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Der feine Unterschied (2. Teil)
Teil III: Geschlechter in der Medizin
Der feine Unterschied (2. Teil)
von Wiebke Heiss / MEDICA.de15.07.2009
2. Teil: Das soziale Geschlecht mischt mit
Allerdings reicht es nicht, nur den biologischen Unterschieden zwischen Männern und Frauen auf die Spur zu kommen. Ein mindestens genauso wichtiger Aspekt für die Behandlung von Patienten ist die Geschlechterrolle, die Männer und Frauen einnehmen. Hinter dem Begriff Gender stecken die allbekannten Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die aus Stereotypen und Rollenverhalten entstehen. „Die sind beeinflussbar und ändern sich mit der Zeit“, erklärt Ineke Klinge. „Aber in der westlichen Gesellschaft sind sie immer noch sehr starr und festgefahren.“ Das fängt mit rosa und blauen Babykleidern an. „Daraus resultiert, dass Jungen sich meist komisch fühlen, wenn sie sich rosa kleiden sollen“, sagt die niederländische Professorin für Gender Medizin an der Maastricht Universität, Research School Caphri. Ein Verhalten, das sich auch auf die Medizin übertragen lässt. Der stereotype Mann ist nämlich stark, mutig, zeigt keine Schwächen, riskiert etwas. Daher ignoriert er auch Symptome, die auf eine Krankheit hinweisen könnten, und spricht nicht gerne über Gesundheitsprobleme. „Viele Männer gehen zu spät zum Arzt und schaden ihrer eigenen Gesundheit.“
Am Beispiel Asthma und Diabetes wurden Stereotype im Gesundheitsverhalten schon im Teenager-Alter untersucht. Eine Studie zeigte, dass Mädchen ihre Krankheit mit ihrer Persönlichkeit verbanden. Sie gaben sich Spritzen und benutzen ihren Inhalator auch in der Schule. Jungen hingegen trennten ihre Krankheit von ihrer Identität und nahmen ihre Medikamente nicht im Beisein ihrer Mitschüler. Und schadeten so ihrer Gesundheit. Der Schluss liegt nahe, dass man durch eine Änderung von stereotypem Verhalten, viel für die Gesundheit tun könnte. Allerdings: „Dieses Verhalten ist nicht einfach so zu ändern. Geschlechterrollen sind allgegenwärtig in unserer Gesellschaft“, so Klinge. „Die zwei Institutionen Mann und Frau gibt es schon so lange. Viele Männer und Frauen haben diese Stereotype verinnerlicht. Da ist es schwer, etwas zu ändern.“
Der Herzinfarkt ist gar nicht männlich
Daher werden den Geschlechtern sogar bestimmte Krankheiten zugeordnet. Herzinfarkt wird von der Gesellschaft als eine Männerkrankheit angesehen, ebenso wie der Schlaganfall. Das führt dazu, dass bei Frauen Symptome, die auf ein Herzproblem hindeuten, oft falsch diagnostiziert werden, wertvolle Zeit wird vergeudet. „Das kann dann zu unnötigen Todesfällen führen“, so Klinge. In Berlin, zum Beispiel, ist das Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben doppelt so hoch für Frauen wie für Männer. Umso erschreckender ist, dass selbst in der Ausbildung von Medizinern Geschlechterunterschiede zu wenig beachtet werden. Klinge stellt klar: „Es gibt ein biologisches Geschlecht und ein soziales Geschlecht und beides muss bei der Versorgung der Menschen berücksichtigt werden.“
Das soziale Geschlecht spielt noch eine weitere Rolle. Es nimmt Einfluss auf die Kommunikation: Männer und Frauen sind unterschiedlich in der Art, Geschichten zu erzählen. Ein Mann wird dem Arzt sagen: „Ich habe einen Herzinfarkt!“ Eine Frau hingegen eher: „Als ich auf der Party meiner Freundin war, hatte ich einen plötzlichen Schmerz.“ Das ist ebenfalls ein Grund, warum bei Frauen so häufig falsch diagnostiziert wird. „Deshalb müssen Ärzte lernen, die unterschiedlichen Arten der Kommunikation zu durchschauen“, fügt Klinge hinzu. Das hat man nun auch in der EU erkannt: In Zukunft sollen das biologische und das soziale Geschlecht in Ausbildung und Studien berücksichtigt werden – ein innovativer Weg, der zu einer besseren Versorgung von Patienten führen wird.
Wiebke Heiss
MEDICA.de
- Teil 1: Der feine Unterschied
- Teil 2: Das soziale Geschlecht mischt immer mit
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