Vierbeinig, rot, aus Aluminium – und "der neue Kollege" auf Station: HELIA heißt der Roboterhund, der seit Anfang 2026 versuchsweise durch die Flure der Hautklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW) stakst. Perspektivisch soll er Ärzten, Ärztinnen und Pflegekräften lästige Routineaufgaben abnehmen – wie bei der Visite mitlaufen, Befunde dokumentieren und Dinge transportieren.
Eine Multimediareportage über den ersten Roboterhund auf einer deutschen Klinikstation.
HELIA im Einsatz (HEL-I-A = Helfender Roboter Im KlinikAlltag)
Ferngesteuert oder per Sprachbefehl: Was der Roboterhund HELIA schon kann
HELIA kam an die Uniklinik und konnte laufen, Treppen steigen, aber Arme hatte der Roboterhund noch keine. Das hat sich vor drei Monaten geändert. HELIA bekam zuerst einen Arm, damit er die Arbeit am Klinikum besser unterstützen kann. Doch durch den veränderten Schwerpunkt musste HELIA erneut selbstständig laufen lernen.
Noch ist HELIA kein selbstständiger Kollege, sondern eher ein ferngesteuertes Spielzeugauto im XXL-Format: Jede Bewegung kommt per Controller von einer Person, die den Roboter steuert. Das soll sich ändern. Künftig soll HELIA einfach durch Zuhören Aufgaben verstehen. Möglich machen soll das ein Sprachmodell (LLM), das gesprochene Anweisungen direkt in Befehle übersetzt. Der Clou: Der Roboterhund lernt eine Aufgabe, indem man sie ausspricht und nicht, indem jeder Handgriff mühsam einprogrammiert werden muss. Ganz so weit ist es aber noch nicht.
Ein Roboter auf dem Krankenhausflur: Wie reagieren die Menschen darauf?
Was HELIA bei seinem Debüt auf der Station ausgelöst hat, erzählt Prof. Dr. Astrid Schmieder, leitende Oberärztin der Dermatologie und von Anfang an mit im Boot.
Schmieder zufolge ist die Erwartungshaltung von medizinischen Fachkräften hoch – viele erhoffen sich durch HELIA spürbare Entlastung im Alltag. Die Realität sei jedoch noch nicht so weit: Der Roboter müsse erst programmiert werden, und bis eine Technologie wie HELIA tatsächlich Entlastung bringen kann, dauere es nach ihrer Einschätzung noch mehrere Jahre.
Roboter weltweit im Einsatz - baugleiche Modelle arbeiten auf Ölplattformen, in Windparks & Stahlwerken – nie zuvor auf einer Klinikstation.
Mio. Euro Fördersumme stehen dem Team zur Verfügung
Jahre Projektlaufzeit - finanziert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Programm "NLP.bot"
Ethik, Sicherheit, Datenschutz: Warum der Einsatz von HELIA so komplex ist
Ein Roboter, der zwischen Menschen umherläuft, ist kein reines Technikthema. Deshalb arbeiten bei HELIA neben den medizinischen Fachkräften aus dem UKW auch Expertinnen und Experten aus der Robotik (Karlsruher Institut für Technologie KIT) und Informatik (FZI Forschungszentrum Informatik) zusammen. Zusätzlich wird das Team durch den Bereich Ethik (Forschungszentrum Jülich) unterstützt und kritisch hinterfragt.
Mit vereinten Kräften für die Robotik, die den Klinikalltag leichter machen soll. Das Team um HELIA.
Das Forschungszentrum Jülich stellt unter dem Kürzel ELSA (Ethical, Legal and Social Aspects) unbequeme, aber wichtige Fragen: Welche Sicherheitsrisiken entstehen, wenn ein so flexibles System missbraucht oder umprogrammiert werden könnte? Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn eine KI eine Entscheidung trifft und wie nachvollziehbar muss diese Entscheidung sein? Auch Datenschutz steht auf der Liste. Dazu kommt die Praxis-Perspektive: Wie viel Vertrauen bringen Patientinnen und Patienten – gerade besonders schutzbedürftige Gruppen – einem Roboter überhaupt entgegen, und was macht das mit dem Verhältnis zwischen ihnen und dem medizinischen Fachpersonal?
Neben diesen grundsätzlichen Fragen verweist Schmieder auf ganz praktische Hürden: Bevor ein Roboter wie HELIA regulär auf Station eingesetzt werden kann, brauche es entsprechende Regularien, Sicherheitsnachweise und eine CE-Zertifizierung – Prozesse, die Zeit kosten, aber unerlässlich seien.
Prof. Dr. Jan-Hendrik Heinrichs vom Forschungszentrum Jülich bringt das übergeordnete Ziel auf den Punkt: HELIA soll nutzen, ohne zu gefährden – und entlasten, ohne neue Ungleichheiten in der Versorgung zu schaffen.
Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg: Was Medizin, Informatik und Ethik voneinander lernen
Schmieder beschreibt die Zusammenarbeit mit Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen als großen Gewinn – sie bekomme von diesen Menschen ständig neue Perspektiven, auch für ihren medizinischen Alltag. Ganz reibungslos lief das nicht von Anfang an: Jede Disziplin habe ihre eigene Fachsprache, erst musste man lernen, sich gegenseitig zu verstehen – mit dem einen oder anderen verdutzten Gesicht auf beiden Seiten inklusive. Mittlerweile laufe die Zusammenarbeit aber nicht nur effizient, sondern mache auch richtig Spaß, so Schmieder: Das Team habe schlicht Glück gehabt, sich gefunden zu haben.
Das erhofft sich Prof. Schmieder von HELIA
Transportaufgaben: schwere Gegenstände tragen – weniger Verletzungsrisiko, weniger Krankenstände
Dokumentation: Unterstützung bei Visiten-Protokollen und Befunden
Hol- und Bringdienste: Entlastung im Klinikalltag
Assistenz bei Prozeduren: wo bisher zwei Ärztinnen/Ärzte nötig sind, könnte künftig eine Person reichen
Steuerung per Sprache statt Fernbedienung – daran arbeitet aktuell das FZI
Robotik in der Medizin: auf die Akzeptanz bei Klinikpersonal, Patientinnen und Patienten kommt es an
Warum sie sich trotz aller offenen Fragen genau jetzt für dieses Zukunftsprojekt engagiert und wie sie die Rolle der Robotik in der Medizin insgesamt einschätzt, erzählt Prof. Schmieder abschließend selbst.
Autorin: Natascha Mörs | Redaktion MEDICA.de
Seit 20 Jahren schreibt und dreht die Multimedia-Redakteurin Natascha Mörs für MEDICA.de. Besonders die persönlichen Gespräche mit Expertinnen und Experten aus der Welt der Medizintechnologie über ihre praktischen und immer smarteren Lösungen liegen ihr am Herzen.