Vorpräparierte Hornhautlamellen für DMEK verringern Reoperationsrate

23.02.2017

Die Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty (DMEK) hat sich bei der Behandlung von Hornhauterkrankungen, denen ein Funktionsverlust des Hornhautendothels zu Grunde liegt, in den vergangenen zehn Jahren zum Goldstandard entwickelt. Bisher haben Ärzte die hauchdünnen Transplantate direkt selbst im OP und vor dem Eingriff präpariert. Zunehmend greifen Operateure nun auf in der Hornhautbank vorpräparierte Transplantate zurück. Sie bieten nicht nur aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) deutliche Vorteile sowohl hinsichtlich Handhabung als auch Transplantatüberleben.

Bild: Behandschuhte Hände, die ein Präparat festhalten; Copyright: DGFG/Schaft

Eine Mitarbeiterin der Hornhautbank präpariert unter dem Mikroskop die innenliegende Hornhautschicht, das Endothel; © DGFG/Schaft

Vorpräparierte Hornhautlamellen sind qualitätsgeprüft und von zertifizierten Laboren mikrobiologisch unbedenklich getestet. Die Gewebebank überprüft vor Versand standardisiert Dichte, Morphologie und Vitalität. Das Verschnittrisiko im OP sinkt und damit Kosten und Zeitaufwand. Der Transplanteur profitiert vom fertig vorbereiteten Transplantat, geliefert per Kurier direkt in den OP. Die vorpräparierten Lamellen scheinen sich auch auf das Transplantatüberleben positiv auszuwirken. "Die Auswertung unserer Daten ergibt einen deutlichen Abfall der Retransplantationsquote gegenüber im OP präparierter Transplantate", sagt Dr. Nicola Hofmann vom Qualitätsmanagement der DGFG.

Die DGFG hat seit Dezember 2015 mehr als 200 in der Gewebebank vorpräparierte Hornhautlamellen (LaMEK) bundesweit zur Transplantation abgegeben. Eine retrospektive Untersuchung der DGFG an insgesamt vier Transplantationszentren hat ergeben, dass die Reoperationsrate vorpräparierter Hornhäute gegenüber herkömmlicher Im-OP-Präparation sogar deutlich zurückgegangen ist. "Mit unserem Angebot vorpräparierter Hornhautlamellen verbessern wir die Versorgung betroffener Patienten wesentlich", sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Insgesamt habe sich die Versorgungslage in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren deutlich stabilisiert.

Damit stehen die Daten der DGFG in deutlichem Kontrast zu den Aussagen einer Publikation aus dem vergangenen Jahr. Deren Autoren beschreiben bei vorpräparierten Hornhautlamellen für DMEK ein höheres Transplantatversagen in Form einer unzureichenden Aufklarung der Hornhaut nach vier Wochen. Die Veröffentlichung erfolgte unter dem Titel "Graft dislocation and graft failure following Descemet membrane endothelial keratoplasty (DMEK) using precut tissue: a retrospective cohort study" in Graefe's Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology. Die Fallgröße in Höhe von elf Transplanten im Vergleich zu 453 direkt im OP hergestellten Lamellen ist einerseits sehr gering, andererseits hatten die einbezogenen vorpräparierten Lamellen bereits vorab signifikant weniger Zellen (2.260 zu 2.400). Hinzu kommt, dass die Hornhautspender jünger waren als die Vergleichsgruppe. "Die Hornhautlamellen jüngerer Spender formen bei der Transplantation in der Regel engere Rollen", sagt Dr. Hofmann. "Das kann unter Umständen zu einer verlängerten Manipulationszeit während der OP führen." Auch dieser Zusammenhang könne sich negativ auf das Transplantatüberleben auswirken, so Dr. Hofmann.

Eine zusätzliche umfangreiche Literaturrecherche ergab, dass Ärzte weltweit mit der Verwendung vorpräparierter Hornhauttransplantate vergleichbare klinische Ergebnisse erzielen wie bei Präparaten, die direkt im OP hergestellt werden. Keine Veröffentlichung beschreibt ein höheres Transplantatversagen von vorpräparierten Lamellen. "Verschiedene Autoren bestätigen hingegen, dass die standardisierte Herstellungsweise in der Gewebebank zu qualitativ hochwertigen Transplantaten führt", betont Dr. Hofmann. Für ein in der angesprochenen Publikation beschriebenes mögliches Transplantatversagen bei DMEK können verschiedene Gründe zum Tragen kommen, die nicht in der Art der Präparation zu suchen sind:

1. Lernkurve beim Transplanteur: Erfahrung und die Etablierung standardisierter Abläufe während der Transplantation
2. Intraoperative Schwierigkeiten (Transplantatentfaltung, upside-down-Lokalisation, Überlappung)
3. Intrinsische Empfängerfaktoren (möglicherweise genderspezifisch)
4. Zusammenarbeit/Compliance des Patienten

Bei der DMEK-Operation, die erstmals im Jahr 2006 von Melles beschrieben wurde, ersetzt der Arzt im Gegensatz zur herkömmlichen perforierenden Hornhauttransplantation nur eine ultradünne Schicht der Hornhaut, bestehend aus dem Hornhautendothel und der Descemetmembran. Die häufigste Indikation für eine DMEK-OP ist die Fuchs’sche Endotheldystrophie. Vorteil gegenüber einer perforierenden Hornhauttransplantation ist die schnellere und bessere Wiederherstellung der Sehschärfe sowie ein geringeres Risiko von Abstoßungsreaktionen. Zudem entfallen nahtassoziierte Komplikationen, da der Arzt die sehr dünnen Transplantate über nur kleine Einschnitte am Limbus in die Vorderkammer des Auges einbringt. Das Infektionsrisiko sinkt.

Die DGFG hat seit Dezember 2015 die Genehmigung der Bundesoberbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, um LaMEK, die vorpräparierten Hornhautlamellen in Verkehr zu bringen. Die Herstellung erfolgt in der Gewebebank Hannover und in der Knappschafts-Gewebebank Sulzbach. Damit sind die beiden Gewebebanken die ersten Einrichtungen in Deutschland, die vorpräparierte Hornhautlamellen bundesweit zur Transplantation abgeben dürfen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH (DGFG)
Mehr über die DGFG unter:www.gewebenetzwerk.de