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Thema des Monats August: Der Bewegungsapparat
Bröckeln im Verborgenen
Osteoporose – das ist ein Problem älterer Frauen, denkt man. Doch weit gefehlt. Zwar leiden Frauen häufiger unter den porösen Knochen, aber jeder fünfte Osteoporose-Patient ist ein Mann. Das hat sich bei vielen Ärzten noch nicht herumgesprochen. 01.08.2009
Nach dem ersten Knochenbruch
schreitet die Osteoporose meistens
sehr schnell fort; © gandi/ Pixelio
Die Osteoporose ist heimtückisch, denn sie kommt schleichend - meistens bleibt sie zunächst unbemerkt, weil morsche Gebeine keine Schmerzen verursachen. Die tauchen erst auf, wenn die Knochen brechen. Oft genügt bereits ein leichter Sturz, im fortgeschrittenen Stadium kann auch ein Husten oder Niesen schon zu viel sein. Während die Frakturen älterer Frauen bei Ärzten die Alarmglocken schrillen lassen, vermutet bei Männern kaum jemand Knochenschwund, wie Osteoporose im Volksmund heißt. Und das, obwohl mittlerweile 1,3 Millionen Männer in Deutschland betroffen sind. „Aufgrund der hohen Dunkelziffer sind die tatsächlichen Erkrankungszahlen bei Männern wahrscheinlich noch höher“, vermutet Peter Pietschmann, der an der Universität Wien die Forschungsgruppe „Knochen, Gender und Altersforschung“ leitet.
Nur wenige Männer erhalten eine adäquate Behandlung
Eigentlich ist es gar nicht schwer, die Krankheit zu diagnostizieren: Eine Knochendichtemessung und Röntgenbilder zeigen deutlich, ob das Skelett brüchig wird. „Viele Ärzte kommen bei ihren männlichen Patienten allerdings nicht auf die Idee, dass sie unter Osteoporose leiden könnten und lassen diese Untersuchungen daher nicht durchführen“, sagt Pietschmann. Wenn es bei Männern im Rücken schmerzt und es häufiger zu Brüchen kommt, beides Symptome einer Osteoporose, glauben Mediziner eher an einen altersbedingten Verschleiß als an Knochenschwund. Die Folge: Der Patient bekommt Schmerzmittel, aber keine angemessene Therapie.
Nur zehn Prozent aller männlichen Osteoporosekranken erhalten nach dem ersten Bruch bereits Medikamente, die die Aktivität der Knochen abbauenden Zellen bremsen. „Meistens kann mit Hilfe dieser Bisphosphonate die Knochendichte gesteigert werden“, erklärt Michael Pfeifer vom Institut für klinische Osteologie Gustav Pommer in Bad Pyrmont. Zur Basistherapie gehören außerdem Calicum und Vitamin D. Die Präparate kämen häufig aber erst spät zum Einsatz – ein großes Problem, weil der Knochenschwund nach der ersten Fraktur meistens sehr schnell fortschreitet.
Allerdings nicht so schnell wie bei Frauen. Das liegt an dem größeren Volumen und der höheren Dichte der männlichen Knochen. „Bei Männern ist mehr Knochen da, deshalb dauert es länger, ihn abzubauen“, erklärt Pietschmann. Auch sinkt der männliche Testosteronspiegel im Alter eher langsam und insgesamt nicht so stark wie der weibliche Östrogenspiegel. Das ist vorteilhaft, denn Sexualhormone regen den Knochenstoffwechsel an.
Männer haben „sekundäre“ Osteoporose
Im Unterschied zu Frauen, bei denen der Mangel an Östrogen nach der Menopause zu 80 bis 90 Prozent schuld am Knochenschwund ist, spielt bei Männern in über 50 Prozent aller Fälle eine andere Grunderkrankung oder deren Behandlung eine Rolle. Diese so genannte „sekundäre Osteoporose“ ist häufig auf Alkoholmissbrauch, eine Unterfunktion der Keimdrüsen oder die Einnahme von Kortisonpräparaten zurückzuführen. Bei männlichen Patienten ist es darum besonders wichtig, nach primären Ursachen zu suchen, um den Knochenschwund an seinen Wurzeln zu bekämpfen.
Auch Rauchen und kalziumarme Ernährung lassen das Skelett bei Männern brüchig werden. „Es rauchen mehr ältere Männer als ältere Frauen. Außerdem essen sie überwiegend Fleisch und Wurst und weniger Milchprodukte“, erläutert Pfeifer. Das erhöhe ihr Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Deshalb sind der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten und eine Ernährungsumstellung wichtige Therapiebestandteile. Zur Behandlung gehört auch mehr Bewegung, denn Muskeln sind für das Skelett eine stabile Stütze. Je eher damit begonnen wird, desto besser. „Eine regelmäßige vorsorgliche Knochendichtemessung wäre daher für Männer ab 60 Jahren mit erhöhtem Erkrankungsrisiko sicherlich sinnvoll“, so Pfeifer.
Sonja Endres
MEDICA.de












