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Sie befinden sich hier: MEDICA-Portal. MEDICA Magazin. Thema des Monats. Jahres-Archiv. Unsere Themen 2010. Juni 2010: Neue Therapien gegen Krebs. HPV.

Keine Chance dem Krebs – Hoffnung Immuntherapie

Keine Chance dem Krebs – Hoffnung Immuntherapie

Foto: Infusionsflasche

Doch da Krebszellen körpereigene Zellen sind und in der Regel auch keinen Entzündungs-
prozess in Gang setzen, kann das Immunsystem sie nicht erkennen. Genau dies soll durch eine Immuntherapie geändert werden.

Immuntherapien sollen allgemein die Abwehrmechanismen des Körpers aktivieren. Dies kann ungerichtet geschehen – z. B. indem man das Immunsystem im Ganzen stimuliert (etwa durch die Gabe von Interferonen) – oder gezielt auf zellulärer Ebene.

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten und Techniken, wobei einige Verfahren bereits in der Anwendung sind, während andere noch in klinischen Studien erprobt werden bzw. überhaupt nach neuen Möglichkeiten geforscht wird. Unterschieden wird zwischen passiven und aktiven Immuntherapien, wobei die Varianten der verschiedenen Verfahren ganze Buchreihen füllen können.

Passive Immuntherapie

Erste Versuche, Krebszellen durch die Aktivierung des Immunsystems zu stoppen, gibt es bereits seit den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts. Als Beispiel kann hier die Knochenmarktransplantation bei Leukämiepatienten genannt werden. Da Spenderzellen im Grunde nie zu 100 Prozent mit Empfängerzellen übereinstimmen, kann das neu entstandene Immunsystem nach einer solchen Übertragung manchmal die verbliebenen Leukämiezellen erkennen und bekämpfen. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich insbesondere dann, wenn Spender- und Empfängerzellen sehr unterschiedlich sind. Diese Vorgehensweise berücksichtigt aber nicht die speziellen Merkmale des jeweiligen Tumors. Hierfür ist es nötig, die Therapie zielgerichteter zu gestalten.

Spürhunde auf Zellebene

Sogenannte monoklonale Antikörper sind künstlich hergestellte Spürhunde, die sich an einen speziellen Abschnitt des Antigens (= alles, was sich mit einem Antikörper spezifisch binden kann) einer Krebszelle binden. Sie lösen damit günstigstenfalls deren Zelltod aus oder stoppen zumindest deren Wachstum. In der Therapie finden sie bereits Anwendung. Professor Clemens Unger von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg: „Monoklonale Antikörper werden häufig eingesetzt und sind ein echter Fortschritt im Bereich der onkologischen Therapie. Sie können eingesetzt werden bei Brustkrebs, bei Dickdarmkrebs und Lungenkrebs, um nur die wichtigsten zu nennen.“

Leider ist ihre Wirkung nur bei wenigen Tumoren ausreichend – hier muss noch weiter geforscht werden. Einen gut belegten Nutzen haben diese Art der Antikörper hingegen für die Diagnostik, denn sie lassen sich auch zum Nachweis von Krebszellen im Körper verwenden. Hierfür werden sie mit radioaktiven oder fluoreszierenden Stoffen „beladen“, wodurch sie im Körper nachweisbar sind. Lagern sie sich nun an die Krebszellen an, können auch kleinere Tumorherde (z. B. bei Brustkrebs) aufgespürt werden, allerdings nur, wenn sich das Tumorgewebe ausreichend stark vom gesunden Gewebe unterscheidet.

Monoklonale Antikörper sind derzeit nur für bestimmte Tumore zugelassen und dürfen nur bei ausgewählten Patienten eingesetzt werden. Als Beispiel sind hier Brustkrebspatientinnen zu nennen, die begleitend mit monoklonalen Antikörpern während der Krebstherapie behandelt werden können, um das Tumorwachstum zu stoppen. Leider schlägt die Therapie nicht bei allen an.

 
 
 
Der Traum der Patienten: Eine
Impfung die gegen jeden Krebs
wirkt;© SXC

Gespritzt statt krebskrank

Natürlich wäre der Traum vieler Mediziner und Patienten eine prophylaktische Impfung, die eine Entstehung von Krebs generell verhindert.

Dr. Djorde Atanackovic vom Universitäsklinikum Hamburg-Eppendorf forscht genau auf diesem Gebiet. „In großen Studien werden momentan verschiedene Impftherapien gegen Krebs getestet. Ich halte es durchaus für möglich, dass dies in einigen Bereichen zum Erfolg führt.“

In diesen Studien werden jedoch nur manifeste, also bereits klinisch erkennbare, Erkrankungen berücksichtigt. Das Schlagwort „Impfen gegen Krebs“ ist seit einigen Jahren in den Medien zu finden. Bekannt ist vor allem die seit 2006 beworbene Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs beim Gynäkologen für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Geimpft wird hier allerdings gegen Viren, genauer gegen verschiedene Humane Papillomviren, die in Verdacht stehen, Gebärmutterhalskrebs auszulösen – nicht gegen den Krebs als solchen.

Aktive Immuntherapie

Doch die derzeit größte Hoffnung beruht auf Vakzinen (Impfstoffen), die tumorspezifisch sind. Das heißt, sie reagieren möglichst auf Merkmale der einzelnen Tumorzellen. Sollte also eine bestimmte Krebsart ausbrechen, würden die schädlichen Zellen durch die Spritze bzw. die darin enthaltenen Substanzen einfach abgebaut und unschädlich gemacht. Aber auch in diesem Fall muss der Krebs zunächst ausbrechen, um behandelt zu werden – eine echte Prophylaxe ist auch diese Impfung deshalb nicht!

Tatsächlich befindet sich vieles momentan noch im Stadium von Laborexperimenten. Bislang gibt es auch nur wenige Studien, die in diesem Zusammenhang überhaupt mit Krebspatienten arbeiten. Das liegt daran, dass viele Patienten bzw. ihr Krebs nicht für eine derartige Impfung geeignet ist. Ihre Krebszellen weisen schlicht nicht die notwendigen Merkmale auf, die sie als Tumorzellen identifizieren. Darüber hinaus unterscheiden sich die verschiedenen Krebsarten derart voneinander, dass eine universelle Therapie sehr unwahrscheinlich erscheint.

Auch Professor Unger betont, dass es die eine Spritze gegen Krebs wohl niemals geben wird: „Denn es gibt über 200 verschiedene Krebsarten und diese verlangen jeweils verschiedene Therapien.“ Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder aktuelle Meldungen, dass neue Vakzine, geprägt durch die unterschiedlichsten Ansätze, erfolgreich im Labor erprobt wurden.

Simone Ernst
MEDICA.de

 
 

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