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Sind Viren schuld am plötzlichen Kindstod?
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Sind Viren schuld am plötzlichen Kindstod?
28.09.2001
Noch immer ist die Ursache des plötzlichen Kindstods (SIDS) nicht endgültig geklärt. Rechtsmediziner der Universität Bonn haben nun eine interessante Entdeckung gemacht: 20% der verstorbenen Kinder zeigen histologisch Zeichen einer Myokarditis, die durch Enteroviren hervorgerufen ist.
Jedes 500. Neugeborene stirbt in Deutschland am plötzlichem Kindstod, jährlich sind insgesamt etwa 600 Säuglinge betroffen. Damit ist der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr.

Der Bonner Pathologe und Rechtsmediziner Dr. Reinhard Dettmeyer hat Herzgewebeproben von 60 unerwartet verstorbenen Säuglingen mit verschiedenen Methoden untersucht. Die Proben enthielten Entzündungszellen und Entzündungs-Eiweiße. In 14 von 60 Fällen konnte Dettmeyer Enteroviren nachweisen: Bei einigen Proben fanden sich sowohl Erbgut als auch umhüllende Eiweiße von Coxsackie-Viren, in acht weiteren Proben das Erbgut des Parvovirus B19. Von Enteroviren der Coxsackie-Gruppe weiß man, dass sie Herzmuskelentzündungen und schwerste, mitunter tödliche, Herzrhythmusstörungen hervorrufen können. Da die virale Myokarditis nach herkömmlicher Diagnostik erst zwei bis drei Tage nach der Infektion sichtbare Spuren im Gewebe hinterlässt, die Säuglinge aber offenbar schon im Frühstadium der Entzündung sterben, ergaben histologische Untersuchungen des Herzmuskels bislang in der Regel keinen krankhaften Befund.
In einem nächsten Schritt möchte Dettmeyer nun sowohl nach weiteren Virustypen fahnden als auch die Sequenz der übrigen gefundenen Erbsubstanz bestimmen. So ließe sich beispielsweise feststellen, ob alle Entzündungen durch den gleichen Erreger hervorgerufen wurden. In diesem Fall könnte vielleicht eine Impfung das Risiko des plötzlichen Kindstods senken. Ein Rätsel bleibt allerdings bestehen: Fast alle Kinder kommen nämlich in den ersten Lebensjahren in Kontakt mit derartigen Viren. "Warum einige daran sterben, andere aber kaum Symptome zeigen, ist noch unbekannt", so Dettmeyer. Möglicherweise gibt es dafür aber genetische Gründe.
MEDICA.de; Text- und Bildquelle: Universität Bonn












