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„Alle Teilnehmer der Tumorkonferenz haben Zugriff auf die gleichen Daten“

„Alle Teilnehmer der Tumorkonferenz haben Zugriff auf die gleichen Daten“

Foto: Jüngerer Mann mit eckiger Brille

In Videokonferenzen können Ärzte zusammenkommen, um zum Beispiel über einzelne Fälle zu sprechen und neue Behandlungspläne zu erstellen. So sparen Ärzte und Patienten Zeit. Wie die sogenannten Tumorkonferenzen ablaufen, darüber sprach MEDICA.de mit Christian Hess, Ärztlicher Leiter Asklepios Future Hospital Programm, und Jörg Focke, Sprecher Asklepios Future Hospital Konzernbereich IT.

MEDICA.de: Wie kam es in Ihrer Klinik zu der Entscheidung, bei der Behandlung von Brustkrebs auf Videokonferenzen zu setzen?

Christian Hess: Die Gründe für die Einführung dieser Technologie sind vielschichtig und müssen vor dem Hintergrund der Asklepios IT-Strategie gesehen werden. 2005 hat Asklepios ein großes Homogenisierungsprojekt mit dem Namen OneIT für seine Kliniken ins Leben gerufen. Nach der flächendeckenden Einführung von OneIT wurden weitere Dienste, basierend auf dieser hoch-standardisierten Infrastruktur, definiert und bereitgestellt. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Videokonferenzen zwischen allen Asklepios-Kliniken durchzuführen.

Professor Roland Brüning, Chefarzt der Radiologie in der Asklepios Klinik Barmbek, erkannte sofort die Möglichkeiten für die Durchführung von Tumorkonferenzen, die mit dieser neuen Technologie bereitgestellt wurde. Im Rahmen des zertifizierten Brustzentrums, an dem die Asklepios-Kliniken Altona und Barmbek beteiligt sind, wurde diese Möglichkeit erstmals im medizinischen Umfeld genutzt. Alle Teilnehmer der Tumorkonferenz haben dabei Zugriff auf die gleichen Daten. Bilder, Laborbefunde und alle anderen bereitgestellten Daten sind allen Teilnehmern zugänglich.

MEDICA.de: Alle Teilnehmer einer Tumorkonferenz haben also durch die telemedizinischen Anwendungen Einblick in die Patientendaten, wie etwa Röntgenbilder oder Therapiepläne?

Hess: Genau. Wobei es bei aller Standardisierung durchaus krankenhausübergreifende Hürden geben kann. Wenn zwei Krankenhäuser jeweils über ein PACS verfügen bedeutet das trotz aller Standardisierung noch nicht, das diese problemlos Daten austauschen können. Denn in der Regel muss man nicht nur das Thema Schnittstelle betrachten, sondern auch unterschiedliche Dialekte der Systeme berücksichtigen, sodass für uns schnell klar wurde, diese Kommunikation anders abbilden zu müssen.

Dank OneIT+, den erweiterten Diensten von OneIT, stehen verschiedenste Kommunikationswege bereit: Mail, Chat, Telefon und sogar Videokonferenz mit der Möglichkeit der Bildschirmfreigabe sind in einem hohen Integrationsgrad nutzbar. Das alles funktioniert auch in größeren Gruppen, wobei man aufgrund dieser Technologie auch eine Bildschirmfreigabe in einer Gruppe von Teilnehmern verwenden kann. Und die ist unabhängig vom Primärsystem.

 
 
Foto: Älterer Mann mit gelber Krawatte 
Jörg Focke;
© Asklepios Kliniken

Jörg Focke: Das herausragende an der Lösung ist, dass wir – vollkommen unabhängig von der eingesetzten Software an den beteiligten Standorten – die Tumorkonferenz durchführen können. Alle Beteiligten sehen auf ihrem Bildschirm die gleichen Bilder und Daten, unabhängig von ihrem Standort und den dort eingesetzten, klinischen Informationssystemen. Das ist technologisch die wichtigste Voraussetzung für die Tumorkonferenz, bei der begleitend eine Dokumentation online geführt wird, in der die Ergebnisse der Fallbesprechung festgehalten werden. Weiterhin wird erfasst, wer an der Konferenz teilgenommen hat. Am Ende wird die Dokumentation unterschrieben und so Bestandteil des unter allen Experten abgestimmten Behandlungsplanes für die Patientin. Diese muss nicht zeitaufwendig alle Experten nacheinander aufsuchen, um ein Gesamtergebnis zu erhalten. Durch die wöchentlich stattfindende Tumorkonferenz erhält die Patientin viel schneller den Behandlungsplan; ein zeitlicher Vorteil, der in einer für die Patientin oftmals persönlich schwierigen Situation signifikant ist.

MEDICA.de: Ist es geplant, die Patienten in diese telemedizinischen Ansätze mit einzubeziehen?

Hess: Ideen dazu haben wir durchaus. Beim Thema Tumorkonferenz bestehen diese Bestrebungen jedoch eindeutig nicht. Es wäre nicht das geeignete Mittel, den Patienten an einer Umgebung teilhaben zu lassen, in der in einer ihm fremden Fachsprache über ihn gesprochen wird. Das wäre nicht zweckdienlich. Zukünftig werden niedergelassene Ärzte die Möglichkeit haben, an der Fallbesprechung ihrer Patienten elektronisch teilzunehmen.

Aber wir haben durchaus Ansätze, in denen es darum geht, den Patienten direkt einen Vorteil zu verschaffen. Denn viele Menschen sind heute online und es spricht nichts dagegen, dass Patienten zum Beispiel die Ergebnisse des Bluttests beim Hausarzt online erhalten und besprechen.

Focke: In skandinavischen Ländern werden ähnliche Ansätze wie von uns evaluiert. Wir sind der Überzeugung, dass diese Technik uns in Zukunft helfen wird, Herausforderungen des Gesundheitswesens besser zu lösen. Technologie kann uns helfen, die Auswirkungen des demografischen Wandels und des viel diskutierten Ärztemangels in ländlichen Gebieten zu mindern. Auch bietet sie die Chance für jeden Einzelnen auf ein längeres, selbstbestimmtes Leben im Alter.

Das Interview führte Simone Ernst
MEDICA.de

 
 

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