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Tauziehen im Gesundheitswesen

Tauziehen im Gesundheitswesen

Foto: Drei demonstrierende Knetmännchen mit Plakaten

„Qualität hat ihren Preis“: Das Motto der diesjährigen Veranstaltung unterstreicht noch einmal die Forderung der Krankenhausmitarbeiter, die Ende September mit Trillerpfeifen und Plakaten auf die Straße gegangen waren. Geld für die Krankenhäuser fehle an allen Ecken und Kanten, so die Kritik der Krankenhausmitarbeiter an den geplanten Reformen der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Krankenhausschließungen und Stellenstreichungen seien die unvermeidliche Folge.

Die von der Ministerin geplante Finanzhilfe von 3,2 Milliarden Euro sei aus zwei Gründen nicht ausreichend, so der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Holger Mages. Zum einen ergebe sich aus gestiegenen Lohn- und Energiekosten ein Loch von 6,4 Milliarden Euro bis Ende 2009. „Zum anderen sind die drei Milliarden Zuschuss nicht wirklich drei Milliarden: Fast die Hälfte des Geldes entsprechen der Budgeterhöhung, die die Krankenhäuser ohnehin bekommen hätten“, argumentiert Mages.

Kritik und Gegenkritik

Eine der viel diskutierten Streitfragen: Wie viel Betten braucht ein Land? Im EU-Durchschnitt kamen 2005 laut Eurostat auf 100.000 Einwohner eines Landes 406 Betten zur medizinischen Behandlung. Deutschland hatte 635 Betten pro 100.000 Einwohner, und stand damit an der Spitze. Das Schlusslicht bildet Schweden mit 218 Betten pro 100.000 Einwohner. „Insbesondere von der Verbraucherzentrale hören wir im Moment die Kritik, die Betten seien nicht ausgelastet. Die Auslastung ist aber sehr hoch“, erläutert Mages. „Die Tendenz geht ja auch seit Jahren immer weiter nach unten. Von 1990 bis 2006 sind 343 Krankenhäuser geschlossen und 170.000 Betten abgebaut worden. Die Verweildauer im Krankenhaus hat sich von 15 auf acht Tage verkürzt. Die Patientenzahlen sind aber um 1,5 Millionen gestiegen.“ Da sei kein Spielraum mehr für Kürzungen.

Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) wiederum ergab, dass die Kliniken wirtschaftlicher arbeiten könnten, indem sie Abläufe optimierten – viele Aufgaben der Ärzte könnten zum Beispiel von billigerem Pflegepersonal übernommen werden. „Die Krankenhäuser haben ihre Wirtschaftlichkeit bereits gefördert, durch Outsourcing zum Beispiel und verbesserte Abläufe. Einsparungen durch Strukturverbesserungen können aber die gestiegenen Personal- und Sachkosten nicht aufwiegen“, hält Mages dagegen. „Zehn bis elf Prozent der Krankenhäuser haben schon Notlagentarifverträge abgeschlossen, das heißt die Mitarbeiter müssen auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten, um die wirtschaftliche Lage aufzufangen.“

"Investitionsstau von 50 Milliarden Euro"

Geld ist überall knapp und keine Seite möchte zu kurz kommen: Ein großes Tauziehen um die Töpfe hat längst begonnen. Gerade wurde die Pauschale für die Krankenkassenbeiträge von den Politikern festgesetzt. Für die meisten Versicherten bedeutet dies eine Erhöhung ihres Beitrages. Zu niedrig, beschweren sich dennoch die Kassen. Denn diese wiederum müssen den laufenden Betrieb der Krankenhäuser finanzieren.

Auch die Bundesländer sind an der Finanzierung beteiligt: Sie stellen die Investitionsgelder für moderne Geräte und Gebäude der Krankenhäuser. „Die Länder zahlen aber nicht, was sie sollten“, so Mages. „Inzwischen gibt es einen Investitionsstau von 50 Milliarden Euro. Die Länder müssen ihrer Pflicht wieder vermehrt nachkommen.“

Mages betont: „Eine sichere finanzielle Basis ist für die Krankenhäuser wichtig, um weitere geplante Reformen wie die bundesweite Vereinheitlichung der Fallpauschalen durchzuführen.“ Zur Zeit unterscheiden sich die Pauschalen, die pro Krankheitsdiagnose und Patient bezahlt werden, je nach Bundesland. Dies soll aber 2009 angeglichen werden.

Zur Podiumsdiskussion über Finanzierung und Reformen am Eröffnungstag ist auch Ulla Schmidt geladen. „Wenn sie kommt, wird schon deutlich gemacht werden, dass man die Situation nicht widerspruchslos hinnimmt“, so Mages. Es verspricht also spannend zu werden, auf dem 31. Deutschen Krankenhaustag.

Einen Überblick aller Veranstaltungen vom Deutschen Krankenhaustag und dem MEDICA-Kongress 2008 gibt es hier

Anke Barth
MEDICA.de

 
 

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