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Sie befinden sich hier: MEDICA-Portal. MEDICA Magazin. Thema des Monats. Jahres-Archiv. Unsere Themen 2011. März 2011: Notfallmedizin. Krankenhaus.

Den Umgang mit Notfällen erlernen

Den Umgang mit Notfällen erlernen

Beruflich mit Notfällen konfrontiert sind neben Rettungssanitätern und Rettungsassistenten – Letztere durchlaufen eine mehrjährige Berufsausbildung – die Studierenden der Humanmedizin. Denn die Notfallmedizin ist natürlich Bestandteil des Medizinstudiums. Oft wird jedoch von den Studierenden und auch „fertigen“ Ärzten beklagt, dass für die Einübung lebensrettender Maßnahmen wie zum Beispiel die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder der stabilen Seitenlage kaum genug Zeit bleibt. Das Ergebnis kennt jeder, der sich an seinen Erste-Hilfe-Kurs vor der Führerscheinprüfung erinnert: Rudimentäres Wissen ist vorhanden, doch wie ging das nochmal genau? Dabei muss während eines Notfalls jeder Handgriff sitzen, Zeit spielt eine entscheidende Rolle ebenso wie die Expertise des Helfers.

Der Umgang mit kritischen Situationen muss immer wieder geübt werden

Je nach Arbeitsumfeld, etwa Klinik oder eigene Praxis, kommen auch Ärzte mehr oder weniger häufig mit Notfallsituationen in Kontakt. Je seltener Notfälle auftreten, desto wichtiger ist es deshalb, sich von Zeit zu Zeit mit medizinischen Notfallmaßnahmen auseinanderzusetzen. So sieht es auch Andrea Ferber, gelernte Rettungsassistentin und Stellvertretende Ausbildungsleiterin bei den Johannitern in Berlin. Sie vermittelt im Kurs „Notfall in der Arztpraxis“ Ärzten und deren Mitarbeitern, worauf es im Notfall ankommt. Frau Ferber erklärt: „Was zu Beginn alle Kursteilnehmer wiederholen, ist zum Beispiel, wie man Bewusstlosigkeit feststellt und wie die stabile Seitenlage beziehungsweise die Wiederbelebung funktioniert. Dann erweitert man das Thema Wiederbelebung, indem zum Beispiel der Defibrillator oder auch der Beatmungsbeutel hinzukommt.

 
 
 
Im Notfall ist schnelle Hilfe ent-
scheidend; © panthermedia.net
Leah-Anne Thompson

Wenn der Arzt es möchte, können wir auch auf die Intubation von Patienten eingehen. Das möchten jedoch nicht alle, denn es gibt Ärzte, die sagen, sie machen das in der Arztpraxis nicht. Ansonsten können die Ärzte aber die Intubation an einem Trainingsgerät üben, während die Arzthelfer das Anreichen der Instrumente lernen.“ Der dreistündige Notfallkurs für Ärzte kann als Fortbildungsmaßnahme angerechnet werden, wird jedoch von den Johannitern als Weiterbildung für das gesamte Praxisteam verstanden. Zu wünschen ist dabei natürlich, dass diese Maßnahme in einer gewissen Regelmäßigkeit stattfindet. Auch die Ausbildungsleiterin begrüßt es, wenn dieser spezielle Kurs des Erste-Hilfe-Trainings öfter wiederholt wird, denn, so erinnert sie, „es ist wie bei allen Sachen, die man vor langer Zeit einmal gelernt hat und dann nicht mehr übt – die Praxis fehlt.“

