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„In Deutschland gestaltet sich der Klinikmarkt anspruchsvoll“

„In Deutschland gestaltet sich der Klinikmarkt anspruchsvoll“

Foto: Lächelnder Mann mit Brille

MEDICA.de: Welche Technik- und Markttrends prägen momentan die Geschäftsentwicklung besonders aus der Sicht Ihrer Mitglieder?

Hans-Peter Bursig: Die Medizintechnik im Bereich des ZVEI wird durch die permanente Weiterentwicklung und Verbesserung der Produkte und Systemlösungen geprägt. Für die Anwender entstehen dadurch laufend neue Möglichkeiten, die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern und die Kosten zu senken. Dabei ist das Investitionsklima in Deutschland unverändert schwierig, während sich innovative Produkte in den internationalen Märkten schneller verbreiten.

MEDICA.de: In Deutschland gestaltet sich der Klinikmarkt – positiv gesprochen – „anspruchsvoll“ aus Sicht der Medizintechnik-Anbieter. Die Zahl der Kliniken geht zurück. Die Finanzsituation ist bei den öffentlichen Kliniken vielfach angespannt. Viele Kommunen scheuen aber vor allem aus Gründen der lokalen Versorgungssicherheit den „Cut“. Wie könnte im Sinne des Aufbaus moderner Gesundheitsinfrastrukturen Dynamik in den Markt gebracht werden?

Bursig: Das deutsche System der "dualen Finanzierung" im Krankenhausbereich ist offenkundig nicht mehr zeitgemäß. Die Krankenhäuser könnten deutlich flexibler handeln, wenn sie die notwendigen Investitionen vollständig aus eigenen Einnahmen bestreiten könnten. Dafür müsste eine Investitionskomponente in das DRG-System eingebaut werden. Bei besonderem Bedarf könnte die öffentliche Hand immer noch mit zusätzlichen Finanzmitteln helfen. Die Krankenhäuser würden dadurch nicht nur von den komplizierten und langwierigen Antragsverfahren entlastet. Sie könnten darüber hinaus auch langfristig wirtschaftlich und unternehmerisch handeln. Im Ausbau vernetzter Gesundheitsinfrastrukturen liegt nicht nur eine Chance, sondern die notwendige Basis, um die Versorgung künftig bedarfsgerecht und bezahlbar zu gestalten. Auf dieser technischen Grundlage wird eine Vielzahl neuartiger medizinischer Angebote umsetzbar.

MEDICA.de: Die Zuständigkeiten innerhalb der Bundesregierung für die Gesundheitspolitik haben sich nach der jüngsten Kabinettsumbildung erneut geändert. Welches gesundheitspolitische Vorhaben gehört aus Ihrer Sicht vorrangig angegangen?

Bursig: Eine Änderung der Krankenhausfinanzierung müsste zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden. Das scheint kurzfristig nicht sehr wahrscheinlich. Der aktuell diskutierte Entwurf des Versorgungsgesetzes enthält aber zwei Elemente, die aus Sicht des ZVEI ebenfalls Impulse geben können. Da ist zum einen die stärkere Regionalisierung der Bedarfsplanung. Es ist zu hoffen, dass auf diesem Wege auch neue Versorgungskonzepte möglich werden. Zum anderen kann die vorgeschlagene Erprobungsregelung für neue Verfahren durch den GBA die Verbreitung innovativer Produkte im deutschen Markt beschleunigen.

MEDICA.de: Deutschland spricht über die Frauenquote. In Bezug auf den „Nachwuchs“ für die medizintechnische Industrie dürften Ihre Mitgliedsunternehmen froh sein, wenn sie überhaupt genügend fachlich Qualifizierte fänden. Frauen hätten also beste Karriereaussichten. Gibt´s spezielle Förderprogramme?

Bursig: Der ZVEI unterstützt sehr stark übergreifende Aktionen, wie die MINT-Initiative oder ThinkING. Es ist wichtig, Schüler für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern. Einzelne Unternehmen verfolgen aber ergänzend auch individuelle Ansätze. Die Entwicklungsarbeit in der Medizintechnik verlangt sehr häufig fachübergreifende Teamarbeit. In der Produktion sind aber auch hochqualifizierte Facharbeiter gefragt.

MEDICA.de: Sehen Sie vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung den Produktionsstandort Deutschland aus Sicht der Medizintechnik-Branche in Gefahr?

Bursig: Die Medizintechnik ist eine attraktive Branche, die in Zukunft aber noch stärker mit anderen Wirtschaftszweigen um qualifizierte Arbeitnehmer konkurrieren muss. Gerade für die vielen mittelständischen Unternehmen der Branche wird das immer mehr zu einer Herausforderung. Der Produktionsstandort Deutschland ist aktuell aber nicht in Gefahr.

MEDICA.de: Welche Impulse erwarten Sie ausgehend von der MEDICA 2011 für Ihre Mitgliedsunternehmen und warum ist eine Teilnahme an der MEDICA wichtig?

Bursig: Die MEDICA ist als internationale Leitmesse eine Plattform für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen medizintechnischen Industrie. Der Export trägt wesentlich zum Erfolg der deutschen Unternehmen bei. Das internationale Interesse an deutscher Medizintechnik wird aber hoffentlich auch Impulse für den deutschen Markt und eine dynamische Gesundheitswirtschaft in Deutschland geben.

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