serie auf MEDICA.de

Überblick - Zukunftstrends in der Medizintechnik