Millionensegen durch Lizenzeinnahmen

02.05.2017

Forschern des Exzellenzclusters ImmunoSensation der Universität Bonn ist gelungen, wovon viele Wissenschaftler träumen: Zusammen mit Forschern aus den USA haben sie sich neue Moleküle patentieren lassen, mit der sich das Immunsystem gegen Tumorzellen lenken lässt.

Bild: Drei Forscher betrachten Proben im Labor; Copyright: Rolf Müller/Ukom UKB

Im Labor: Prof. Dr. Gunther Hartmann (Mitte), Prof. Dr. Winfried Barchet (rechts) und Dr. Thomas Zillinger (links) vom Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn; ©Rolf Müller/Ukom UKB

Die Lizenz hat der Universität Bonn bereits eine erste Zahlung in beachtlicher Höhe beschert – an der auch die Wissenschaftler beteiligt werden. Ein mustergültiger Erfolg in der biomedizinischen Forschungslandschaft in Deutschland.

Die Erfindung stammt aus dem Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn, einem der führenden Zentren für Immunologie. Prof. Gunther Hartmann, Prof. Winfried Barchet und Dr. Thomas Zillinger haben gemeinsam mit Wissenschaftlern aus drei amerikanischen Hochschulen ein neues körpereigenes Molekül identifiziert, mit dem die eigene Immunantwort gegen Tumorzellen gerichtet werden kann.

Für die Universität Bonn übernahm die PROvendis die exklusive Patentverwertung an die Firma Aduro Biotech mit Sitz in den USA, die die Erfindung nun zur Marktreife weiterentwickelt. Aduro Biotech gelang es, unter anderem mit diesem Patent, eine Forschungs- und Entwicklungs-Kooperation mit dem Pharmagiganten Novartis im Umfang von 750 Millionen US-Dollar einzugehen.

Das Immunsystem wird vom Tumor häufig ausgetrickst, der neue Therapieansatz hält dagegen. Erkennt das Immunsystem in einer Zelle fremdes genetisches Material (DNA), dann wird Alarm ausgelöst und die Abwehr sofort auf den möglichen Eindringling vorbereitet. Dieser Hilferuf läuft über das Signalprotein STING. Es setzt eine Kaskade von Abwehrmechanismen in Kraft, die veränderte körpereigene Zellen wie Tumorzellen aufspüren und zerstören. "Wir haben den molekularen Schlüssel zur STING-Aktivierung gefunden", berichtet Dr. Winfried Barchet, Professor für Translationale Immunologie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am Uniklinikum Bonn und Mitglied des Exellenzclusters ImmunoSensation.

Bei diesem Schlüssel handelt es sich um eine winzige Ringstruktur aus nur zwei Nukleinsäure-Bausteinen. Diese zwei Bausteine sind auf eine besondere Art und Weise miteinander verknüpft, eine sogenannte 2'-5'-Verknüpfung. Bisher waren ähnliche 3'-5'-verknüpfte Moleküle bei Bakterien bekannt, welche beim Menschen jedoch kaum Aktivität zeigen. "Erst diese Besonderheit der 2'-5'-Verknüpfung erlaubt das Einschalten von STING beim Menschen", ergänzt Zillinger, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie.

Bei der Erfindung geht es um ein kleines Molekül mit großer Wirkung. Damit kann nun erstmals ein neuer Signalweg im Immunsystem gezielt angesteuert werden. "Das ist für uns ein großartiger wissenschaftlicher Erfolg, der zu höchstrangigen Veröffentlichungen geführt hat und der gleichzeitig als einer der richtungsweisenden neuen Ansätze für die Immuntherapie von Krebs gehandelt wird", sagt Hartmann, Sprecher des Exzellenzclusters und Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Uniklinikum in Bonn. Durch die Lizenznahme des Biotech-Unternehmens gehe die Erfindung nun direkt in die klinische Entwicklung über und erreiche damit bereits Patienten.

"Neben der Chance, dass sich eine bessere Behandlung von Patienten abzeichnet, profitiert von dieser Erfindung nicht ausschließlich der Industriepartner, sondern ebenfalls die Universität Bonn und die Wissenschaftler mit einem Erfinderanteil von 30 Prozent an den Einnahmen", würdigt Dr. Wolfram Schleich, Manager Patente & Lizenzen bei der PROvendis GmbH den Abschluss. In der deutschen Hochschullandschaft würden Forschungsergebnisse häufig nicht als Patente gesichert und verwertet. Laut Deutschem Patentamt stammen bundesweit lediglich circa 1,5 Prozent aller Patentanmeldungen aus Hochschulen. Schleich: "In vielen Fällen schlummern Forschungsergebnisse als brachliegendes Kapital in den Hochschulen, obwohl diese in den Wirtschaftskreislauf der Wissensgesellschaft mit einfließen könnten."

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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