Medizinethik: Große Unterschiede in der Ärzteausbildung

24.05.2017

Wie die Voraussetzungen für die Lehre in Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE) an deutschen Fakultäten sind, haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gemeinsam mit Berliner Kollegen in einer Umfrage ermittelt. Sie fanden teils erhebliche Unterschiede vor, die Fragen nach der Vergleichbarkeit des Studiums aufwerfen.

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Die Mehrheit der befragten Lehrenden sieht medizinethische Inhalte als für die ärztliche Tätigkeit wichtigsten Bestandteil des Querschnittsfachs Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin; ©panthermedia.net/ blackboard1965G

Ihre Ergebnisse haben sie im GMS Journal for Medical Education veröffentlicht.

Die Wissenschaftler vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der RUB, das von Prof. Jochen Vollmann geleitet wird, und des Berliner Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin hatten sämtliche 38 für die GTE-Lehre verantwortlichen Institute in Deutschland angeschrieben. 29 Institutionen, die für die medizinische Ausbildung im sogenannten Querschnittsbereich "Geschichte, Theorie, Ethik" verantwortlich sind, nahmen an der Befragung teil.

Allerdings verfügten zum Zeitpunkt der Befragung nur 19 Fakultäten über eine Professorenstelle für wenigstens eines der drei Arbeitsgebiete Medizinethik, Geschichte oder Theorie der Medizin. Die Anzahl der unterrichteten Studierenden reicht von weniger als 100 bis mehr als 350 Studierende pro Studienjahr. Hinzu kommt, dass einige Institute Studierende an zwei Fakultäten ausbilden müssen, wie etwa in Bochum und Essen. Durchschnittlich umfasste der für die Lehre zur Verfügung stehende Zeitrahmen im gesamten Studium etwa 30 Schulstunden. Dabei entfällt auf die Medizinethik durchschnittlich die Hälfte des gesamten Lehrbudgets.

Die Mehrheit der befragten Lehrenden sieht medizinethische Inhalte als für die ärztliche Tätigkeit wichtigsten Bestandteil des Querschnittsfachs. "Allerdings zeigt die Befragung auch, dass für alle drei Bereiche eine Vielzahl von Themen genannt werden, die nach Einschätzung der Befragten gelehrt werden sollten", so Jan Schildmann vom Institut für Medizinische Ethik der RUB. Für den Bereich Geschichte nennen die Befragten die Medizin im Nationalsozialismus am häufigsten als wichtiges Thema. Dilemmata am Lebensende sehen viele als wichtigstes ethisches Thema.

Die in der Studie abgebildete inhaltliche Vielfalt in der Lehre schätzen einige Lehrenden als Vorzug in einem ansonsten sehr standardisierten Ausbildungscurriculum ein. "Allerdings könnte unseres Erachtens ein Minimalkonsens über die Lehrinhalte das Fachgebiet in einem ansonsten naturwissenschaftlich dominierten Studium stärken", gibt Vollmann zu bedenken.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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