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Therapie für schwere Nierenerkrankung (RPGN) entdeckt

Therapie für schwere Nierenerkrankung (RPGN) entdeckt

Foto: Nierenabbildung

Die Forscher konnten in erkrankten Mäusen durch Hemmung des Rezeptors ein Versagen der Nieren verhindern. „Dies ist ein bedeutender Erkenntnisgewinn, der hoffentlich für viele Patienten zu einer Verbesserung der bisher unzulänglichen und aggressiven Therapie führen wird“, informierten die Nierenforscher Nicole und Karlhans Endlich.

Das Forscherteam hat sich der rasch progressiven Glomerulonephritis angenommen. Krankheitsgefühl, abnehmende Harnausscheidung und Wassereinlagerungen im gesamten Körpergewebe gehören zu den Anzeichen dieser schweren Nierenerkrankung. Die endgültige Diagnose wird nach Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus der Niere gestellt. Bei der RPGN wuchern Zellen in einer typischen Halbmond-Form an den mikroskopisch kleinen Filtereinheiten der Niere, den Glomeruli. Steht die Diagnose fest, dann gilt es für den behandelnden Nierenarzt, den sogenannten Nephrologen, keine Zeit zu verlieren. Die RPGN ist ein nephrologischer Notfall.

Die Wissenschaftler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Podozyten, einem wichtigen Zelltyp in den Glomeruli. Sie hatten bemerkt, dass Podozyten bei Zugabe des Hormons HB-EGF (Heparin-Binding EGF-Like Growth Factor) in auffälliger Weise zu wandern begannen. „Unter dem Mikroskop erschien es, als ob die Zellen in der Kulturschale oberhalb von sich nach Stellen zum Anhaften suchten“, erinnerte sich Nicole Endlich. Ungefähr zur gleichen Zeit erfuhr das Forscherpaar eher zufällig von den Ergebnissen eines Pariser Kollegen. Doktor Pierre-Louis Tharaux löste bei Mäusen, denen das Gen für HB-EGF fehlte, eine RPGN aus. Sein überraschender Befund: Die Mäuse entwickelten kein Nierenversagen.

"Wir hatten schnell eine Vermutung, wie unsere Ergebnisse zusammen passen könnten", erzählt Karlhans Endlich. Mit Zellkulturexperimenten in Greifswald und Tierexperimenten in Paris konnten die Forscher schließlich schlüssig nachweisen, dass die Podozyten bei der von ihnen untersuchten Nierenerkrankung durch HB-EGF über den EGF-Rezeptor zu unkontrolliertem Wandern anregt werden. Dabei aktivieren die Podozyten einen benachbarten Zelltyp, mit dem sie gemeinsam die typische halbmondförmige Zellwucherung verursachen. Wurde der EGF-Rezeptor in den Podozyten ausgeschaltet oder beispielweise mit der Substanz Erlotinib gehemmt, konnte die Zellwucherung eingedämmt und damit der Verlust der Nierenfunktion verhindert werden. Das Beste daran: Der EGF-Rezeptorhemmer Erlotinib ist bereits für die Behandlung von bestimmten Krebserkrankungen zugelassen.

MEDICA.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald