Kurze Vorträge, Podiumsdiskussionen und Fallbeispiele schaffen eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft, Industrie und Anwendung. An allen vier Messetagen stehen jeweils zwei Sessions auf dem Programm. Inhaltlich reicht das Spektrum von Fachkräftesicherung und Probenlogistik über Labor 4.0, Robotik und Künstliche Intelligenz bis zu Präzisionsdiagnostik, neuen Karrierewegen und resilienten Gesundheitssystemen.
Fachkräftemangel: Technologie soll Menschen entlasten
Zum Auftakt am 16. November rückt Prof. Dr. Thomas Streichert von der Universität Köln Strategien gegen den Fachkräftemangel in den Mittelpunkt. Diskutiert werden Ansätze von der Nachwuchsgewinnung bis zur Automatisierung manueller Prozesse. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Technologie Fachpersonal gezielt entlasten und Ressourcen für anspruchsvolle medizinische Aufgaben freisetzen kann.
Am Nachmittag geht es unter dem Titel „The Sky Is the Limit“ um neue Wege des Probentransports. Mit zunehmender Zentralisierung müssen Proben über größere Distanzen transportiert werden. Drohnen und autonome Roboter könnten künftig dazu beitragen, Logistikprozesse effizienter und verlässlicher zu gestalten und damit auch die Qualität diagnostischer Abläufe zu sichern.
Robotik, KI und das Labor 4.0
Der zweite Messetag widmet sich dem Labor der Zukunft. Prof. Dr. Stefan Holdenrieder greift Robotik und Künstliche Intelligenz mit Blick auf den Laboralltag auf. Gerade im Nacht- und Wochenenddienst können automatisierte Systeme perspektivisch Routineaufgaben übernehmen und Fachpersonal entlasten.
Auch Künstliche Intelligenz kann Laborabläufe unterstützen, komplexe Befundkonstellationen schneller auswerten und medizinische Entscheidungen auf eine breitere Datenbasis stellen. Neue Entwicklungen in Genomik und Epigenomik zeigen zugleich, wie sich Diagnostik in Richtung einer früheren und präziseren Erkennung von Erkrankungen entwickelt.
Prof. Martin Widschwendter von der Universität Innsbruck berichtet über ein Krebsfrüherkennungsprogramm auf Basis epigenetischer Veränderungen zellfreier DNA im Blutplasma und dessen Implementierung in Großbritannien sowie die geplante Ausweitung nach Australien.
Die Nachmittagssession „Make Data Relevant“ richtet den Blick auf Labor 4.0. Diskutiert wird, wie dezentrale Diagnostik, Lab-on-a-Chip-Systeme, standardisierte Laborwerte und KI künftig zusammenspielen können – und wie diagnostische Informationen schneller dort verfügbar werden, wo sie für medizinische Entscheidungen benötigt werden.
Keynote-Speaker Prof. Dr. Georg Hoffmann bringt diese Entwicklung auf den Punkt: „In ein bis zwei Jahrzehnten wird das Labor, wie wir es heute kennen, kaum wiederzuerkennen sein. Zentrale Laborstraßen, aufwendige Probentransporte und tagelange Wartezeiten auf Befunde werden vielerorts durch dezentrale, KI-gestützte Systeme abgelöst, die Diagnostik dorthin bringen, wo sie gebraucht wird – ans Krankenbett, in die Arztpraxis, und vielfach sogar nach Hause. Wer heute in Labor 4.0 investiert, gestaltet schon jetzt die Medizin von übermorgen.“
Präzisionsdiagnostik: Bessere Daten für individuellere Therapieentscheidungen
Am 18. November steht die Präzisionsdiagnostik im Fokus. Prof. Dr. Verena Haselmann vom UKE Hamburg beleuchtet neue Biomarker-Technologien und ihren Weg von der Forschung zur Therapieentscheidung.