Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: MEDICA-Portal. MEDICA Magazin. Thema des Monats. Jahres-Archiv. Unsere Themen 2012. Januar 2012: Ernährung als Therapie. Ernährung.

„Egal ob Laktose, Fructose, Gluten oder Histamin – man muss individuell schauen, was man verträgt“

Thema des Monats Januar: Ernährung als Therapie

 
 

„Egal ob Laktose, Fructose, Gluten oder Histamin – man muss individuell schauen, was man verträgt“

Foto: Professor Christine Behr-Völtzer

Professor Christine Behr-Völtzer;
© HAW Hamburg

Professor Christine Behr-Völtzer arbeitet an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Life Sciences im Departement Ökotrophologie. MEDICA.de sprach mit ihr über geeignete Ersatz-Produkte, Verzicht und frische Nahrungsmittel.











MEDICA.de: Frau Professor Behr-Völtzer, schon als Kind wurde uns gepredigt, wie gut Milch für unsere Knochen sei. Doch Milchprodukte können auch schlecht für unseren Körper sein, nämlich im Fall einer Laktose-Intoleranz. Was bedeutet das für unseren Organismus?

Christine Behr-Völtzer: Die Ursache für die Laktose-Intoleranz ist ein Enzymdefekt. Milchzucker kann im Körper nur schlecht bis gar nicht abgebaut werden, was auf einen Mangel des Verdauungs-Enzyms Laktase zurückzuführen ist. Diese Form der Intoleranz macht sich mit Symptomen wie Durchfall, Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit und Aufstoßen bemerkbar.

MEDICA.de: Lässt sich diese Art der Intoleranz gut behandeln?

Behr-Völtzer: Die naheliegendste Lösung ist die Auslassdiät. Die Patienten verzichten also auf die laktosereichen Frischmilchprodukte, die sie nicht vertragen. Das lässt sich heutzutage schon gut umsetzen, da es zahlreiche L-Minus-Produkte auf dem Markt gibt. Viele vertragen außerdem beispielsweise nicht erhitzten Joghurt. Hart-, Schnitt-, Weich- und Sauermilchkäse werden meist gut vertragen. Hier ist die Laktose bei der Käsereifung weitgehend abgebaut worden. Eine weitere Möglichkeit wäre ansonsten noch die Einnahme eines Laktase-Präparates.

MEDICA.de: Neben der Laktose-Unverträglichkeit ist auch die Fructose-Intoleranz weit verbreitet.

Behr-Völtzer: Ja, das stimmt. Bei der Fructose-Intoleranz handelt es sich allerdings um eine sogenannte Malabsorption. Hier ist der Glukose-5-Transporter unterreguliert und die Aufnahmekapazität für Fructose ist begrenzt. Die Symptome entsprechen denen bei einer Laktose-Intoleranz. Ein ausführliches Ernährungsprotokoll hilft bei der Diagnose.

 
 
Foto: Bananenstaude

Bananen enthalten wenig
Fructose und können trotz
Intoleranz verzehrt werden;
© panthermedia.net/
TongRoASIA Lewis Lee

MEDICA.de: Muss man als therapeutische Maßnahme dann komplett auf Obst verzichten?

Behr-Völtzer: Nicht unbedingt. Einige Obstsorten sind fructosearm, wie etwa Bananen, Erdbeeren, Himbeeren, Papaya oder Johannisbeeren. Diese könnte man mit Glukose süßen. Denn werden Fructose und Glukose in etwa gleichen Mengen aufgenommen, verändert sich die Aufnahmekapazität. Fructose-intolerante Menschen haben generell häufig Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Hier empfehlen sich eine leichte Vollkost sowie der Verzicht auf Lebensmittel, die dafür bekannt sind, Blähungen hervorzurufen. Man sollte aber auf gar keinen Fall generell auf alles verzichten!

MEDICA.de: Die Gluten-Intoleranz ist eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, nämlich das in vielen Getreidesorten vorkommende Klebereiweiß. Was gilt es hierbei zu beachten?

Behr-Völtzer: Bei der Gluten-Unverträglichkeit ist es wichtig, unbedingt auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten! Die sogenannte Zöliakie ist bei Kindern oft sehr ausgeprägt und geht mit vielen Symptomen einher. Zu nennen wären etwa starke Durchfälle, ein aufgeblähter Bauch, gelegentliches Erbrechen, Müdigkeit, trockene Haut, aber vor allem eine Verringerung des Wachstums und sogenannte Gedeihstörungen der Kinder. Die Biopsie ist in diesem Fall die zuverlässigste Diagnosemethode, alle anderen liefern nur Hinweise.

MEDICA.de: Und was geschieht, wenn die Diagnose positiv ist?

Behr-Völtzer: Eine lebenslange glutenfreie Diät ist die derzeit einzig mögliche Therapie. Durch sie kann sich die Darmschleimhaut wieder erholen und auch die Risiken der Langzeitfolgen sinken.

 
 
Foto: Symbol für glutenfreie Lebensmittel

Mit der durchgestrichenen Ähre
werden glutenfreie Nahrungsmittel
kennzeichnet; © DZG

MEDICA.de: Man muss also nur alle Getreidesorten mit hohem Glutengehalt, wie beispielsweise Weizen, Gerste und Roggen, meiden?

Behr-Völtzer: So einfach ist es leider nicht. Gluten wird oft als Emulgator eingesetzt. Deswegen muss unbedingt auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten darauf geachtet werden, dass keine glutenhaltigen Zutaten verwendet wurden. Die Deutsche Zöliakiegesellschaft e. V. (DZG) bietet hierzu ausführliche Informationen an.

MEDICA.de: Bei der Histamin-Intoleranz wird oft berichtet, dass sie vor allem bei Frauen in den mittleren Jahren auftritt. Stimmt das?

Behr-Völtzer: Das kann man so nicht pauschalisieren. Jeder von uns reagiert auf einen zu hohen Histamingehalt in Lebensmitteln. Bei der Intoleranz an sich handelt es sich um eine Abbaustörung des durch Nahrungsmittel aufgenommenen Histamins. Sie kann als ein Missverhältnis zwischen dem Histamin und dem Histamin abbauenden Enzym, der Diamonooxidase, beschrieben werden. Erkennen kann man die Histamin-Intoleranz an Symptomen wie Nesselsucht, Asthma, Herzrasen, Kopfschmerzen und Rotanlaufen.

MEDICA.de: Wie kann diese Unverträglichkeit behandelt werden?

Behr-Völtzer: Auch hier gilt es, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Um potenzielle Herde der Histaminentstehung zu vermeiden, sollte man auf möglichst frische Nahrungsmittel zurückgreifen und diese auch selbst zubereiten. Damit ist man am ehesten auf der sicheren Seite.
Aber egal ob Laktose, Fructose, Gluten oder Histamin – man muss immer individuell schauen und vorsichtig probieren, was man verträgt und was nicht.

Das Interview führte Nadine Lormis.
MEDICA.de

 
 

Und Ihre Meinung?

 
 

Mehr Informationen

Thema des Monats

Impressionen der Themen

Die aktuellsten Themen

Zum Artikel

Zum Artikel

Zum Artikel

Unsere Themen 2012

Thema des Monats

 
© Messe Düsseldorf gedruckt von www.MEDICA.de