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Herzklappenimplantation mit höchster Präzision

Herzklappenimplantation mit höchster Präzision

Foto: Entpackte Aortenklappe

Das Behandlungsteam um Professor Justus T. Strauch setzte zwei Patienten eine künstliche Aortenklappe mittels eines sogenannten Transkathetersystems der zweiten Generation ein: Die zusammengefaltete Herzklappe wird hierbei durch die Herzspitze eingeführt und an der Stelle der erkrankten Klappe schrittweise entfaltet. Gegenüber früheren Verfahren erlaubt es die neue Methode, die Positionierung der Herzklappe während des Eingriffs im Bedarfsfall zu korrigieren. Mögliche Komplikationen können auf diese Weise verringert werden.

„Mit dem neuen Verfahren wird die Herzklappe nicht mehr auf einen Schlag, sondern Schritt für Schritt freigesetzt“, erläutert Strauch. „Der Operateur kann dabei ihre Position solange nachjustieren, bis sie korrekt in der alten Herzklappe verankert ist und sie erst dann komplett entfalten.“ Das Grundprinzip der sogenannten transapikalen Aortenklappenimplantation bleibt jedoch gleich: Die neue Herzklappe, die aus einem Gittergerüst und den Klappensegeln aus Biomaterial besteht, sitzt zunächst zusammengefaltet auf der Spitze des Katheters. Mit einem kleinen Schnitt unterhalb der linken Brust des Patienten wird ein Zugang eröffnet.

Hier wird der Katheter eingeführt und durch die Herzspitze, also transapikal, bis zur alten Aortenklappe zwischen linker Herzkammer und Aorta vorgeschoben. Der Eingriff wird unter ständiger Ultraschall- und Röntgenkontrolle durchgeführt, sodass der Operateur die Platzierung der neuen Herzklappe am Bildschirm kontrollieren kann. Befindet sich das Kathetersystem exakt an der richtigen Stelle, löst der Operateur die Entfaltung der Klappe aus. Beim Transkatheter der zweiten Generation erfolgt dies statt in einem in drei Schritten. Mit der neuen Klappe wird die alte, erkrankte Klappe aufgedehnt: Der ungehinderte Blutfluss wird auf diese Weise wieder hergestellt.

Durch das neue Transkatheterverfahren der zweiten Generation würde außerdem das Komplikationsrisiko noch einmal verringert, das sich durch eine inkorrekte Positionierung der Herzklappe ergeben könnte. Laut Strauch ist das beim herkömmlichen Transkatheterverfahren bei etwa zehn Prozent der Eingriffe der Fall. Mit dem Transkatheter der zweiten Generation könne diese Komplikationsrate auf etwa vier Prozent gesenkt werden.

„Außerdem kann der Operateur mit mehr Ruhe und bei normalem hämodynamischen Druck arbeiten: Blutdruckstabilisierende Medikamente sind also bei der neuen Methode nicht erforderlich“, so Strauch. Für jüngere Patienten ohne besonderes Behandlungsrisiko sei allerdings der klassische chirurgische Aortenklappenersatz ohne Kathetereinsatz nach wie vor der therapeutische Goldstandard. „Die Klappentypen sind hierbei in der Regel deutlich langlebiger“, sagt der Herzchirurg. Für ältere Hochrisikopatienten sei das Katheterverfahren dagegen eine mittlerweile erfolgreiche etablierte und wissenschaftlich gestützte Behandlungsoption – sowohl mit dem Transkatheter der ersten wie der zweiten Generation.

MEDICA.de; Quelle: Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil