Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: MEDICA-Portal. MEDICA Magazin. Thema des Monats. Jahres-Archiv. Unsere Themen 2010. Juli 2010: Qualitätsmanagement. Informationstechnologie.

Klick mich – Faire Noten für Mediziner

Klick mich – Faire Noten für Mediziner


„Doktor Stefan Frank - der Arzt, dem die Frauen vertrauen.“ Mit dieser beliebten Arztserie lockte der Privatsender RTL Ende der 90er Jahre Millionen Fans vor die Bildschirme. Doch so einfach wie in der Serie ist es im wirklichen Leben nicht, einen vertrauenswürdigen Arzt zu finden. Die Suche nach dem passenden Haus- oder Facharzt kann etwa dann langwierig sein, wenn man in eine andere Stadt umgezogen ist und nicht mehr der Arztempfehlung eines Freundes folgen kann.

Ab Herbst 2010 soll das auch nicht mehr nötig sein. Dann sollen Patienten auf eine seriöse Empfehlung von Ärzten im Internet zugreifen können. Die AOK betont, dass sie damit keine Hitliste der beliebtesten Ärzte erstellen will, sondern eine Orientierungshilfe für den Einzelnen. Bis die veröffentlicht wird, muss die Krankenkasse aber erst einmal viele Arztbewertungen der Patienten sammeln, diesen Grundstock an Daten auswerten und nutzerfreundlich aufbereiten. Deshalb sind seit Juni alle AOK-Mitglieder ab 15 Jahren in den Modellregionen Hamburg, Berlin und Thüringen aufgerufen, den Fragebogen unter www.aok-arztnavi.de auszufüllen.

Organisation der Praxis bewerten

Dieser wurde in einem mehrstufigen Verfahren nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelt. An der Ausarbeitung des Katalogs mit 30 Fragen waren sowohl Vertreter der Krankenkasse beteiligt, als auch Patientenvertreter, Ärzte, Verbraucherorganisationen und Datenschutzexperten. „Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, sagt Marko Dege vom AOK-Bundesverband. Die Patienten sollen nicht etwa die medizinische Behandlung bewerten, sondern die Organisation und Kommunikation in der Praxis, also Bereiche, mit denen sie direkt in Berührung kommen und über die sie fähig sind, zu urteilen.

So sollen sie Aussagen bewerten wie: Die Praxis macht einen gut organisierten Eindruck; Der Arzt erklärt Diagnosen, Ursachen und Behandlungsmethoden so, dass ich alles verstehe oder: In der Praxis wird der Schutz meiner Intimsphäre beachtet. Zum Schluss sollen sie ihren Gesamteindruck wiedergeben und unter anderem auf die Frage antworten: Würden Sie diesen Arzt Ihrem besten Freund weiterempfehlen? Auf Freitextfelder wurde bewusst verzichtet, damit Patienten keine böswilligen Aussagen oder Beschimpfungen formulieren können.

 
 
Foto: Ärztin hält Röntgenbild in der Hand 
Wie verständlich erklärt die
Ärztin ihren Patienten die
Diagnose? © Andresr

Zur Bewertung stehen sämtliche Haus- und Fachärzte aus den drei Startregionen, die regelmäßigen Kontakt zu Patienten haben – mit Ausnahme von Zahnärzten und Psychotherapeuten. Für diese Berufsgruppen sollen in einem nächsten Schritt gesonderte Fragebögen entwickelt werden. Benoten können Versicherte aber nur die Mediziner, die sie in den letzten zwölf Monaten aufgesucht haben. Der Grund: Sie sollen sich noch gut an den Arztbesuch erinnern und ihre Erfahrungen möglichst genau wiedergeben können. Über ein spezielles Login-Verfahren will die AOK sicherstellen, dass jedes Mitglied nur eine Bewertung abgeben kann. Manipulationen sollen so ausgeschlossen werden.

Lob von Kritikern

Ärztevertreter hatten ein solches Internetportal noch vor einem Jahr kritisiert und warnten vor einer Casting-Show für Mediziner. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtete sogar Ärztemobbing. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet und die KBV lobt den Arztnavigator. „Eine faire Bewertung von Ärzten durch Patienten ist sinnvoll. Sie unterstreicht und fördert eine durch gegenseitiges Vertrauen geprägte Beziehung“, sagt Karl-Heinz Müller, Vorstand der KBV. „Allerdings sollte die Aufnahme in das Portal für die Mediziner freiwillig sein“, fügt er hinzu.

Diesem Wunsch kommt die AOK eingeschränkt nach. „Die angezeigten Adressen im Portal bekommen wir von der Arzt-Auskunft der Stiftung Gesundheit“, sagt Dege. Das ist eine Art Telefonbuch mit Einträgen von sämtlichen niedergelassenen Ärzten in ganz Deutschland. Aber: „Ein Arzt hat die Möglichkeit, das Ergebnis seiner Bewertungen sperren zu lassen. Allerdings wird das dann vermerkt und lässt dem Patienten Raum zur Interpretation“, so Dege weiter.

Ausweitung auf ganz Deutschland geplant

Wie repräsentativ das Ergebnis der Befragung in den Modellregionen schließlich sein wird und ob es tatsächlich zu mehr Qualität im Gesundheitswesen führt, bleibt abzuwarten. Immerhin können zurzeit nur AOK-Versicherte daran teilnehmen. Und die können sich in der Altersstruktur und Krankheitsverteilung von Versicherten anderer Krankenkassen unterscheiden.

 
 

Foto: Hand an PC-Maus

Ein weiteres Problem: Den Fragebogen kann man nur online ausfüllen. Zum Arzt gehen jedoch häufiger ältere Menschen. Und die sind in der Regel nicht so vertraut im Umgang mit dem Internet wie junge Menschen. In diesem Punkt zeigt sich Dege jedoch optimistisch: „Auch ältere Menschen haben immer mehr Interesse am Internet. Zur Not können auch Angehörige die Fragen für ältere Menschen online beantworten.“

Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, will die AOK ihre Versicherten über verschiedene Wege zur Teilnahme an der Befragung auffordern – etwa über Flyer, Mitgliederhefte oder im direkten Kontakt in den Geschäftsstellen. „Wir möchten sowohl zufriedene als auch unzufriedene Patienten zu einer Bewertung motivieren“, sagt Dege. Auf die Ergebnisse – die dann für alle Interessierten per Mausklick zugänglich sind - darf man genauso gespannt sein wie auf die weitere Entwicklung des Projektes.

Simone Heimann
MEDICA.de

 
 

Mehr Informationen

Thema des Monats

Impressionen der Themen

Die aktuellsten Themen

Zum Artikel

Zum Artikel

Zum Artikel

Unsere Themen 2010

 
© Messe Düsseldorf gedruckt von www.MEDICA.de