Interview Michael Schneider, CEO Born – Knitting Engineers
Smart Textiles werden die medizinische Versorgung in Deutschland definitiv revolutionieren. Wir unterstützen Ärzte und Mediziner in ihrer Anamnese, in ihrer Therapie und in der Auswertung der Daten.
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Kleidung kann heute mehr als gut aussehen: Sie misst, unterstützt und schützt. Smarte Textilien erobern Medizin und Fitness – und werden dort gestrickt, wo Hightech auf Faden trifft.
Michael Schneider, Geschäftsführer von born – Knitting Engineers, erklärt, wie Highend-Gestricke produziert werden und welches Potenzial in ihnen steckt.
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Basiswissen: Welche Arten von Textilien stellen Sie her?
Interview Michael Schneider
Wir machen grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Textilien. Das eine sind technische Gestricke, das andere sind Smarte und E-Textiles, sprich die Integration von nicht-textilen Bestandteilen in Textil.
Zum Großteil ist es dann Elektronik, dann nennt man das E-Textiles. Im E-Textiles-Bereich gibt es eigentlich zwei große Unterscheidungen. Das eine ist das Stimulieren des Körpers, das andere ist das Messen von Vitalparametern am Körper.
Das heißt, einmal indizieren wir Strom oder taktile Wahrnehmung an den Körper. Das andere Mal messen wir Körpersignale. Wir messen zum Beispiel EKG, EEG oder EMG-Parameter.
Die Daten werden dann verarbeitet und dann entsprechend angewendet.
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Produktionsart: Warum eignen sich Gestricke besonders, um smarte Textilien herzustellen?
Interview Michael Schneider
Im Strick können wir eine Sache sehr gut lösen, und das ist diese gewisse Kompression, die wir brauchen, um nah am Körper zu sein. Wenn wir Vitalparameter messen, haben wir Elektroden, die müssen immer gut auf der Haut aufliegen, die müssen sehr guten Hautkontakt haben, um ein möglichst gutes Signal zu erzeugen, dass es dann später weiterverarbeitet werden kann.
Wir nennen die Technologie Second Skin, zweite Haut, und das können wir im Strick sehr gut umsetzen. Die Kombination aus dieser nicht medizinischen Kompression, aber doch einer Kompression, die dafür sorgt, dass Elektroden auf der Haut anliegen, und zwar dauerhaft und replizierbar waschbar, und der Kombination, die Elektronik möglichst nahtlos zu integrieren, da ist aus meiner Sicht das Stricken einfach die beste Technologie.
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Akzeptanz: Wann können smarte Textilien besonders exakt Vitalwerte messen?
Interview Michael Schneider
Unser Erfolg hängt natürlich maßgeblich davon ab, wie die Endanwender unser Produkt annehmen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir ein Produkt herstellen und entwickeln, das möglichst komfortabel ist und möglichst einfach in der Anwendung. Und das ist etwas, was sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. Sowohl für uns als Textile in Form von Maschinen, die diese Technologie ermöglichen, Materialien, Advanced Materials ist hier das Stichwort, diese Materialien ermöglichen; Garne, Funktionsgarne, aber eben auch unsere Technologien, die wir einsetzen im Bereich der Elektronik, flexible, stretchbare Elektronik, die es uns ermöglicht, ein möglichst textiles, angenehmes Produkt zu entwickeln und zu vertreiben.
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Innovation: In Ihrem Entwicklungszentrum “Smart Textiles Hub” entwickeln Sie eigene Produkte.
Interview Michael Schneider
Zum Beispiel unser Projekt DeepVest, wo wir gerade ein Smart-Textil entwickeln, das Usern oder Patienten, die von zum Beispiel posttraumatischen Syndromen oder Angststörungen betroffen sind, den Alltag besser zu gestalten. Die Hauptanwendung ist das Thema Deep Pressure, das heißt am Ende des Tages stimulieren wir den Parasympathikus, indem wir eine Umarmung nachahmen und so eine Entspannung des Nervensystems hervorrufen.
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Vision: Welche Ziele verfolgen Sie mit den smarten Textilien?
Interview Michael Schneider
Unsere Problemstellung ist die immer schlechter werdende Flächenversorgung im medizinischen Bereich. Unsere Vision ist es, später mal ein Produkt zu haben, das im ersten Schritt eine Anamnese ausführt, sprich die Daten erfasst, dann weiterverarbeitet und im Idealfall auch gleich eine Therapie anbietet.