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„Krankenzimmer soll eher wie ein Hotelzimmer aussehen“

Gesundheitspolitische Interviews

Gesundheitsregionen: „Krankenzimmer soll eher wie ein Hotelzimmer aussehen“

Deutschland wird immer älter, die Gesundheit wird immer teurer – Deutschland braucht neue Versorgungsstrukturen. Darum hat das BMBF den Wettbewerb „Gesundheitsregion der Zukunft“ ausgerufen. Das Ziel: Regionen sollen ihre Stärken ausarbeiten und so zu neuen Konzepten in der Gesundheitswirtschaft führen. Die besten werden ab 2009 mit viel Geld gefördert. 15.09.2008

MEDICA.de sprach mit Dr. Uwe Kremer, dem Geschäftsführer der MedEcon Ruhr GmbH, die ein Konzept für Bochum entwickelt hat, über die Bedeutung des Wettbewerbs und die Patientenversorgung der Zukunft.

MEDICA.de: Herr Kremer, entsteht durch den Wettbewerb ein Gefälle in Deutschland? Wird man in Zukunft als Patient in manchen Regionen besser, in anderen schlechter versorgt werden?

Uwe Kremer: Es sind ja 20 Regionen, die gefördert werden, und durch die wird eine Dynamik ausgelöst, die auch positiv für alle anderen Regionen ist. Schon jetzt war der Wettbewerb unheimlich produktiv und hat viele Gedanken und Ideen angestoßen, die sich für uns auch lohnen, wenn wir den Wettbewerb nicht gewinnen.

MEDICA.de: In dem Wettbewerb „Gesundheitsregionen der Zukunft“ sollen die Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung stärker miteinander verknüpft werden. Warum ist das so wichtig?

Kremer: Die großen Innovationspotentiale entstehen an den Schnittstellen dieser drei Bereiche. Diese sollen freigesetzt werden. Vieles wird beispielweise in der Forschung entwickelt, ohne aber Eingang in die Medizin zu finden.

MEDICA.de: Die erste Hürde im Wettbewerb hat Ihre Region bereits genommen. Warum denken Sie sollte Ihre Region „Gesundheitsregion der Zukunft“ werden?

Kremer: Wir haben in unserem Konzept für eine Metropolregion mit mehr als fünf Millionen Einwohnern intelligente urbane Versorgungssysteme entwickelt. Weil die Leute immer älter werden, ergibt sich ein ganz neues Versorgungsspektrum. Es wird zum Beispiel wichtig, dass es eine wohnortnahe Versorgung und Kliniken in den Zentren der Stadtteile gibt.

MEDICA.de: Wie kann man sich das genau vorstellen: „Intelligente urbane Versorgungssysteme“?

Kremer: Eines der Hauptziele ist, die stationäre Versorgung mit intensiver Betreuung, den High Care-Bereich, durch den Low Care-Bereich, also den Bereich mit wenig aufwändiger medizinischer Betreuung, so weit wie möglich zu ersetzen. Wir möchten Zwischenbereiche etablieren - zwischen der häuslichen und der stationären Krankenversorgung für Patienten, die keine intensive medizinische Aufsicht mehr benötigen. Das klassische Krankenzimmer soll eher wie ein Hotelzimmer aussehen, es soll nicht mehr so sehr ein Kranken- als vielmehr ein Genesungszimmer darstellen. Durch die medizinische Versorgung in häuslichem Umfeld könnte man den Genesungsprozess beschleunigen und durch eine optimale Genesung auch die Rückfallquote senken. Außerdem soll es insgesamt mehr Dienstleistungen geben, die den High Care-Bereich entlasten. Und die wohnortnahe Versorgung soll ausgeweitet werden, indem zum Beispiel Altersheime direkt an Kliniken angeschlossen werden.

MEDICA.de: Warum reicht das klassische Modell nicht mehr?

Kremer: Das klassische Modell, in dem die Leute sehr lange auf den Stationen in den Betten betreut werden, ist sehr teuer, es gibt also die ökonomische Seite. Lange Liegezeiten sind heute zudem medizinisch auch gar nicht mehr erforderlich. Rehabilitation hat heute aufgrund der Forschung eine viel höhere Bedeutung als früher, um die Rückfallgefährdung zu vermeiden.

MEDICA.de: Gibt es weitere Highlights Ihres Konzepts?

Kremer: Ein weiteres Highlight ist die personalisierte Medizin. Wir wollen das personenspezifische Profil besser erfassen und darauf aufbauend individuellere Behandlungsmethoden entwickeln. Verschiedene Menschen reagieren nicht unbedingt gleich auf dieselben Medikamente. Bei der Erstellung des Profils wollen wir verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen und Firmen des Ruhrgebiets mit einbeziehen, von der Prädiktion bis zur Rehabilitation, und so eine Wertschöpfungskette aufbauen. Jetzt müssen konkrete Projekte entworfen werden.

MEDICA.de: Das hört sich alles ziemlich kompliziert an.

Kremer: Das ist jetzt das Kunststück! Es sind in der Tat viele Akteure beteiligt, dann ist da noch die Frage, ob die Region es sich leisten kann, finanziell wird es also auch schwierig. Ich denke aber, dass wir da mit unseren Strukturen gut aufgestellt sind.

MEDICA.de: Apropos: Wie soll das ganze Konzept eigentlich finanziert werden?

Kremer: Wie die Finanzierungsbasis aussieht - das sind offene Fragen. Wir sind in einem Stadium, in dem es um den Innovationsprozess geht und wir viele Antworten selbst noch nicht kennen.

MEDICA.de: Ist der Wettbewerb auch international von Bedeutung?

Kremer: Ja, ich denke, dass er erreicht, dass die besten Regionen nach außen hin präsentiert werden. Ich bin außerdem überzeugt, dass die Gewinner auch danach ausgesucht werden, ob die Konzepte internationalen Stellenwert haben.

Das Interview führte Anke Barth.
MEDICA.de

 
 

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Der bundesweite Wettbewerb „Gesundheitsregion der Zukunft“ wurde im Januar 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einberufen. Maximal fünf Regionen werden 2009 mit insgesamt 40 Millionen Euro gefördert, damit sie speziell erarbeitete Konzepte realisieren können.

Der Hintergrund: Eine regional konzentrierte Zusammenarbeit ist wichtig, damit Innovationen schnell Einzug in das Gesundheitswesen finden. So soll die Gesundheitswirtschaft in Deutschland gestärkt, die Patientenversorgung verbessert und Kosten gesenkt werden.

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