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Auf deutsche Krankenhäuser kommen magere Jahre zu

Auf deutsche Krankenhäuser kommen magere Jahre zu


Die Versorgungssicherheit auf dem Land wird dadurch in den meisten Fällen aber nicht gefährdet. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt die siebte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2011 - Medizin und Gesundheit“ in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Ohne Gegenmaßnahmen wird sich die derzeit gute wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser ab 2011 wieder verschlechtern. Bis zum Jahr 2020 dürften etwa 10 Prozent aus dem Markt ausscheiden. Betroffen sind vor allem kleine Häuser, hier insbesondere solche in kommunaler Trägerschaft in Teilen Bayerns, in Baden-Württemberg, in Südhessen und in Teilen Niedersachsens. Im Jahr 2009 befanden sich 12 Prozent der Krankenhäuser im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 75 Prozent lagen im grünen Bereich, die restlichen 13 Prozent dazwischen. Laut ihrem Betriebsergebnis in der Lage, die erforderlichen Investitionen voll zu tätigen, waren dennoch nur rund 30 Prozent aller Krankenhäuser. Ohne Investitionen können sie aber langfristig nicht überleben. Seit dem Jahr 1991 hat sich in den Kliniken ein Investitionsstau von mittlerweile 14 Milliarden Euro angehäuft. Krankenhäuser müssen daher ihre Möglichkeiten zur Innenfinanzierung deutlich erhöhen.

Am besten war die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser 2009 demnach in Rheinland-Pfalz/Saarland, Sachsen-Anhalt/Thüringen und in Sachsen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Am schwierigsten war die Situation in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen/Bremen und Bayern. Dabei gab es trotz ähnlicher regionaler Bevölkerungsdichte beispielsweise in Bayern rund 40 Prozent mehr Krankenhäuser je Einwohner als in Ostdeutschland. Auch die Inanspruchnahme von Krankenhäusern variierte deutschlandweit. Sie reichte von 14 Prozent unter dem Durchschnitt liegenden Fällen je Einwohner in Baden-Württemberg bis zu 12 Prozent darüber in Thüringen. Die Krankenhauskosten je Einwohner betrugen zwischen 717 Euro je Einwohner in Baden-Württemberg und 988 Euro im Saarland.

Weitere Ergebnisse der Studie sind, dass kleine Krankenhäuser bezüglich der wirtschaftlichen Lage signifikant schlechter abschneiden als große. Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen Wirtschaftlichkeit, Qualität und Patientenzufriedenheit: Häuser mit Qualitätsproblemen weisen ebenso ein schlechteres Rating auf wie solche mit geringer Patientenzufriedenheit.

Der „Krankenhaus Rating Report 2011“ basiert auf einer Stichprobe von 687 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2008 und 366 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2009, die insgesamt mehr als 1000 Kliniken umfassen. Die Ausgaben für Krankenhäuser betrugen 2009 insgesamt 71 Milliarden Euro und waren damit um 6,4 Prozent höher als im Vorjahr. Allerdings stiegen auch die Kosten der Krankenhäuser, vor allem für den ärztlichen Dienst, 2009 stark an. Zwischen 2005 und 2009 sind die Ausgaben für Krankenhäuser um 15 Prozent gestiegen und damit geringer als die Ausgaben für Arztpraxen (22 Prozent) und für ambulante und stationäre Pflege (20 Prozent).

In Zukunft werden voraussichtlich vor allem strukturschwache ländliche Räume nicht nur mit einer alternden Bevölkerung, sondern auch mit spürbaren Bevölkerungseinbußen umgehen müssen. Daher wird dort die Krankenhausinfrastruktur nicht in vollem Umfang aufrechterhalten werden können.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

 
 
 

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