Die Auswertung deutet darauf hin, dass BD-tau im Blut mit dem Ausmaß der Hirnschädigung zusammenhängt: Frühe Werte wenige Stunden nach Symptombeginn standen mit der initialen Schädigung in Verbindung und sagten die spätere Infarktgröße voraus. Ein stärkerer Anstieg in den ersten 24 bis 48 Stunden war mit Infarktwachstum assoziiert; erhöhte Werte traten auch bei Komplikationen wie erneuten Ereignissen auf. Zudem sagte BD-tau den funktionellen Zustand nach 90 Tagen und darüber hinaus mindestens so gut oder besser voraus als andere Blutmarker und sogar als bildgebungsbasierte Infarktvolumina.
Auch Behandlungseffekte wurden sichtbar: Nach einer Thrombektomie fiel der Anstieg geringer aus, wenn das Gefäß vollständig wiedereröffnet werden konnte. In einer randomisierten Studie zeigte sich unter Nerinetide ein geringerer BD-tau-Anstieg als unter Placebo. „Wir brauchen bei Schlaganfall nicht nur ein Bild vom Anfang, sondern auch eine Möglichkeit, den Verlauf der Hirnschädigung über die Zeit zu verfolgen. BD-tau könnte dafür eine Art ‘Troponin fürs Gehirn’ werden – als objektiver Blutmarker, der das Fortschreiten der Schädigung sowie Therapieeffekte messbar macht“, sagt Steffen Tiedt.
Tiedt betont, dass weitere Studien nötig sind, etwa um Referenzbereiche und Schwellenwerte zu definieren und BD-tau perspektivisch schneller, idealerweise als Point-of-Care-Test, bestimmen zu können.
MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Universität München