Notfälle im OP – die Ausbildung muss darauf vorbereiten

Während Notfälle im öffentlichen Raum oder der Arztpraxis eher unerwartete Ereignisse sind, behält man während einer Operation dieses Szenario zumindest im Hinterkopf. Umso wichtiger ist es, dass Chirurgen bereits frühzeitig mit Handlungsabläufen im OP vertraut gemacht werden und Notsituationen kognitiv und physisch bewältigen können. Einen ersten guten Einstieg gibt es für Studierende dank sogenannter Skill Labs. In diesen Unterrichtsräumen können angehende Mediziner unter simulierten Bedingungen am „Patienten“ üben. Meist handelt es sich um geschulte Schauspieler, aber auch um Simulatoren, an denen zum Beispiel eine Reanimation geübt werden kann. Spezifischer auf Notfallsituationen ausgelegt sind hingegen Anästhesie- und Notfallsimulatoren, die im klinischen Alltag Anästhesisten dabei helfen, Zwischenfälle unter nahezu realen Bedingungen zu üben. Zur Übung dient ein Simulator, eine lebensgroße Puppe, bei der wie bei einem Menschen die Narkose eingeleitet werden kann. Auf Knopfdruck steuert eine Software die verschiedenen Notfallszenarien, zum Beispiel das Aussetzen der Atmung. Der Anästhesist kann so an verschiedene Krisensituationen herangeführt werden und aus ihnen lernen – ohne dass ein Menschenleben gefährdet wäre.

Videoaufzeichnung und Feedback zeigen Fehler auf

Wie eine Situation gelöst wurde und ob man schnell und richtig gehandelt hat, zeigt das nachfolgende Feedback beziehungsweise die Aufzeichnung der Simulation durch eine Videokamera. Denn ein nachhaltiger Lerneffekt hängt nicht nur von der Qualität des Simulationstrainings ab, sondern auch von dem jeweiligen Konzept, das hinter der Fortbildung/Schulungssituation steckt. Das betont auch Doktor Werner Korb von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Gerade erst gewannen er und sein Team den Leipziger Ideenwettbewerb für Existenzgründer mit dem Projekt „Driving Innovation in Surgical Training Centers“, also einem neuen Ansatz chirurgischer Trainingssysteme. Korb im Interview: „Heute wird im OP noch viel durch ‚Learning by doing‘ gemacht. Wir möchten für die Ausbildung jedoch wissenschaftliche Konzepte anbieten. Dabei geht es darum zu lernen, wie man Feedback gibt und wie man einen Ausbildungsplan erstellt. Simulatoren sind hingegen nur ein Mittel zum Zweck, um alles zusammenzubringen.“ Das Schulungsangebot des Forschungszentrums – Innovative Surgical Training Technologies richtet sich an Chirurgen in der Assistenzzeit und bietet die Möglichkeit seine manuellen und kognitiven Fähigkeiten in einem sicheren Rahmen zu schulen. Das heißt jedoch nicht, dass die Kurse für die Mediziner ein Spaziergang sind. Denn Notfallsituationen sind gerade geprägt durch ein Gefühl der Unsicherheit – und das soll auch in der Simulation so bleiben. Korb dazu: „Der Ablauf ist wie bei einer richtigen Operation. Die Ärzte ziehen sich OP-Kleidung an, desinfizieren sich die Hände und arbeiten mit herkömmlichen Instrumenten. Dabei entstehen im simulierten Notfall – auch durch die Verwendung künstlichen Blutes – Stresssituationen wie im Operationssaal. Und das ist auch unser Ziel!“

 
 


 
 

Damit die OP- oder Notfallszenarien möglichst realitätsnah sind, werden im Vorfeld Tiefeninterviews mit Experten geführt. So können zum einen Problemsituationen herausgefiltert werden, die öfters während einer bestimmten Operation auftauchen. Zum anderen geht das Team von ISTT auch mit in den OP, um den Ablauf – der Teamarbeit ist – zu verstehen. Aus diesen beiden Komponenten werden dann realitätsgetreue Szenarien entwickelt. Derzeit konzentriert man sich in Leipzig auf die Entwicklung von Kursen für Wirbelsäulenoperationen, weitere Szenarien aus der HNO- und der Unfallchirurgie sollen folgen.

Simone Ernst
MEDICA.de

 
 

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