Kampf gegen lebensbedrohliche Pilzinfektionen geht weiter

02.06.2017

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewertet den Sonderforschungsbereich/Transregio "FungiNet" der Universität Jena erneut positiv und stellt für die zweite Förderphase gut 9,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Bild: Auf einem Bildschirm ist eine mikroskopische Aufnahme eines Pilzes zu sehen; Copyright: Jan-Peter Kasper/FSU

Solche krankheitserregenden Pilze wie der "Aspergillus nidulans" werden im Sonderforschungsbereich/Transregio "FungiNet" der Universität Jena erforscht; ©Jan-Peter Kasper/FSU

Der einzige Sonderforschungsbereich, der sich mit krankheitserregenden Pilzen befasst, kann seine Arbeit fortsetzen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewertet den Sonderforschungsbereich/Transregio "FungiNet" der Universität Jena nach einer ausführlichen Begutachtung positiv und stellt für eine zweite Förderphase gut 9,5 Millionen Euro zur Verfügung. Durch die zweite Finanzierungsperiode bis 2021 bestätigt die DFG die gesellschaftliche und medizinische Bedeutung des Themas und die bisher erbrachten Leistungen.

Denn: Was kaum einer weiß, Pilzinfektionen sind eine große Gefahr – ganz besonders für ältere oder abwehrgeschwächte Patienten, beispielsweise mit Leukämie oder nach einer Organtransplantation. Solche Infektionen sind tückisch, weil sie häufig zu spät erkannt und ihre Krankheitsmechanismen kaum verstanden werden. Zudem gibt es nur wenige, teilweise ineffektive Therapiemethoden und zunehmend Resistenzen gegen die eingesetzten Medikamente. "Jährlich erkranken weltweit zwei Millionen Menschen an lebensbedrohlichen Pilzinfektionen. Ein steigendes Problem, das pro Jahr etwa so viele Todesfälle wie Malaria oder Tuberkulose fordert", warnt Prof. Dr. Axel Brakhage, Sprecher des Sonderforschungsbereichs.

Deshalb lautet das ambitionierte Ziel der Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TR) 124 "Pathogene Pilze und ihr menschlicher Wirt: Netzwerke der Interaktionen" – kurz "FungiNet" – pilzbedingte lebensbedrohliche Infektionen besser zu verstehen und neue, dringend benötigte antiinfektive Therapien zu entwickeln.

Seit Oktober 2013 arbeiteten die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Universitätsklinikums Jena und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (HKI) gemeinsam mit Kollegen der Universität Würzburg und ihrem Klinikum in 18 Teilprojekten sehr erfolgreich zusammen: "Seit Projektstart haben die beteiligten Kollegen 112 Publikationen veröffentlicht – unter anderem im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature. Darüber hinaus konnten sie das erste Pilzgift bei Candida albicans – einem der häufigsten Auslöser von schweren Pilzinfektionen in Europa – identifizieren. Damit machten wir einen bedeutenden Schritt, um die Krankheitsmechanismen infektiöser Pilze besser zu verstehen und künftig verbesserte Therapien ableiten zu können", bilanziert Axel Brakhage, Lehrstuhlinhaber für Mikrobiologie und Molekularbiologie an der Universität Jena und zugleich HKI-Direktor mit Blick auf die letzten vier Forschungsjahre.

Mit den neu bewilligten insgesamt knapp 9,5 Millionen Euro vergrößert sich der SFB in der kommenden Förderperiode um ein Teilprojekt auf 19 Forschungsvorhaben, die von gut 30 Wissenschaftlern geleitet werden. Obendrein entstehen knapp 30 weitere Doktoranden- und Postdoc-Arbeitsplätze, davon allein 19 in Jena.

Die Mikrobiologen, Immunologen, Kliniker, Bioinformatiker und Chemiker im Netzwerk weiten ihr Forschungsinteresse in den nächsten Jahren auf weitere krankheitserregende Pilzarten aus. Auch wollen sie ganz neue Möglichkeiten der Immuntherapie entwickeln. "Ergänzt werden die Untersuchungen durch bioinformatische Analysen und die Entwicklung virtueller Infektionsmodelle, so dass wir uns mit diesem bisher einzigartigen Forschungsverbund weiterhin nachhaltig der unterschätzten Gefahr von Pilzinfektionskrankheiten widmen können", bestärkt Brakhage.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Mehr über die Friedrich-Schiller-Universität Jena unter: www.uni-jena.de