Frauen schneiden bei Reanimationsmaßnahmen schlechter ab

10.05.2017

Spielt es eine Rolle, ob Wiederbelebungsmassnahmen von einer Frau oder einem Mann durchgeführt werden? Forschende der Universität und des Universitätsspitals Basel konnten zeigen, dass weibliche Reanimationsteams die Herzdruckmassage weniger effizient ausführen als männlichen Testpersonen. Die Studie sieht Handlungsbedarf bei der Ausbildung junger Ärztinnen. Die Fachzeitschrift Critical Care Medicine hat die Resultate veröffentlicht.

Bild: Zwei Notfallsanitäter reanimieren einen verletzten Mann auf der Straße; Copyright: panthermedia.net/william87

Prof. Sabina Hunziger: "Verglichen mit reinen Männerteams zeigten die Frauengruppen weniger hands-on time und brauchten insgesamt länger, bis sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begannen."; © Forschungszentrum Jülich

Bei einem Herzkreislaufstillstand zählt jede Sekunde. Wissen, Können und Zusammenspiel des Reanimationsteams sind für eine schnelle und erfolgreiche Behandlung entscheidend. Aus früheren Studien ist bekannt, dass eine effiziente und starke Führungskommunikation die Überlebenschancen des Patienten verbessert. Eine entsprechende Kommunikation wird deshalb auch in der medizinischen Ausbildung gelehrt.

Wie sich allerdings das Geschlecht auf die Reanimationssituation auswirkt, ist bisher wenig erforscht. Eine Studie der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel hat nun die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Medizinstudierenden bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung bezüglich Durchführung und Führungskommunikation untersucht.

216 Medizinstudierenden (108 Frauen und 108 Männer) wurden für die Studie in Dreiergruppen eingeteilt. Ein Basler Forschungsteam dokumentierte und untersuchte die Leistung der einzelnen Gruppen während eines simulierten Herzkreislaufszenarios. Der Fokus lag dabei einerseits auf der sogenannten "hands-on time", also der ununterbrochenen Herzdruckmassage während den ersten drei Minuten nach Auftreten des Herzkreislaufstillstandes. Andererseits hielten die Basler Forscher fest, wie häufig die Testpersonen deutliche Führungsaussagen machten, also verbale Äusserungen, die beispielsweise die Aufgabenverteilung festlegen oder die korrekte Durchführung sicherstellen.

"Verglichen mit reinen Männerteams zeigten die Frauengruppen weniger hands-on time und brauchten insgesamt länger, bis sie mit den Wiederbelebungsmassnahmen begannen", sagt Prof. Sabina Hunziker, Studienleiterin. Ausserdem gab es in reinen Frauenteams weniger Führungskommunikation verglichen mit reinen Männerteams. Auch in gemischten Teams machten Frauen signifikant weniger klare Führungsaussagen als Männer.

Die Resultate zeigen, dass es wichtige Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Reanimierenden gibt. Obwohl die Medizinstudentinnen über mindestens das gleiche theoretische Wissen verfügen wie ihre männlichen Kollegen, haben sie insgesamt eine schlechtere Leistung gezeigt. "Dies legt nahe, dass Frauen für Notfallsituationen gezielter vorbereitet und geschult werden müssten", so Hunziker. Angesichts der Zunahme des Frauenanteils im Medizinstudium zeigt die Studie auch die Wichtigkeit der Genderforschung für eine gezielte und effektive Ausbildung.

MEDICA.de; Quelle: Universität Basel

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