Das Deutsche Reanimationsregister der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) erweitert seine Datenerhebung um zwei neue Module. Erstmals werden die Wirkung von Ersthelfer-Apps sowie detaillierte Informationen zur Telefonreanimation erfasst, um die Notfallversorgung bei Herz-Kreislauf-Stillstand besser analysieren zu können.
Das Ziel ist eine genauere Analyse der Rolle von Leitstellen und Ersthelfenden bei der Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierungssysteme (SbEA) können bei einem plötzlichen Herzstillstand registrierte Helferinnen und Helfer in der Nähe über eine App alarmieren. Dadurch lassen sich wichtige Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.
Mit einem neuen Datensatz schafft das Reanimationsregister erstmals eine strukturierte Grundlage, um diese Systeme wissenschaftlich auszuwerten. Der Datensatz wurde in Zusammenarbeit mit App-Herstellern, Rettungsdiensten und Fachgremien entwickelt. Künftig wird er als Modul unter dem Begriff „Leitstellenversorgung“ geführt. Die Dokumentation kann sowohl durch Rettungsdienste als auch direkt durch Leitstellen erfolgen. Zudem ist eine Schnittstelle geplant, über die App-Anbieter Daten importieren können.
Das Modul unterscheidet drei Gruppen von Helfenden:
- First Responder: qualifizierte Einsatzkräfte, die durch die Leitstelle alarmiert werden, etwa aus Feuerwehr oder anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)
- aktivierte Ersthelfende: Personen, die beispielsweise über eine App alarmiert werden und sich nicht im Dienst befinden
- zufällig anwesende Ersthelfende: Menschen, die ohne vorherige Alarmierung Hilfe leisten
Erstmals werden die Daten von First Respondern und aktivierten Ersthelfenden entsprechend internationaler Empfehlungen (Utstein-Standard) getrennt erfasst. Zusätzlich dokumentiert das Register beispielsweise Alarmierungswege, Entfernungen, verfügbare Ausrüstung wie automatisierte externe Defibrillatoren (AED) sowie den Ausbildungsstand der Helfenden.
"Mit den neuen Modulen schaffen wir erstmals eine standardisierte Datenbasis, um die Rolle von Ersthelfenden und Leitstellen differenziert abzubilden – das ist ein entscheidender Schritt für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Notfallversorgung", erklärt Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters.