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Versorgung mit Stolpersteinen (2. Teil)

Teil IV: Schlaganfall

Schlaganfall: Versorgung mit Stolpersteinen (2. Teil)

von Wiebke Heiss / MEDICA.de15.08.2009


2. Teil: Experten an die Front

Das Kompetenznetz Schlaganfall sieht noch ein weiteres Problem im Management des Schlaganfalls: „Problematisch sind die Schnittpunkte, an denen Informationsverluste stattfinden“, erklärt Nolte. Die Übergänge von der Akut- in die Reha- und von dort in die ambulante Phase sind schlecht koordiniert, es gibt keine Standards, wie Lebensparameter gemessen werden, es gibt unterschiedliche Kostenträger und Experten für jede Station. „Oft ist es einfacher in Deutschland ein Röntgenbild selber zu machen, als sich ein kürzlich aufgenommenes von einer anderen Stelle zukommen zu lassen“, so der Neurologe. Diese Erfahrung bestätigt Walter Steiner: „Es ist immer so viel Information verloren gegangen. Wenn ich auf eine andere Station oder in ein anderes Haus kam, wurden wieder alle Untersuchungen von vorne gemacht.“

Und einen weitere Punkt zeigt der 71-Jährige auf an dem es in der Versorgung noch hakt: „Wenn sie nach der Reha entlassen werden, dann sind sie entlassen.“ Nolte bestätigt, dass die Schnittstelle von der Reha zum Hausarzt ein Problem ist. „Patienten sollten zu Schlaganfall-Spezialisten gehen können, der Hausarzt ist kein Experte für diese Erkrankung und auch nicht für ihre Nachbehandlung“, fordert Nolte. „Entweder bilden wir Hausärzte zu Schlaganfallexperten aus oder stellen Schlaganfallexperten in der Patientenversorgung zur Verfügung.“ Eine Studie des Kompetenznetzes ergab, dass Hausärzte tatsächlich die Hauptansprechpartner nach der Reha sind. Das ist vor allen Dingen erstaunlich, da die „Situation von Schlaganfallpatienten poststationär als komplex, problematisch und gekennzeichnet von psychischen Problemen der Patienten und Angehörigen eingeschätzt wird.“ Und dennoch werde interdisziplinär in der Regel nicht zusammen gearbeitet. Eine weitere Studie wird 2010 nähere Informationen liefern.

Walter Steiner geht es mittlerweile mehr als gut: „Manchmal sage ich ein bisschen im Scherz, dass ich mir noch einen Schlaganfall wünsche, weil ich mit den neuen Gehirnzellen besser denken und schreiben kann.“ Es sei, als ob es ihm mit seinem „neuen“ Gehirn besser ginge als mit seinem „alten“. Und das obwohl er bei allen Tests in der Rehabilitation eigentlich immer nur einer Haltung begegnete: „Es wird einem immer nur gesagt, was man nun, nach dem Schlaganfall, alles nicht mehr machen kann.“ Nolte stimmt dem allgemein verbreiteten Problem der negativen Herangehensweise zu: "Der Patient hat 100-prozentig Recht. Didaktisch wissen wir doch, dass der Schlüssel zum Erfolg eine positive Herangehensweise und positives Verstärkung ist." In Managerseminaren ist dieses Wissen übrigens schon seit Jahren angekommen.

Wiebke Heiss
MEDICA.de

- Teil 1: Versorgung mit Stolpersteinen
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