Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: MEDICA-Portal. MEDICA Magazin. Interviews. Gesundheitspolitische Interviews. Informationstechnologie.

„Der Datenschutz der Versicherten ist unzweifelhaft gewährleistet“

Elektronische Gesundheitskarte: „Der Datenschutz der Versicherten ist unzweifelhaft gewährleistet“

08.12.2011

Florian Lanz

Florian Lanz, Pressesprecher des GKV-Spitzen-
verbandes;
© privat

Seit Oktober 2011 wird die elektronische Gesundheitskarte (eGK) endgültig in den Patienten- und Ärztealltag eingeführt. Nach einem langen und mühsamen Weg erfüllt sie am Ende die für den Datenschutz der Versicherten erforderliche Vorschriften.

MEDICA.de sprach mit Florian Lanz – dem Pressesprecher des GKV-Spitzenverbandes, der die zentralen Interessen der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland vertritt – über die Vorteile der eGK für Patienten, Ärzte, Krankenkassen sowie der deutschen Telematik-Infrastruktur.


MEDICA.de: Wie unterscheidet sich die elektronische Gesundheitskarte von der herkömmlichen Versichertenkarte?

Florian Lanz: Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Karten nur durch das Foto, das auf der neuen Gesundheitskarte zu sehen ist und den Versicherten abbildet.

Der wirkliche Unterschied liegt jedoch in dem elektronischen Chip, der in die Gesundheitskarte eingearbeitet ist. Die alte Versichertenkarte konnte nur die wichtigsten Daten zu dem Versicherten angeben, sie konnte jedoch nichts „dazulernen“. Durch den Mikrochip ist die neue Gesundheitskarte lernfähig und damit auch der Schlüssel für die Telematik-Infrastruktur in Deutschland, die zurzeit aufgebaut wird.

MEDICA.de: Welche Vorteile bietet die elektronische Gesundheitskarte den Patienten, den Ärzten und den Krankenkassen?

Lanz: Die elektronische Gesundheitskarte bietet viele Vorteile für alle Beteiligte. Im ersten Schritt erkennt man auf den ersten Blick, ob derjenige, der sich in einer Arztpraxis behandeln lassen möchte, auch wirklich der Berechtigte ist. Es kommt heute immer wieder vor, dass Versichertenkarten missbräuchlich benutzt werden, weil jemand, der nicht versichert ist, diese Karte beim Arzt vorzeigt. Dieses Problem betrifft mittelbar alle Beitragszahler, denn wenn Menschen sich Leistungen erschleichen, müssen diese von den Versicherten bezahlt werden.

Das ist jedoch nur der erste Schritt. Der eigentliche Mehrwert für die Versicherten wird sich in den nächsten Jahren entwickeln. Nämlich dadurch, dass die Karte unter anderem Notfalldaten enthält. Wenn man einen Unfall erleidet, kann der Notarzt sofort von der Karte ablesen, was er bei dem gegebenen Patienten besonders beachten muss, zum Beispiel, ob das Opfer ein bestimmtes lebenswichtiges Medikament braucht oder ein Bluter ist.

Die elektronische Gesundheitskarte wird auch bei den Krankenkassen Kosten sparen. Heute bekommt jeder Versicherte sofort eine neue Karte, wenn er seine Adresse oder seinen Namen ändert. Die neue elektronische Gesundheitskarte wird in Zukunft automatisch online aktualisiert, sobald der Arzt sie in ein Lesegerät einsteckt. Das ständige Karten-Austauschen entfällt und damit wird viel Geld gespart.

Im Übrigen verbessert sich die Kommunikation zwischen den Ärzten. Wenn man heute als Patient ein Röntgenbild oder einen Arztbericht von Arzt A zu Arzt B bringen möchte, dann wird er in der Regel ausgedruckt, in einen Briefumschlag gesteckt und nach ein bis zwei Tagen kommt er dann bei dem anderen Arzt an. Künftig soll solche Kommunikation über eine verschlüsselte E-Mail erfolgen, die auch nur der Arzt und der Empfänger öffnen können. Die Daten sind in einer solchen E-Mail absolut sicher.

