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Wildwuchs schafft Wirrwarr

Wildwuchs schafft Wirrwarr

Foto: Schilder

Die Zertifikate in der Arztpraxis sind eine Folgeerscheinung der seit 2010 geltenden Pflicht für niedergelassene Vertragsärzte, in ihren Praxen Qualitätsmanagement (QM) zu betreiben.

Mehrere Jahre hatten die Ärzte Zeit, die in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verankerten Vorgaben umzusetzen – und in dieser Zeit hat sich viel getan. Ein wahrer Zertifizierungsboom hat eingesetzt, im Deutschen Ärzteblatt war kürzlich gar vom Zertifizierungswahn die Rede.

Verunsicherung und Überforderung auf Seiten der Ärzte haben eine Heerschar von Beratern auf den Plan gerufen, die ihre – mehr oder weniger kostspieligen - Dienste anbieten und den Ärzten am Ende ihrer Tätigkeit eben jene Zertifikate aushändigen, die jetzt an den Wänden der Arztpraxen hängen.

Der Wert dieser Zertifikate ist zweifelhaft. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt sicher eine Vielzahl von Zertifikaten, die auch wirklich halten, was sie versprechen. Aber das ist nicht immer der Fall. Die neuen gesetzlichen Vorgaben haben nämlich dazu geführt, dass Schmalspurstrategien entwickelt wurden, um die QM-Richtlinie formal zu erfüllen. Mit gelebtem Qualitätsmanagement hat das nichts zu tun.

Solche Zertifikate werden denn auch nicht von den Kassenärztlichen Vereinigungen als Nachweis des geforderten Qualitätsmanagements anerkannt. Vielmehr wollen die KVen künftig stichprobenartige Kontrollen durchführen und bei 2,5 Prozent der Vertragsärzte eine schriftliche Selbstauskunft zu den ergriffenen QM-Maßnahmen anfordern. Eine Prüfung vor Ort durch externe Gutachter ist nicht vorgesehen.

Auch hat die Nicht-Erfüllung der Auflagen keine ernsthaften Konsequenzen. In entsprechenden Verdachtsfällen ist ein Beratungsgespräch vorgesehen, das ist alles. Sanktionen wird es deshalb nicht geben, weil – O-Ton KBV - „wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagements bislang nicht vorliegen“. Man könnte auch sagen: Weil die Effizienz des geforderten Qualitätsmanagements mit nichts erwiesen ist.

Da muss die Frage erlaubt sein: Macht dieser Riesenaufwand wirklich Sinn? Agiert man hier nicht zu sehr ins Blaue hinein? Bei einem hochambitionierten Projekt wie der flächendeckenden QM-Implementierung sollten die Erfolgsaussichten schon ein wenig besser abzuschätzen sein. Wenn solch ein Riesenaufwand betrieben wird, dann doch bitte mit einer so ausgefeilten Strategie, dass am Ende auch wirklich zuverlässig mit einem Zugewinn an Versorgungsqualität zu rechnen ist.

Man fühlt sich an den Wirrwarr mit den Leitlinien erinnert - auch dies ein Großprojekt mit besten Absichten. Auch hier aber sind Wunsch und Wirklichkeit stark auseinander gedriftet. weil man die Aktivitäten nicht frühzeitig gebündelt und den Dingen bei der Umsetzung freien Lauf gelassen hat.

Es ist immer problematisch, Leistungsqualität „von oben verordnen“ zu wollen. Auf jeden Fall muss man dabei konsequent vorgehen und braucht eine lückenlos schlüssige Strategie für alle Etappen der langen Wegstrecke. Bei einer Verordnung mit schleifenden Zügeln, wie man sie beim Großprojekt „Qualitätsmanagement in den Praxen“ praktiziert, ist es fraglich, ob man das Ziel wirklich erreichen wird.

Ulrike Viegener
MEDICA.de

 
 

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