28.07.2025
Die Gesundheitsfürsorge rettet Leben, aber sie erzeugt auch große Mengen an medizinischen Abfällen. In vielen Entwicklungsländern ist die Entsorgung infektiöser und gefährlicher medizinischer Abfälle aufgrund des Mangels an geeigneter Infrastruktur, Finanzierung und Vorschriften ein wachsendes Problem. Das Problem ist nicht nur ein lokales Gesundheitsrisiko, sondern eine dringende globale Herausforderung.
Ein besorgniserregendes globales Bild
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gelten etwa 15 Prozent der Abfälle aus dem Gesundheitswesen als gefährlich, da von ihnen ein Infektionsrisiko, eine chemische Belastung oder Radioaktivität ausgeht. Die restlichen 85 Prozent werden als allgemeiner, nicht gefährlicher Abfall eingestuft, aber in Ländern mit niedrigem Einkommen führt eine mangelhafte Abfalltrennung oft zu einem viel höheren Anteil an gefährlichem Material.
Die Ungleichheiten sind eklatant. Im Jahr 2021 verfügten weltweit nur 61 Prozent der Gesundheitseinrichtungen über ein grundlegendes Abfallmanagement, in fragilen Gebieten waren es sogar nur 25 Prozent. Viele Einrichtungen arbeiten ohne ein strukturiertes System zur Trennung, Lagerung oder Behandlung infektiöser Abfälle. Die Gründe dafür sind vielfältig: begrenzte Investitionen, unzureichende Vorschriften, mangelnde Ausbildung des Personals und ein geringes Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken.
Unsichere Praktiken mit schwerwiegenden Folgen
In vielen Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ist die Verbrennung bei niedrigen Temperaturen nach wie vor die gängigste Methode der Abfallentsorgung. Bei der unvollständigen Verbrennung medizinischer Abfälle werden jedoch hochgiftige Schadstoffe wie Dioxine und Furane freigesetzt, die als krebserregend bekannt sind und auch die Entwicklung und das Immunsystem schädigen können. Die Verbrennung von Materialien, die Schwermetalle wie Quecksilber oder Blei enthalten, führt zu einer schädlichen Umweltverschmutzung.
"Schlechte Praktiken bei der Entsorgung medizinischer Abfälle bedrohen nicht nur die im Gesundheitswesen Tätigen, sondern ganze Gemeinden", stellt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen in seinem Global Waste Management Outlook 2024 fest.
Die Deponierung unbehandelter medizinischer Abfälle birgt ebenfalls ernsthafte Risiken, insbesondere in Gebieten, in denen informelle Müllsammlungen üblich sind. Menschen, die Wertstoffe sammeln, können mit kontaminierten Nadeln, infektiösen Flüssigkeiten oder giftigen Rückständen in Berührung kommen.
Nach Schätzungen der WHO führten unsichere Injektionspraktiken im Jahr 2010 zu 1,7 Millionen neuen Hepatitis-B-Fällen, 0,3 Millionen Hepatitis-C-Fällen und 33.800 HIV-Infektionen. Verletzungen durch Nadelstiche sind in unterversorgten Krankenhäusern nach wie vor eine häufige Gefahr. Abgesehen von Infektionen kann der Kontakt mit chemischen Abfällen von Arzneimitteln, Desinfektionsmitteln und zerbrochenen Thermometern zu Vergiftungen und langfristigen Organschäden führen.
Ein expandierender Gesundheitssektor und steigende Abfallmengen
Da sich der Zugang zur Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsregionen verbessert, werden mehr Kliniken, Krankenhäuser und Labors gebaut. Dieser Fortschritt ist zwar begrüßenswert, hat aber auch einen versteckten Preis. Das Aufkommen an medizinischen Abfällen nimmt rapide zu, insbesondere in Gebieten mit hohem Bevölkerungswachstum.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen berichtet, dass sich in einigen Teilen des asiatisch-pazifischen Raums die Menge gefährlicher medizinischer Abfälle in jedem Jahrzehnt verdoppelt, während eine angemessene Behandlungsinfrastruktur nach wie vor selten ist. Unterdessen geht das UNEP davon aus, dass das weltweite Aufkommen an Siedlungsabfällen von 2,1 Milliarden Tonnen im Jahr 2023 auf 3,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 ansteigen wird. Medizinische Abfälle sind Teil dieser umfassenderen Abfallkrise, insbesondere in Ländern, in denen die Verstädterung zunimmt und die Ressourcen begrenzt bleiben.
Auch die Gesundheitssysteme tragen erheblich zu den globalen Emissionen bei. Nach UN-Angaben ist der Gesundheitssektor für fast 5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Verbrennung, Abfalltransport und schlechte Behandlungsmethoden spielen dabei eine Rolle. Die Verbesserung der Abfallwirtschaft ist nicht nur eine Frage der Hygiene. Sie ist von entscheidender Bedeutung für den Umweltschutz und die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel.
Der Weg in die Zukunft: Dringender Bedarf an nachhaltigen Lösungen
Die Verringerung der Auswirkungen medizinischer Abfälle in Entwicklungsländern erfordert Maßnahmen an mehreren Fronten. Erstens ist eine bessere Abfalltrennung an der Quelle unerlässlich. Gesundheitseinrichtungen sollten infektiöse, scharfe, pharmazeutische und allgemeine Abfälle durch eindeutige Kennzeichnung und farblich gekennzeichnete Behälter trennen. Die Schulung des Personals ist ein wichtiger Bestandteil dieser Umstellung.
Zweitens muss von der Verbrennung auf verbrennungsfreie Technologien wie Dampfsterilisation, Mikrowellenbehandlung und chemische Desinfektion umgestellt werden. Diese Verfahren verringern die Luftverschmutzung und werden zunehmend von internationalen Organisationen empfohlen. Einige Länder haben bereits Pilotprojekte mit Sterilwave durchgeführt, die von internationalen Entwicklungspartnern unterstützt werden.
Schließlich hängen nachhaltige Fortschritte von politischen Reformen und finanziellem Engagement ab. Die Regierungen müssen einen klaren Rechtsrahmen schaffen, Ressourcen für den Aufbau lokaler Behandlungskapazitäten bereitstellen und die Normen konsequent durchsetzen. Abfälle aus dem Gesundheitswesen sollten nicht als Randproblem behandelt werden, sondern als integraler Bestandteil sicherer, wirksamer und nachhaltiger Gesundheitssysteme.
"Die sichere Entsorgung medizinischer Abfälle ist kein Luxus. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung und Umweltgerechtigkeit", erklärt die WHO.
In dem Maße, wie das Bewusstsein wächst und sich Lösungen entwickeln, besteht die Chance, medizinische Abfälle von einem übersehenen Risiko in einen Motor für Innovation und Nachhaltigkeit im globalen Gesundheitswesen zu verwandeln.