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Da ist der Wurm drin (2. Teil)
Teil VI: Multiple Sklerose - neue Ansätze
Da ist der Wurm drin (2. Teil)
von Wiebke Heiss / MEDICA.de15.11.2009
2. Teil: Die Grenzen der Wurm-Therapie
„Diese Therapie bedeutet höchstwahrscheinlich keine Heilung“, schätzt Constantinescu die Methode ein. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Schäden, die MS schon hinterlassen habe, wieder rückgängig gemacht würden. „Aber es ist schon ein Erfolg, wenn immunregulierende Zellen durch die Therapie angeregt und Symptome so abgeschwächt werden.“ Immunologen und Neurologen untersuchen daher den möglichen Nutzen und die Nebenwirkungen, denn auch die “Naturtherapie” hat theoretisch das Potential zu schaden: Darmwürmer könnten Patienten anfälliger für andere Krankheiten machen, weil sie das komplizierte Immunsystem und seine Wechselwirkungen beeinflussen. Erste Studienergebnisse sind aber nicht vor 2013 zu erwarten.

Vor dem Schlüpfen: Ei des
Peitschenwurms; © Wikipedia
Völlig ohne Nebenwirkungen käme man hingegen in Deutschland aus. Das behauptet Detlev Goj. „Wir haben als erstes eine Therapie für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa entwickelt“, sagt der Geschäftsführer der Firma Ovamed. Dreh- und Angelpunkt der Behandlung ist nicht der ausgewachsene Parasit, sondern seine Eier, die von den Patienten einfach geschluckt werden. Der Peitschenwurm kann nur in seinem Wirt, dem Schwein überleben– in anderen Tieren, einschließlich dem Menschen, stirbt er innerhalb von zwei Wochen. Wenn aus einem der Eier also doch einmal ein Nachkomme schlüpfe, so werde der laut Goj schnell verdaut und ausgeschieden.
Auf die Idee kam der ehemalige Mediziner mit Kollegen, weil entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn weltweit nur Bewohner von Industrie- und nicht von Entwicklungsländern plagen. „Deshalb haben wir uns bei unserer Suche nach den Gründen auf Umweltfaktoren konzentriert.“ Zwei Regionen weckten das Interesse der Forscher: eine im Süden Frankreichs, die andere im Osten Deutschlands. Dort kommt als Delikatesse etwas Besonderes auf den Esstisch: Ein Käse, in dem es vor Milben nur so wimmelt. „Diese beiden Gegenden sind zwei relativ weiße Flecke auf der Landkarte der entzündlichen Darmerkrankungen“, erklärt Goj.
Forscher wollen nicht zu große Hoffnungen schüren
Diese Beobachtungen unterstreichen die Hygiene-Hypothese: Das Immunsystem könnte nämlich durch die übertriebene Sauberkeit im modernen westlichen Leben unterfordert sein. Statt wie über Jahrtausende hinweg gegen Keime und Eindringlinge zu kämpfen, bleibt der Körperabwehr nur das Warten auf neue Feinde und aus Gründen chronischer Unterbeschäftigung wendet sie schon mal ihre Waffen gegen den eigenen Körper - der theoretische Grundstein für Allergien und Autoimmunerkrankungen. Ob Wurmeier das Immunsystem wieder besänftigen kann, wollen Neurologen an der Universität von Wisconsin in den USA testen. Eine kleine Vorab-Studie an fünf MS-Patienten gibt Grund zur Hoffnung. „Wir warten nun auf die Zulassung einer größeren Studie mit dem Eier-Cocktail“, sagt der verantwortliche Forscher John Fleming, der sich gleichzeitig zurückhaltend äußert: „Bevor die Behörden uns ein Okay geben und die Untersuchung tatsächlich läuft, kann ich noch keine substantiellen Informationen zu der Methode geben.“
- Teil 1: Da ist der Wurm drin
- Teil 2: Grenzen der Wurm-Therapie
- Teil 3: Die vernachlässigte "Neuroprotektion"












