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MEDICA Update - Rückblick 2009
Ein Stuhl misst die Herzmuskelspannung
Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein ganz normaler Stuhl. Doch das Möbelstück enthält eine Menge Elektronik und kann so ganz beiläufig die Herzaktivität einer Person messen. 18.11.2009

Elektroden an der Rückenlehne des
EKG-Stuhl messen die Herzaktivität;
© Messe Düsseldorf
„Einmal den Oberkörper frei machen, bitte!“ Patienten, die zum EKG müssen, kennen den Satz. Normalerweise klebt der Arzt dabei kleine Sensoren auf die Haut des Patienten. Darüber wird dann die elektrische Aktivität der Herzmuskelfasern gemessen und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Weh tut das nicht, aber lästig ist es. Vor allem für Patienten, die häufiger zum EKG müssen.
Abhilfe könnte in Zukunft ein Stuhl schaffen, der die Herzmuskelspannung durch die Kleidung hindurch messen kann. Der Gang zum Arzt und eine Verkabelung des Patienten würden damit überflüssig. „Die Elektroden sind aus leitfähigem Textil und in die Stuhllehne integriert“, erklärt Diplom-Ingenieur Stephan Heuer vom Forschungszentrum Informatik (FZI) Karlsruhe am Stand bei MEDICA MEDIA. Die Sensoren funktionieren wie kleine Antennen. Über ein elektrisches Feld zeichnen sie die Herzaktivität des Patienten auf, sobald dieser sich anlehnt.
Obwohl der Stuhl noch Bestandteil eines Forschungsprojekts ist, gibt es bereits Ideen über seinen zukünftigen Einsatz. Und die beschränken sich nicht nur auf einen medizinischen Stuhl in der Arztpraxis. „Automobilhersteller haben schon Interesse daran gezeigt“, sagt Heuer. Der Grund: Man könnte über die beiläufige EKG-Messung über einen Autositz einiges über den Stress- und Gesundheitszustand des Autofahrers erfahren. In diesem Zusammenhang könnte die Technik gewissermaßen als Notfallerkenner eingesetzt werden. Wichtig sei bei so einer Anwendung allerdings, dass der Benutzer die Daten auch eigenständig und verständlich auslesen könne, sagt Heuer.
Wer sich den vielversprechenden Stuhl genauer ansehen möchte: Halle 15, Stand A 12.
Simone Heimann
MEDICA.de
