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Chagas – eine vernachlässigte Krankheit

Chagas – eine vernachlässigte Krankheit

Foto: Mikrofluidische Kartusche

Weltweit sind fast 10 Millionen Menschen infiziert – hauptsächlich in Mittel- und Südamerika sowie in Teilen der USA. Durch Touristen oder Einwanderer gelangt die Krankheit inzwischen auch nach Europa.

Überträger sind Raubwanzen, deren Biss die Wunde kontaminiert und letztlich nach mehreren Schritten die Infektion überträgt. Die akute Phase der Erkrankung beginnt nach vier Wochen und kann ebenso lange andauern. Von den Symptomen wie lokalen Rötungen, Schwellungen im Wundbereich, Fieber oder Übelkeit sind 30 bis 40 Prozent der infizierten Personen betroffen. Eine Therapie schlägt nur in dieser Phase des Krankheitsverlaufs an.

Nach einer, mitunter jahrelangen, symptomfreien Phase kommt die chronische, akute und oft tödlich verlaufende Krankheitsphase: Bei etwa 20 Prozent der Infizierten vergrößern sich das Herz und die Verdauungsorgane bis sie versagen.

Wissenschaftler sind besorgt, denn bislang existiert kein Impfschutz. Derzeitige Behandlungsmethoden sind nicht nur mit schweren Nebenwirkungen verbunden, sondern auch für viele Betroffene unbezahlbar.

Unter der Leitung des Fraunhofer ENAS entwickelt ein Europäisch-Brasilianisches Konsortium einen Vor-Ort-Test, vergleichbar mit Laboranalysen, der zuverlässig und schnell die Infektion erkennt.

Wissenschaftler aus acht europäischen und fünf brasilianischen Forschungseinrichtungen und Firmen entwickeln ein kompaktes, preisgünstiges Detektionssystem, das den Erreger an jedem Ort nachweist. Mit dabei sind drei Partner der Heterogeneous Technology Alliance HTA: das französische CEA Leti, das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS aus Deutschland und Teknologian tutkimuskeskus VTT aus Finnland.

Über die Erreger-DNA und die Immunantwort des Körpers erfolgt der Nachweis – beispielsweise mit einer Blutprobe. Der Test erlaubt eine hochspezifische Diagnostik in allen Stadien der Infektion; inklusive Vorbehandlung der Proben hat das gesamte Testsystem die Größe eines Handys.

Förderung erhalten die Forscher von der Europäischen Union und dem National Council for Scientific and Technological Development in Brasilien.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik