Arztassistent – Beruf mit Perspektive

Interview mit Dr. Karl Blum, Leiter Geschäftsbereich Forschung - Deutsches Krankenhausinstitut e.V.

22.06.2017

Der Beruf des Arztes ist anstrengend und beinhaltet viele verschiedene Tätigkeiten. Schon lange gibt es deshalb Diskussionen, wie Ärzte durch weitere Fachkräfte unterstützt werden können. Eine Lösung: Hilfe durch sogenannte Arztassistenten. Der Beruf, den es schon wesentlich länger zum Beispiel in den USA gibt, beinhaltet verschiedene bis dahin von Ärzten ausgeführte Tätigkeiten. Ärzte werden so entlastet, Patienten können besser betreut werden. Dem hat in Deutschland nun erstmals auch der Deutsche Ärztetag zugestimmt.

Bild: Lächelnder Mann mit dunklen Haaren, roter Krawatte und Anzug - Karl Blum; Copyright: privat

Dr. Karl Blum; © privat

Herr Dr. Blum, wie sieht die Ausbildung zum Arztassistenten derzeit aus?

Dr. Karl Blum: Es gibt in Deutschland derzeit acht Hochschulen, die diese Aus- bzw. Weiterbildung anbieten. Einige Hochschulen sind dabei an mehreren Standorten vertreten. In der Regel wird die Qualifizierung als Weiterbildung, also als zusätzliche Qualifikation angeboten. Das heißt, die Zulassungsvoraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf. Zum Teil ist sogar festgelegt, dass der Berufsabschluss im Bereich "Pflege" erworben worden sein muss. Darüber hinaus gibt es zwei Hochschulen, die eine grundständige Ausbildung anbieten. Das heißt, man benötigt keinen vorhergehenden Berufsabschluss. Diese Alternative wurde jedoch jüngst vom Deutschen Ärztetag abgelehnt. Man muss sehen, wie hier die weitere Entwicklung sein wird.

Welche Konsequenz hat dieser Entschluss für die Absolventen dieser speziellen Hochschulen?

Blum: Zunächst keine. Wenn sie gut sind, haben die Absolventen dieser Studiengänge ähnlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie die Absolventen einer Weiterbildung. Wenn es künftig eine Musterweiterbildungsordnung oder staatliche Weiterbildungsverordnungen für Arztassistenten geben sollte, dann könnte dies die Berufsaussichten von grundständig ausgebildeten Arztassistenten möglicherweise schmälern. Aber das ist bis auf weiteres offen. Momentan entscheidend ist die Qualifikation der Absolventen. Gerade durch die zahlreichen Praxiseinsätze während des Studiums haben grundständig ausgebildete Absolventen auch sehr gute Kontakte in die Praxis, sodass sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dort auch eine Stelle finden werden beziehungsweise nach Abschluss der Ausbildung übernommen werden.

Welche Tätigkeiten sieht das Berufsbild vor?

Blum: Grundsätzlich ist es so, und es wird sehr wahrscheinlich bis auf Weiteres auch so bleiben, dass die Arztassistenten nur auf Delegationsbasis tätig werden dürfen.  Das heißt, die Arztassistenten dürfen nur auf Anordnung und unter Aufsicht von Ärzten ausgewählte ärztliche Tätigkeiten ausüben, für die sie qualifiziert sind. Das bedeutet keine ständige Beaufsichtigung des Arztassistenten durch einen Arzt, sondern lediglich die regelmäßige stichprobenartige Überprüfung seiner Arbeit und ihre Endkontrolle. Eigenständig dürfen von den Assistenten keine diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden.

In anderen Ländern ist die eigenständige Durchführung bestimmter Tätigkeiten erlaubt. Warum in Deutschland nicht?

Blum: Es gibt im Ausland Modelle, in denen die Assistenten auf Substitutionsbasis tätig werden dürfen. Aber auch immer in Zusammenarbeit mit einem therapeutischen Team beziehungsweise Ärzten. Die Berufsbezeichnung ist dann teilweise eine andere und es handelt sich weniger um den "Physician Assistant" als den "Nurse Practitioner". Letztere dürfen eigenständig ärztliche Tätigkeiten übernehmen, zum Beispiel in den USA. Dies ist in Deutschland jedoch nicht erlaubt und von verschiedenen Fachgesellschaften und Kammern auch abgelehnt worden.

Bild: junge Frau nimmt einer anderen jungen Frau Blut ab; Copyright:panthermedia.net / Arne Trautmann

Derzeit lassen sich noch mehr Frauen als Männer zum "Arztassistenten" ausbilden; © panthermedia.net/Arne Trautmann

Haben Sie eine Vermutung, worauf dieser Beschluss gründet?

Blum:  Dafür werden fachliche und haftungsrechtliche Gründe angeführt. Letztlich liegt die Verantwortung für einen Patienten, auch rechtlich, beim behandelnden Arzt. Es ist somit verständlich, wenn Ärzte die Behandlung in der Hand behalten wollen. Darüber hinaus mag es fachliche Bedenken geben, wenn bestimmte ärztliche Leistungen durch nicht vergleichbar qualifizierte Arztassistenten substituiert werden.

Das führt direkt zu meiner nächsten Frage: Wie kommt das noch neue Berufsbild bei den Ärzten an?

Blum: Insgesamt werden die Arztassistenten sehr gut angenommen. Wir haben bereits vor einigen Jahren eine Studie durchgeführt, in der wir Chirurgie- und Arztassistenten gefragt haben, wie zufrieden die Ärzte mit ihrer Tätigkeit ihrer Meinung nach sind. Die Einschätzung war, dass sie sehr zufrieden sind und die Akzeptanz des Berufes sehr hoch ist. In einer aktuelleren Studie für den Studiengang "Physician Assistant" an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Karlsruhe haben wir über 100 Ärzte gefragt, die mit den Absolventen und Studenten zusammenarbeiten. Das Ergebnis war, dass die Qualität der Arbeit als gut empfunden und positiv bewertet wurde. Interessant war auch, dass aus Sicht der Ärzte die Akzeptanz der Arztassistenten auch bei den Patienten sehr hoch ist.

Sind die Arztassistenten ebenfalls zufrieden oder gibt es noch Nachbesserungsbedarf?

Blum: Die Ergebnisse verschiedener Absolventenbefragungen zeigen, dass die Zufriedenheit insgesamt sehr hoch ist. Es zeigt sich, dass die Arztassistenten fachadäquat eingesetzt werden. Die Absolventen berichten von einer sehr guten Zusammenarbeit mit den Ärzten sowie anderen Teammitgliedern. Insgesamt zeigt sich, dass der Einsatz von Arztassistenten den ärztlichen Dienst entlastet, sowohl von administrativen als auch von organisatorischen Tätigkeiten. Insofern kann man sagen, dass der Arztassistent dazu beiträgt, dass der ärztliche Dienst sich stärker auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann.

Wie ist derzeit die Geschlechterverteilung in diesem Beruf? Gibt es mehr Arztassistenten oder Arztassistentinnen?

Blum: Die Frauen sind derzeit stark überrepräsentiert in diesem Beruf, da die meisten Studiengänge wie erwähnt eine Berufsausbildung etwa im Bereich der Pflege vorsehen. Aber auch andere Berufsgruppen, für die dieser Studiengang interessant ist, wie zum Beispiel die MTA, werden eher noch von Frauen erlernt.

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Das Interview führte Simone Ernst.
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