 
 
eGK-Musterkarte Vorderseite

Dank der Bestätigung der Datenschutzbehörden sind sich die Krankenkassen absolut sicher, dass die elektronische Gesundheitskarte alle Anforderungen erfüllt; © gematik GmbH

MEDICA.de: Während der Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte traten immer wieder Probleme auf, die die Einführung lange verzögerten. Sind diese Probleme jetzt behoben und ist der Datenschutz für die Patienten gewährleistet?

Lanz: Der Datenschutz der Versicherten ist unzweifelhaft gewährleistet.
Die Sicherheit der elektronischen Gesundheitskarte wurde von zwei wichtigen Behörden bestätigt. Zum einen sind alle Prozeduren, die über die Karte geführt werden, eng mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten abgestimmt. Zum anderen werden die Kartenlesegeräte von dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert, damit auch von den Geräten aus kein Angriff auf die Daten möglich ist.

Dank der Bestätigung der Datenschutzbehörden sind wir – die Krankenkassen – uns absolut sicher, dass die elektronische Gesundheitskarte alle Anforderungen erfüllt, denn die Versichertendaten sind für uns ein hohes Gut. Im Punkt Datenschutz gibt es momentan nichts Besseres auf dem Markt.

Wir kommen jetzt bei der Einführung der eGK gut voran. Nach den Schwierigkeiten in den ersten Projektphasen hatte die Politik im Frühjahr des vergangenen Jahres einen Neustart für die elektronische Gesundheitskarte ermöglicht. Der damalige Gesundheitsminister Philipp Rösler stellte alles auf den Prüfstand und es kam zu wesentlichen Änderungen in der Projektstruktur. Die ersten Ergebnisse sehen wir schon daran, dass aktuell tatsächlich alle Arztpraxen und Krankenhäuser mit den neuen Lesegeräten ausgestattet sind und dass bis Ende 2011 die ersten 10 Prozent der Bevölkerung – circa sieben Millionen gesetzlich Versicherte – die neue Karte bekommen. Wir sind also auf dem richtigen Weg, dass sich die eGK tatsächlich durchsetzt.

MEDICA.de: Welche Anwendungen sind zukünftig vorgesehen?

Lanz: In der nahen Zukunft sind für uns drei zentrale Projekte wichtig: das Versicherten-Stammdaten-Management, die Notfalldaten auf der Karte und die Arzt-zu-Arzt-Kommunikation.

Hinter dem Versicherten-Stammdaten-Management verbirgt sich die Online-Aktualisierung der wichtigen Daten. Die Notfalldaten auf der Karte ermöglichen schnelle Hilfe im Notfall. Außerdem möchten wir mithilfe der elektronischen Gesundheitskarte die Kommunikation zwischen den Ärzten aufbauen und einfacher machen.

Darüber hinaus wollen wir künftig weitere Projekte angehen, die die elektronische Gesundheitskarte vereinfachen soll. Dazu zählen zum Beispiel Organspende-Erklärung, Impf- oder Arzneimitteldokumentation bis hin zu einer elektronischen Patientenakte. Dank des eingebauten Mikrochips bietet die Karte sehr viele Möglichkeiten. Sie kann elektronisch über Online-Updates verbessert werden. Die eGK öffnet die Tür für eine moderne Telematik-Infrastruktur – das ist ein gutes Signal für die Versicherten und die Ärzte, aber auch für den Standort Deutschland.

Das Interview führte Michalina Chrzanowska.
MEDICA.de

 
 
 

Mehr Informationen

Noch mehr Interviews!

Foto: Mikrofon

© panthermedia.net/Andrei Shumskiy

 
© Messe Düsseldorf gedruckt von www.MEDICA.de