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Bits und Bytes im Arztkittel (2. Teil)

Teil V: Informationstechnologie

Informationstechnologie: Bits und Bytes im Arztkittel (2. Teil)

von Wiebke Heiss / MEDICA.de15.01.2009

2. Teil: IT Revolution - das Ende schon in Sicht?


Dabei geht es mit den Umwälzungen im Zuge der IT-Revolution langsam schon wieder ihrem Ende entgegen - wenn es nach den Theorien des russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff ginge, der die großen Perioden der wirtschaftlichen Entwicklung beobachtete. Seine Theorie: Es gibt 40 bis 60 Jahre dauernde Zyklen, die von bahnbrechenden Erfindungen bestimmt werden - sei es Dampfmaschine, Eisenbahn, die Petrochemie. Oder eben der PC, dessen Erfindung der in den 30er Jahren verstorbene Wissenschaftler nicht mehr erlebte. Dennoch scheint wirtschaftlich gesehen immer derselbe Mechanismus abzulaufen: Aus Prototypen werden Hightech-Artikel, die sich zunächst nur Eliten leisten. Geht der Zyklus einem Ende entgegen, dann ist das Anzeichen dafür, dass die Produkte für die breite Masse erschwinglich und zugänglich sind.

Und tatsächlich: Die IT wird mittlerweile von Hunderten von Millionen Nutzern weltweit genutzt. Nicht nur für Computerspiele und Internetchats, sondern auch zum Wohle der Gesundheit wie bei der Telemedizin. Mit der sollen künftig Experten vernetzt und Befunde allen Medizinern zugänglich gemacht werden. Sie kann aber auch dabei helfen Herz- oder Diabetespatienten aus der Ferne zu betreuen. Telematische Signalübertragungen vom Patienten an den Arzt sind oft schon Routine und können den ein bis zwei Prozent Deutschen helfen, die an chronischer Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen leiden. Wichtige Werte wie Blutdruck und Gewicht werden zu Hause gemessen und landen elektronisch auf dem Praxistisch - bei Unregelmäßigkeiten oder Gefahrenzeichen kann der Arzt sofort einschreiten.

 
 

Ein Prinzip, das in Zukunft auch ältere Damen und Herren vor einem Umzug ins Altenheim bewahren könnte. Dafür setzt sich der Informatiker Reiner Wichert ein, der als Sprecher der Fraunhofer Allianz Ambient Assisted Living (AAL) arbeitet. Das bedeutet so viel wie das Wohnen in einer unterstützenden Umgebung. Helfend sollen eines Tages Sensoren und Systeme älteren Menschen in den eigenen vier Wänden zur Seite stehen, indem sie messen, beobachten und Alarme auslösen. „Mit Hilfe der Systeme wissen wir zum Beispiel, ob der Bewohner in der Wohnung gestürzt ist und hilflos auf dem Boden liegt“, erklärt Wichert. Entweder weil Sensoren im Boden messen, wie viel Fläche belegt ist und die Form eines liegenden Körpers erkennen oder aber indem ein Beschleunigungssensor am Gürtel des Bewohners registriert, dass die Bewegung zu schnell war. Das bedeutet dann Sturzalarm und eine Ambulanz könnte zur Hilfe eilen.

Die Industrie muss Standards finden

Die Systeme müssen aber nicht immer nur in akuten Notsituationen zum Einsatz kommen. Sie reagieren auch präventiv, indem sie automatisch Licht einschalten, wenn sie registrieren, dass jemand aus dem Bett aufsteht oder ein Piepsen erinnert den Bewohner beim Verlassen der Wohnung daran, dass der Herd noch an ist. Dienstleistungszentren könnten dann eines Tages damit beauftragt werden, ein Auge darauf zu werfen, was die Informationen, die aus den Wohnungen der Senioren gesendet werden, bedeuten.

Aber bis es so weit ist, wird es noch lange dauern, denn „die Mühlen mahlen immer sehr langsam.“ Wichert sieht zwei Probleme, die auf dem Weg zum selbstständingen Wohnen alter Menschen noch gelöst werden müssen. Zum einen sind Fragen rund um die Finanzierung noch unklar: Es ist noch nicht sicher, ob die Senioren die Kosten selber tragen müssen, ihre Wohnung entsprechend auszustatten, oder ob sich die Krankenversicherungen daran beteiligen. Zum anderen sind die Produkte, die nun langsam am Markt auftauchen, noch nicht wirklich zur Anwendung geeignet. „Die Menschen haben normalerweise viele Probleme, die mit einem Einzelprodukt nicht abgedeckt werden können“, meint Wichert. Aber da jeder Hersteller mit einer eigenen speziellen Sensorik, einem geschlossenes System arbeitet, können verschiedene Systeme nicht miteinander vernetzt werden. „Der nächste Schritt, der nun kommen müsste, wäre mit der Industrie zusammen an einem Tisch zu sitzen und Standards zu erarbeiten.“ Erst so werden die Produkte günstiger. „Wenn das passiert, sage ich dem AAL ein Riesenpotential voraus“, so der Wissenschaftler.

- 1. Teil: Bits und Bytes im Arztkittel
- 2. Teil: IT-Revolution - das Ende schon in Sicht?
- 3. Teil: 3D-Kino mit Horrorelementen

 
 

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